Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 080 - 14.11.2016

DGB und VhU begrüßen erleichterten Hochschulzugang für Facharbeiter

Der DGB Hessen-Thüringen und die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) freuen sich, dass seit dem Wintersemester Facharbeiter mit einem Abschluss von mindestens 2,5 in einem dreijährigen Ausbildungsberuf ohne die bisherigen zusätzlichen Voraussetzungen an staatlichen hessischen Hochschulen ein Studium aufnehmen können.

Sie begrüßen diesen „Pionieransatz“ im Bundesland Hessen und den heute vom Wissenschaftsministerium vorgestellten Modellversuch mit Evaluation sehr. Beide Organisationen hatten bei der Landespolitik dafür Überzeugungsarbeit geleistet. Die Digitalisierung aller Wirtschafts- und Lebensbereiche wird nach Einschätzung von DGB und VhU in den Unternehmen zu Umbrüchen und Neuorientierungen führen. Duale Ausbildungsberufe, die das Lernen in der Praxis integrieren, werden auch in Zukunft gebraucht. Facharbeiter haben nun zwei Optionen der Höherqualifizierung: die berufliche Aufstiegsfortbildung und der Weg an die Hochschulen. Jugendliche sollten wieder vermehrt die berufliche Bildung als einen Einstieg in das Berufsleben nutzen. Duale Ausbildung vermittle eine Existenzgrundlage, ohne die Entwicklungschancen zu beschränken. Hochschulen müssen sich für diese neue Klientel öffnen. Die bisherige Erfahrung zeigt, dass beruflich Qualifizierte mindestens so erfolgreich sind wie Studenten mit einer schulischen Hochschulzugangsberechtigung.

Der Modellversuch des Landes Hessen ist ein wichtiger Schritt bei der Weiterentwicklung des Bildungssystems. Wir müssen die Abschottung zwischen den Systemen der beruflichen Bildung und der akademischen Bildung aufheben. Der Arbeitsmarkt braucht Menschen, die theoretische Qualifikationen einer akademischen Ausbildung und Praxislernen miteinander verbinden. Kurz gesagt: Wir brauchen sowohl den betrieblichen Praktiker als auch den Akademiker, aber immer öfter in einer Person. Denn die duale Berufsausbildung ist auch in Zukunft die Ausbildungsschmiede für industrielle Produktion, Dienstleistung und Handwerk“, sagte die VhU-Bildungsexpertin Charlotte Venema. Die Qualifikationsansprüche auf dem Arbeitsmarkt stiegen. Daher sei der Trend zur Akademisierung eine verständliche Reaktion der Jugendlichen. Aber die praxisorientierten Umsetzungskompetenzen, die die berufliche Bildung vermittelt, seien ebenso unverzichtbar für die Wirtschaft.

Für die Jugendlichen eröffnen sich neue Perspektiven. „Bisher war der Zugang zur Hoch­schule für berufliche Qualifizierte nur mit hohem Aufwand möglich. Jugendliche und ihre Eltern wussten davon und haben sich oft gegen eine Berufsausbildung entschieden, um sich Möglichkeiten offen zu halten. Der Modellversuch ist ein wichtiger Schritt für die Gleichwertigkeit von schulischer und beruflicher Bildung“, kommentierte DGB-Bildungs­experte Matthias Körner. „Die Azubis können den Zugang zur Vertiefung und Fortsetzung ihrer Ausbildung nutzen. Sie können auch einen Perspektivwechsel suchen. Beides ist ein großer Fortschritt.“

 


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