Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 105 - 05.11.2012

Ausbildungsreport Hessen 2012

Erschöpfte Auszubildende werden keine guten Fachkräfte – immer noch zu viele Überstunden

Dritter Ausbildungsreport der DGB Jugend Hessen-Thüringen

Rund 40 Prozent der hessischen Auszubildenden machen regelmäßig Überstunden. Über Probleme beim Erholen nach der Arbeitszeit klagen 55 Prozent der Auszubildenden. Im Hotel- und Gaststättenbereich sind es sogar bis zu 73 Prozent. Das geht aus dem dritten Ausbildungsreport für Hessen hervor, den die DGB-Jugend heute vorgestellt hat. Anke Muth, Jugend-Abteilungsleiterin beim DGB Hessen-Thüringen: „Chronisch übermüdete junge Menschen werden es schwer haben, gute Fachkräfte zu werden. Sie können sich nicht gut konzentrieren und lernen dadurch schlechter. Ausbildungserfolge werden auf diese Weise nicht erzielt. Es kommt vielmehr stark auf die Rahmenbedingungen an, die Betriebe in der Ausbildung setzen, wie zum Beispiel das Einhalten des Überstundenverbots oder des Ausbildungsplans. Jeder zehnte hessische Jugendliche in Ausbildung hat keinen Ausbilder an seiner Seite, 36 Prozent geben an, keinen Ausbildungsplan zu haben, obwohl beides vorgeschrieben ist. Vor dem Hintergrund der Diskussion über fehlende Fachkräfte sind diese Ausbildungsbedingungen nur sehr schwer verständlich.“

Der Vorsitzende des DGB Bezirks Hessen-Thüringen, Stefan Körzell, „Die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen. Insgesamt sind in Hessen 64% der Betriebe ausbildungsberechtigt, davon bilden aktuell nur 30% der hessischen Betriebe aus und es zeigen sich wiederholt Mängel in der Qualität der Ausbildung. Eine nachhaltige Fachkräftesicherung sieht anders aus! Aus unserer Sicht müsste bei der derzeitigen Arbeitsmarktsituation kein einziger Jugendlicher arbeitslos sein. Es werden Fachkräfte gebraucht. Die Altersstruktur in vielen hessischen Betrieben ist unausgewogen. Es fehlt an Nachwuchs.“ Die Unternehmen, so Körzell, hätten es durchaus in der Hand, für ihren Fachkräftenachwuchs zu sorgen.

Für den Ausbildungsreport wurden in diesem Jahr insgesamt 2.397 Befragungsbögen ausgewertet. Die Befragten werden in den 25 häufigsten Ausbildungsberufen ausgebildet. Die Ergebnisse sind repräsentativ.

Einer der diesjährigen Schwerpunkte des Reports ist das Thema Berufsschule.
So sieht sich nur jeder zweite Jugendliche sehr gut bis gut auf die theoretische Prüfung vorbereitet. Das geht oft einher mit zu großen Klassen und mangelhafter Ausstattung.

Anke Muth: „Wir brauchen ein zusätzliches Ausstattungsprogramm für die beruflichen Schulen in Hessen, um die Qualität der dualen Ausbildung auch in diesem Bereich sicher zu stellen. Unabdingbar dafür sind moderne Lehrmittel und eine Erhöhung der Quote der voll ausgebildeten Berufsschullehrkräfte.“

 

Hier können Sie sich den Ausbildungsreport als PDF-Datei herunterladen.


Nach oben

Kontakt

So er­rei­chen Sie uns
dgb / ske
DGB Hessen-Thüringen Abteilung Öffentlichkeitsarbeit Wilhelm-Leuschner-Str. 69-77 60329 Frankfurt Telefon 069-27300552 oder 51 Telefax 069-27300555
weiterlesen …