Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 108 - 01.09.2010

Gerede von Tausenden freien Ausbildungsplätzen offenbar nur Bluff

Die meisten Angebote bei den Industrie- und Handelskammern erst für nächstes Jahr oder bereits besetzt

Zum Start des Ausbildungsjahres hat die DGB-Jugend Hessen das angeblich so üppige Angebot der freien Ausbildungsplätze überprüft. Dafür wurden die als frei gemeldeten Stellen der hessischen Industrie- und Handelskammern systematisch ausgewertet.

Die Leiterin der hessischen DGB-Jugendabteilung, Anke Muth zeigte sich anschließend verwundert: „Erstens gibt es lange nicht so viel freie Ausbildungsstellen wie noch vor zwei Wochen behauptet. Zweitens sind die meisten freien Stellen erst für das nächste und nicht für das beginnende Ausbildungsjahr. Drittens sind von denen, die tatsächlich noch in diesem Jahr beginnen können, sehr viele mittlerweile schon besetzt, werden aber im Internet trotzdem noch angeboten.“

So seien mit Stand der Kalenderwoche 34 (23.8. – 27.8.) bei den zehn hessischen Industrie- und Handelskammern insgesamt 1509 Lehrstellen angeboten gewesen. Nur 373 davon seien in diesem Jahr überhaupt noch zu besetzen gewesen. Bei über einem Drittel (138) von diesen Angeboten haben DGB-MitarbeiterInnen persönlich angerufen und nach dem Platz gefragt. Dabei stellte sich heraus, dass von den 138 angefragten Ausbildungsplätzen 103 schon vergeben waren.

Anke Muth zum Beispiel Frankfurt: „Wenn die Frankfurter Industrie- und Handelskammer Anfang August in Zeitungen behauptet, es seien allein in ihrem Bezirk noch 1300 freie Ausbildungsplätze gemeldet, dann frage ich mich, wo die sind.“ Die DGB-Recherchen hätten ergeben, dass mit Stand Kalenderwoche 34 im IHK-Bezirk Frankfurt lediglich 353 Ausbildungsplätze als frei gemeldet waren. Bei genauerem Hinsehen habe sich sogar herausgestellt, dass von diesen 353 angeblich freien Ausbildungsplätzen 267 erst für das kommende Ausbildungsjahr 2011 angeboten werden. Lediglich 86 Stellen könnten noch in diesem Jahr angetreten werden. Anke Muth weiter: “Ruft man bei diesen Stellen an und interessiert sich für sie, dann stellt sich heraus, dass ein guter Teil von ihnen bereits besetzt ist.“

Muth fordert die Industrie- und Handelskammern auf, diese Verschleierungstaktik aufzugeben und ihre freien Ausbildungsplätze an die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit zu melden. “Dort werden die Plätze professionell vermittelt. Außerdem würde es eine größere Übersichtlichkeit geben, wenn alle Anbieter ihre freien Plätze an die BA weitergäben. „Derzeit ist die Situation viel zu verworren. Keiner kann klar sagen, wie viel Suchende und wie viel freie Angebote es in Hessen gibt.“


Nach oben

Kontakt

So er­rei­chen Sie uns
dgb / ske
DGB Hessen-Thüringen Abteilung Öffentlichkeitsarbeit Wilhelm-Leuschner-Str. 69-77 60329 Frankfurt Telefon 069-27300552 oder 51 Telefax 069-27300555
weiterlesen …