Deutscher Gewerkschaftsbund

04.07.2012

DGB-Jugend gegen das Vergessen

Eine Fahrt zur Gedenkstätte Mittelbau-Dora

Dora

dgb/begass

Eine angekündigte vierstündige Busfahrt am letzten Wochenende des Junis diesen Jahres schreckte uns nicht ab, unsere Reise anzutreten. Es gab uns vielmehr Gelegenheit, uns noch einmal  auf kommende Eindrücke vorzubereiten. Dachten wir. Denn eine wunderschöne, grünende Landschaft bei strahlendem Sonnenschein hatten wir, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gewerkschaftsjugend und sicher auch unsere Kolleginnen und  Kollegen der DGB-Senioren, wahrlich nicht erwartet.

 

Die idyllische Landschaft mit dem neuen, modernen Hauptgebäude stehen im krassen Gegensatz zu den ungeheuerlichen Geschehnissen, die uns im weiteren Verlauf vermittelt werden sollten. Denn unser Ausflug führte uns zum ehemaligen Arbeitslager Dora bzw. Konzentrationslager Mittelbau bei Nordhausen in Thüringen.

 

Nach der herzlichen Begrüßung durch unsere Seminarleiterin lernten wir in einem ersten Rundgang die Gedenkstätte kennen. Die Produktionsstätte sowie das dazugehörige Gefangenenlager, am Fuße des Kohnsteins gelegen, dienten zunächst der Produktion der V1-Flügelbombe und später der V2-Rakete. Hierzu mussten die Gefangenen Stollen in den Berg treiben, was diese häufig ihr Leben kostete.

 

Durch abwechslungsreiche (Zeit-)dokumente – von Bildern über Texte bis hin zu Originalfilmaufnahmen der Befreiung – erhielten wir Einblicke in das Leben und Leid der Gefangenen. Schwer vorstellbar an diesem Ort ist das Leid, das Elend, einhergehend mit Hunger und Durst, unmenschlichen Lebensbedingungen: So mussten die Menschen unter Tage bei 0°C mit spärlicher Kleidung und völlig unterernährt hart, oft bis zum Tode, schuften. Häufig standen den Gefangenen keine Sanitäranlagen zur Verfügung und zum Schlafen dienten völlig überfüllte Schlafräume – zu Beginn Stollen und später Baracken – mit vierstöckigen „Betten“ mit Strohsäcken, welche durch die hohe Luftfeuchtigkeit schimmelten.

 

Neben dem Hauptlager Mittelbau besuchten wir eines der vielen Außenlager, die Gedenkstätte Ellrich-Juliushütte. Ein Lager, das unter den Gefangenen gefürchtet war. Arbeitskräfte, die für die Faschisten bedeutungslos waren, sei es aufgrund mangelnder Fachkenntnisse für den Raketenbau oder schwindender Kräfte, wurden nach Ellrich-Juliushütte geschickt. Dies bedeutete oft den sicheren Tod. Denn den kräftezehrenden Baumaßnahmen diverser Projekte hielten viele nur kurze Zeit stand. Den Wahnsinn der Faschisten zeigt noch einmal die Tatsache, dass diese noch im März 1945 aufgrund der hohen Sterberate ein Krematorium im Lager Ellrich-Juliushütte einrichteten. Zum Glück waren die Befreier nicht mehr weit...

 

Immer wieder beeindruckend sind auch Berichte über das Leben nach dem Massenmord: Denn die Mehrheit der Gejagten, Gequälten und für ihr Leben Geprägten hatten keine, wie man doch stark annehmen könnte, Wut auf den Großteil der Menschen, die ihnen das angetan haben. Umso erstaunlicher, weil zu wenige der Mörder ihre gerechte Strafe erhielten. Vielmehr sind und waren die ehemaligen Gefangenen daran interessiert, gemeinsam ihre Geschichten zu erzählen, zu gedenken und auch zu erinnern, so dass sich hoffentlich so etwas nie wiederholen möge und all die Opfer als Mahnmal dienen.


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