Deutscher Gewerkschaftsbund

70 Jahre DGB Hessen

18.11.2016

70 Jahre DGB in Hessen

Mitbestimmung – in Wirtschaft und Gesellschaft

Notice

Dokument der amerikanischen Militärregierung. DGB-Archiv im AdsD, DGB-Landesbezirk Hessen, 34/153

Am 24. und 25. August 1946 fand der Gründungskongress des hessischen Freien Gewerkschaftsbundes (F.G.B) im Volkshaus Enkheim in Frankfurt am Main statt. Die Faschisten hatten 13 Jahre zuvor, am 2. Mai 1933, mit der Erstürmung der Gewerkschaftshäuser die Vertretung der deutschen Arbeitnehmerschaft zerschlagen. Nach der Befreiung Deutschlands und Europas machten sich die Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, die den faschistischen Terror überlebt hatten, auf den Weg, die Gewerkschaften wieder aufzubauen.

Der offizielle Wiederaufbau von demokratischen Strukturen war Mitte April 1945 eingeleitet worden, als der Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte Grundsätze für die Bildung von Gewerkschaften bekannt gab. Die amerikanische Militärregierung genehmigte in der Folge - allerdings zunächst nur regional eng begrenzt - die Gründung von Gewerkschaftsorganisationen. Zu den Dokumenten

 

 

 

BR-Wahl FGB

DGB

Am 22. August 1945 erfolgte der Aufruf zur Wahl von Arbeitnehmervertretern in Frankfurt. In der Versammlung der gewählten Arbeitnehmervertretungen am 20. November 1945 skizzierte der spätere Vorsitzende des FGB Hessen, Willi Richter, die ersten Eckpunkte für die Zukunft: die Selbstverwaltung der Sozialversicherungssysteme, der Aufbau eines Arbeitsschutzes, die Entwicklung eines unabhängigen Arbeitsrechts und der Aufbau einer unabhängigen Arbeitsrechtspflege, die Schaffung eines Bundesarbeitsgerichts und die Einführung der paritätischen Mitbestimmung. Damit hatte er Grundzüge eines demokratischen Rechts- und Sozialstaats aufgezeigt, die auch Gegenstand der Diskussion um die hessische Verfassung waren und zu ihrem Bestandteil wurden. Auch daran wirkten Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter mit, weil sie in der verfassungsgebenden Versammlung aktiv mitarbeiteten.

In vielen hessischen Städten trafen sich Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, um sich an schwierige Aufgaben zu machen. Die Alltagssituation in den ersten Nachkriegsjahren und somit die Arbeit der frühen Gewerkschaftsorganisationen war gekennzeichnet durch den Mangel an und die Zerstörung von Wohnraum, die Unterversorgung mit Lebensmitteln, Demontage und Schäden an Industrieanlagen.

 

Willi Richter

Willi Richter DGB

 „Schafft die Einheit“

Darüber hinaus wollten sie eine demokratische Gewerkschaftsorganisation aufbauen, die am ehesten geeignet war, undemokratischen Entwicklungen in der Zukunft entschiedenen Widerstand entgegenzusetzen. Es folgte ein Klärungsprozess über die zukünftige Struktur. Dabei galt es, zwischen Einheitsgewerkschaft und Industriegewerkschaftsprinzip zu entscheiden. Nach einem längeren Klärungsprozess fiel die Entscheidung für das Industriegewerkschaftsprinzip. Also ein Betrieb, eine Gewerkschaft, und diese sollten parteipolitisch unabhängig sein. Auf dieser Grundlage der FGB Hessen im Volkshaus Bergen-Enkheim gegründet.

In den Grundsätzen, die die 265 Delegierten des ersten hessischen Gewerkschaftskongresses beschlossen, heißt es: „Alle Arbeitnehmer, Arbeiter, Angestellte und Beamte bedürfen zur Wahrnehmung ihrer sozialen und wirtschaftlichen Belange, gegenüber den Unternehmen und Behörden aller Art, den Zusammenschluss in ihrer Gewerkschaft, im Freien Gewerkschaftsbund Hessen (F.G.B Hessen). Aufgebaut und verwaltet nach demokratischen Grundsätzen dient er keiner Partei oder weltanschaulicher Gemeinschaft. Er erwartet von seinen Mitgliedern gegenseitige Achtung ihrer parteipolitischen und weltanschaulichen Einstellung. (…) Seine Grundhaltung ist antimilitaristisch und antinazistisch. Die Überlieferung der alten deutschen Gewerkschaften getreu tritt der Freie Gewerkschaftsbund Hessen für Völker, Frieden und Freiheit ein. Er erstrebt und fördert deshalb die Verständigung und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern der Erde, durch gemeinsames Wirken mit den Gewerkschaften aller Völker und Eingliederung in die gewerkschaftliche Weltorganisation aller Arbeitnehmer.“

