Deutscher Gewerkschaftsbund

02.07.2015

Hessische Handwerkskammern und DGB Hessen-Thüringen wollen Fachkräftepotentiale aktivieren

Der DGB Hessen-Thüringen und die Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern sind sich einig, dass angesichts des immer deutlicheren Fachkräftebedarfs in den hessischen Handwerksbetrieben alle Potentiale aktiviert werden müssen, um mehr qualifizierte Arbeitnehmer zu gewinnen.

Für besonders erfolgversprechend halten Kammervertreter und Gewerkschafter es dabei, junge Menschen frühzeitig für eine Ausbildung im dualen System zu gewinnen. Der ungebremste „Run“ auf die Hochschulen wird dabei beiderseits kritisch bewertet.

Daneben gelte es, an an- und ungelernte Arbeitnehmer sowie Flüchtlinge und Asylbewerber mit konkreten Maßnahmen heranzutreten. "In unseren Betrieben arbeiten viele Angelernte, die mit passenden Angeboten motiviert werden können, z. B. noch einen Gesellenbrief zu erwerben", so der hessische Handwerkspräsident Bernd Ehinger. Die DGB- Bezirksvorsitzende Gabriele Kailing hierzu: "Wir engagieren uns gemeinsam dafür, dass die umfangreichen Maßnahmen des gemeinsam mit den Arbeitsagenturen und der Landesregierung verabschiedeten 'Konzeptes Nachqualifizierungsoffensive Hessen' umgesetzt werden."

Handwerksvertreter und Gewerkschaften verweisen aber auch darauf, dass Beratung und Qualifizierungsschecks allein oft nicht ausreichen. Gerade bei Vollzeitmaßnahmen besteht die Problematik, dass es keine Förderung des Lebensunterhalts während der Weiterbildungszeit für die Zielgruppe gibt und diese nur in den seltensten Fällen auf Ersparnisse zurückgreifen können.

In der zunehmenden Zahl der Flüchtlinge und Asylbewerber sehen Handwerkskammern und Gewerkschaften durchaus auch Chancen. Wichtig sei aber, dass möglichst frühzeitig das Erlernen der deutschen Sprache sowie eine Kompetenzfeststellung erfolgt und passgenaue Kurse in deutscher Sprache angeboten werden müssen.

"Ohne alltagstaugliche, im Handwerk z. B. 'baustellentaugliche' Sprachkenntnisse ist eine erfolgreiche Integration unmöglich", so Handwerkspräsident Bernd Ehinger. Handwerksbetriebe scheuten sich nicht, motivierte und berufserfahrene Flüchtlinge einzustellen: "Bei uns zählt nicht, wo man herkommt, sondern wo man hinwill", verweist Ehinger auf einen Slogan des deutschen Handwerks.

Die DGB-Bezirksvorsitzende Kailing unterstützt die Handwerksposition: "Für die Gesellschaft und die Volkswirtschaft ist es nicht zumutbar, diese Personen monatelang ohne Beschäftigung zu lassen. Das demotiviert die Flüchtlinge und schadet der Integrationsbereitschaft der Bevölkerung."

DGB und Handwerkskammern unterstützen den gemeinsamen Vorschlag der Ministerpräsidenten Bouffier, Dreyer und Kretschmann, Flüchtlingen, die eine Ausbildung begonnen haben, für die Dauer der Ausbildung und möglichst zwei Jahre darüber hinaus einen Rechtsstatus zu geben, der sie vor Abschiebung schützt. "Die Betriebe sind bereit sich zu engagieren, wenn sie auch etwas davon haben."

Einigkeit bestand zwischen Handwerks- und Gewerkschaftsvertretern bei der Frage der Tariftreueregelungen für öffentliche Aufträge, da so die legal und gesetzeskonform agierenden Betriebe vor den 'schwarzen Schafen' geschützt werden. Für den DGB ist klar: Tarifbindung sichert Fachkräfte. Gute Arbeit ist vor allem fairer Lohn. Gute Bezahlung wird im Wettbewerb um die Fachkräfte immer wichtiger.

"Für unserer Handwerksbetriebe ist es eine Selbstverständlichkeit, unseren Leuten einen anständigen Lohn zu zahlen, der zumeist deutlich über dem Mindestlohn liegt.", bekräftigt Ehinger, "was uns aber massiv aufregt, ist der bürokratische Kontroll- und Dokumentationsaufwand rund um das Mindestlohngesetz. Hier ist der Gesetzgeber weit über das Ziel hinausgeschossen".

Die Vertreter des DGB argumentierten hier anders, denn nur durch die Kontrollen sei es möglich, die schwarzen Schafe zu identifizieren. Aus Sicht des DGB ist die Dokumentation ein unverzichtbares Instrument zur Kontrolle des Mindestlohns. „Wer seine Beschäftigten ehrlich bezahlen und nicht bewusst um Lohn prellen will, muss ohnehin die Arbeitszeit genau erfassen. Das galt schon immer – mit oder ohne Mindestlohn-Gesetz,“ so Kailing.

Beide Seiten versicherten, dass bei allen Unterschieden in Bewertungen von Einzelfragen, die Zusammenarbeit – auch durch die Mitwirkung der Arbeitnehmervertreter in den Handwerkskammern ‑ konstruktiv und zielgerichtet fortgesetzt werden soll.

 

 


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