Deutscher Gewerkschaftsbund

03.02.2015
Die DGB-Jugend lädt ein

Veranstaltungsreihe "Rechtsterrorismus in Deutschland" in Darmstadt

Die Geschichte des Rechtsterrorismus in Deutschland beginnt nicht erst mit dem NSU. Schon seit den 1950ern gibt es in Deutschland bewaffnete Gruppe und immer wieder Anschläge. Die DGB-Jugend setzt sich ab 28.02.2015 mit dieser Kontinuität und einem besonderem Blick auf Hessen auseinander und lädt ein zu folgenden Veranstaltungen.

 

28.02.  18 Uhr Hans-Böckler-Saal, DGB Haus Darmstadt

Thomas Lecorte (freier Journalist)

Von Werwölfen und Kalten Kriegern - (Neo)nazistische Kontinuitäten*

1945 endeten viele, doch bei weitem nicht alle Nazi-Träume. Der kalte Krieg gegen die Sowjetunion brachte unheimliche Bündnisse zwischen westlichen Alliierten und Nazis hervor, die bis heute nur wenig aufgeklärt sind. Auch die Frage, wie eng dies mit dem Revival der politischen Neonazi-Bewegung in Westdeutschland in Verbindung zu bringen ist, ist längst nicht hinreichend beantwortet. Hessen war davon stark betroffen: Als militärisch wichtige Frontlinie im Kalten Krieg ebenso wie als Brutstätte radikaler Neonazi-Gruppen Ende der 1970er Jahre. Während sich der „Technische Dienst“ als Stay-Behind-Truppe für den Fall einer sozialistischen Machtübernahme auf Mordanschläge vorbereitete, planten militante Zellen Sprengstoffanschläge auf DDR-Einrichtungen.   

 

18.03.2015   18.30  Schlosskeller Darmstadt

Yury Winterberg (Journalist und Buchautor zur extremen Rechten)

Neonazi, Terrorist, Aussteiger - Die vergessene Geschichte des Odfried Hepp

Der „Spiegel“ nannte ihn den Chefdenker der Neonazi-Szene. Als er 1985 festgenommen wurde, war er einer der meistgesuchten Terroristen der Welt. Die von ihm initiierte Hepp-Kexel-Gruppe verübte Bombenanschläge auf Einrichtungen der US-Army im Rhein-Main-Gebiet. Nach einer langjährigen Haftstrafe sagte er sich vom Neonazismus los, brachte durch seine Aussagen andere nazistische Gewalttäter hinter Gitter. Dennoch setzte ihn das FBI nach dem 11. September 2001 auf die Liste der Verdächtigen. Kurz darauf versuchte der deutsche Geheimdienst, Odfried Hepp anzuwerben…

Die exemplarische Lebensgeschichte des Odfried Hepp zeigt Wurzeln und Entwicklungslinien einer heute noch allgegenwärtigen Bedrohung.

 

10.4 .2015, 19 Uhr
Glaskasten HDA /Schöfferstr. 3/  Darmstadt

Referent: Robert Andreasch (a.i.d.a. München)

Das Oktoberfestattentat und die Wehrsportgruppe Hoffmann

Das Attentat auf das Oktoberfest vom 26.09.1980, das 13 Tote und über 200 Verletzte forderte, war der blutigste Terroranschlag in der Geschichte der BRD. Für die Strafverfolgungsbehörden war schnell klar: es handelt sich um die Tat es Einzelttäters. Doch zahlreiche Hinweise werfen weiterhin viele Fragen auf. Ungeklärt bleibt vor allem die Rolle der Wehrsportgruppe Hoffmann, der der Täter Gundolf Köhler angehörte. Bis zu ihrem Verbot war die WSG Hoffmann eine der wichtigsten Schnittstellen des neofaschistischen Lagers. Auch in Hessen agierten Ableger der Wehrsportgruppe. Einzelne Spuren des Münchener Attentats führten auch zu Mitgliedern der Gruppen in Hessen.

 

18.05.2015  19 Uhr Glaskasten der Hochschule Darmstadt

Andreas Speit (Der Rechte Rand / taz)

Der Weg zum NSU  
Über die Militanz der Neonaziszene in den 1990ern

Die rassistisch motivierten Verbrechen des "Nationalsozialistischen  Untergrund" (NSU) offenbarten eine neue Dimension extrem rechter Gewalt. Doch diese Form des politischen Kampfes ist kein Einzelfall. In der 90er Jahren wurde in der Szene breit über einen bewaffneten Kampf diskutiert. Texte über Geld- und Waffenbeschaffung kursierten, Bücher über Terrorgruppen und –strategien ebenso. Aktionen folgten. Eine Radikalisierung der Szene lief, während zugleich in der Politik das Asylrecht eingeschränkt wurde. In diesem gesellschaftlichen Kontext entwickelte sich das NSU-Trio – politisierte und radikalisierte sich.

 

8.06.2015   19 Uhr  Schlosskeller Darmstadt

 Michael Weiss (NSU Watch) und weitere

 Die NSU-Aufklärung: Fragen über Fragen…

Auf das Konto des NSU gehen mindestens 10 Morde sowie zwei Sprengstoffanschläge. Vor dem Oberlandesgericht München müssen sich seit Mai 2013 Beate Zschäpe und vier weitere Personen wegen Mittäterschaft bzw. Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verantworten. Ein Ende des Prozesses ist noch nicht absehbar. Auch die Untersuchungsausschüsse des Bundestages sowie der Landtage in Sachsen, Thüringen und Bayern ließen viele Fragen unbeantwortet. Seit Mai 2014 existiert auch in Hessen ein Untersuchungsausschuss. Neben der Rolle des Verfassungsschützers Andreas Temme, der zur Tatzeit des Mordes an Halit Yozgat am Tatort in Kassel war, wird es u.a. um die Frage gehen, welche Kontakte der NSU nach Hessen hatte.

Michael Weiss und weitere Vertreter_innen der Beobachtungsstelle NSU Watch werden diesen und weiteren Fragen nachgehen und dabei einen besonderen Blick auf den Untersuchungsausschuss in Hessen richten

Die Veranstaltungsreihe findet in Kooperation mit dem AStA der TU Darmstadt, dem AStA der HDA Darmstadt, dem Antifaschistischem Infobüro Rhein-Main, der Anti Nazi-Koordination Darmstadt und der Antifaschistischen Initiative Heidelberg statt.  

Schriftzug Rechter Terror

dgbj/schmidt


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