Zum ersten Vorsitzenden wurde Willi Richter mit großer Mehrheit gewählt. Stellvertreter wurden Max Bock von der Gewerkschaft Metall und Alfred Fuchs von der Gewerkschaft Handel und verwandte Gewerbe. Richter war ab 1956 Bundesvorsitzender.

 

Wilhelm Leuschner

Wilhelm Leuschner AdsD / Alle Rechte vorbehalten

Das Vermächtnis Wilhelm Leuschners

Der gewerkschaftliche Neubeginn nach der Befreiung vom Faschismus war von dem Vermächtnis Wilhelm Leuschners geprägt, der am 20. Juni 1944 von den Nazis ermordet wurde. Leuschner, der schon vor 1933 ein profilierter Gewerkschafter und später hessischer Innenminister war, hatte noch aus dem Gefängnis heraus den Überlebenden mit auf dem Weg gegeben: „Schafft die Einheit!“ Sein Wunsch war eine Einheitsgewerkschaft, die alle politischen Richtungen in sich vereint – ausgenommen die faschistische.

Willi Richter fasste es am 24. August 1946 in seinem Bericht über den Neuaufbau der Gewerkschaften und des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes in Hessen so zusammen „Im Gegensatz zu der Zeit vor 1933, wo die Gewerkschaften in verschiedenen politischen und weltanschaulichen Richtungen aufgespalten waren, haben sich die Arbeitnehmer in Erkenntnis zwingender Notwendigkeit unter Beiseitelassen alles Trennenden in der auf Grund ihrer Tätigkeit zuständigen Gewerkschaft vereinigt.

Es ist deshalb ganz selbstverständlich, daß diese Gewerkschaften keiner politischen Partei noch einer weltanschaulichen Gemeinschaft dienen wollen und dürfen und daß unter den Mitgliedern gegenseitige Achtung ihrer parteipolitischen und weltanschaulichen Einstellung herrscht. Damit ist jedoch nicht gesagt, daß die Funktionäre und Mitglieder der Gewerkschaften nicht einer Partei angehören oder nicht in einer Partei mitwirken dürfen. Auch soll damit nicht zum Ausdruck gebracht werden, daß sie nur einer bestimmten Partei angehören und in derselben wirken dürfen. Ebenso ist jedem Mitglied volle Freiheit in seiner weltanschaulichen Einstellung und Betätigung gewährt. Dies ist und darf nicht nur ein Lippenbekenntnis sein, sondern muß ernster Ueberzeugung entsprechen und in der praktischen Tagesarbeit danach gehandelt werden.“

Für besonders notwendig hielt der F.G.B 1946 die Sicherung des Acht-Stunden-Tages, die Sicherung ausreichender Gehälter, ausreichende Ruhe- und Erholungszeiten, den Ausbau des Arbeitnehmerschutzes und des ausreichenden Schutzes der Frauenarbeit, Verbot aller Kinderarbeit, Schutz der Heimarbeit, gesunde Wohnungen und Siedlungen, Regelungen des Lehrlingswesens, Förderung der Berufsbildung und Weiterbildung sowie die Förderung eines den Arbeitnehmerinteressen dienenden Genossenschaftswesens.

Die gewerkschaftliche Forderung nach einer größeren Beteiligung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den Betrieben fand ihren Niederschlag im hessischen Betriebsrätegesetz vom 31. Mai 1948. Grundpfeiler des ersten Betriebsrätegesetzes der deutschen Länder waren die Mitbestimmung in sozialen Fragen, in personellen Angelegenheiten und in wirtschaftlichen Fragen.

 

DGB Hessen

Picnik




28.11.2016

70 Jah­re DGB Hes­sen - Ju­bi­lä­ums­fei­er am 26.11.2016

DGB Hessen-Thüringen / Anja Peschke
Am 26.11. kamen zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ins Frankfurter Gewerkschaftshaus. Sie feierten mit uns zusammen 70 Jahre DGB Hessen und DGB Frankfurt am Main und 85 Jahre Gewerkschaftshaus Frankfurt. Hier einige Fotos von der Jubiläumsfeier.
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