Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 054 - 28.09.2018

Sachgrundlose Befristung abschaffen

Anlässlich der Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten in Hessen für den Monat September fordert der DGB Hessen-Thüringen verstärkte Anstrengungen bei der Fachkräftesicherung durch eine wirksame Eindämmung prekärer Beschäftigung – insbesondere bei der zeitlichen Befristung von Arbeitsverträgen.

Der Arbeitsmarkt in Hessen ist nach wie vor gespalten. Längst nicht alle Beschäftigten profitieren von der insgesamt positiven Entwicklung. So waren nach Mikrozensus-Daten im Jahr 2017 insgesamt 235.000 hessische Arbeitsverträge zeitlich befristet, davon knapp zwei Drittel mit einer Laufzeit von 12 Monaten und weniger. Knapp ein Drittel der befristet Beschäftigte (32,5 Prozent) arbeitet dabei im Niedriglohnsektor – im Vergleich: bei den unbefristet Beschäftigten liegt der Anteil der Niedriglohnverdiener bei „nur“ 16,4 Prozent.

„Insbesondere vor dem Hintergrund der Diskussionen um den vermeintlichen Mangel an Fachkräften ist es unverständlich, warum die Unternehmen in so hohem Maße Arbeitsverträge zeitlich befristen. Gerade jungen Menschen ist es nicht möglich, eine verlässliche Lebens- und Familienplanung zu betreiben“, erklärt der Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Michael Rudolph. Besonders ausgeprägt seien Befristungen in den Bereichen Erziehung und Unterricht, im Gastgewerbe sowie im Gesundheits- und Sozialwesen.

Michael Rudolph fordert die Politik auf, insbesondere die Befristung ohne Sachgrund, die im großen Maß den öffentlichen Dienst und den Hochschulsektor betreffen, unverzüglich abzuschaffen: „Nahezu die Hälfte aller befristet Beschäftigten sind sachgrundlos befristet. Oftmals kommt es zum Drehtür-Effekt: befähigte Mitarbeiter bekommen nach der rechtlich zulässigen Befristungszeit von zwei Jahren keine Festanstellung und müssen den Betrieb wieder verlassen.“ Rudolph appelliert an die Große Koalition, diese Praxis schnellstens zu beenden: „Die Bundesregierung hat dazu zwar Pläne, jedoch bleiben diese weit hinter den Erfordernissen zurück. Viele Beschäftigte würden davon nicht profitieren, weil sie in Unternehmen mit weniger als 75 Beschäftigten arbeiteten, die wiederum von der Regelung ausgenommen sind. Wir erwarten, dass die sachgrundlose Befristung für alle abgeschafft wird!“

 


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