Deutscher Gewerkschaftsbund

06.09.2012

„Qualifizierte ArbeiterInnen fallen nicht vom Himmel“

DGB-Jugend Nordhessen macht mit kreativer Aktion auf katastrophale Zustände auf dem Kasseler Ausbildungsmarkt aufmerksam

Protest zum Ausbildungsstart

dgb/as

Am Donnerstag nachmittag machten ein gutes Dutzend junge Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter mit einer kreativen Aktion vor dem Kasseler IHK-Gebäude auf die miserable Ausbildungsplatzsituation in Kassel aufmerksam.

Die Jugendlichen, die selbst Auszubildende sind, verkleideten sich als Putzhilfen, Babysitter und andere Niedriglöhner. Den vorbeifahrenden Autofahrern sowie den PassantInnen wurde die Botschaft übermittelt: „Ich habe keine Ausbildung bekommen, daher muss ich die Straße fegen.“ Die Aktion stieß auf positive Resonanz. Viele Beobachter brachten ihre Solidarität mit der jungen Generation zum Ausdruck und zeigten Unverständnis für die Politik der Unternehmen.

„Angesichts des viel zitierten Fachkräftemangels können wir nicht verstehen, warum es in Stadt und Landkreis Kassel noch 672 Bewerberinnen und Bewerber gibt, die keinen Ausbildungsplatz erhalten haben“, so André Schönewolf, Jugendbildungsreferent der DGB-Jugend Nordhessen. „Deswegen tragen wir den Protest zur Industrie- und Handelskammer, die uns scheinheilige Erfolgsmeldungen verkauft. Dabei weiß sie ganz genau, dass die Unternehmen insgesamt ca. 5% weniger Ausbildungsstellen im Vergleich zum Vorjahr anbieten.“

Kammern, Arbeitgeberverbände und Arbeitsagentur müssten sich fragen lassen, warum nur ca. 45% der Bewerberinnen und Berwerber in eine betriebliche Ausbildung vermittelt werden konnten. „Die Akteure sind jetzt in der Pflicht, nachzuvermitteln. Wer heute nicht ausbildet, darf sich morgen nicht wundern, wenn dem Arbeitsmarkt immer weniger Fachkräfte zur Verfügung stehen. Wir brauchen endlich eine Ausbildungsplatzumlage – wer nicht ausbildet muss zahlen und somit anderen Betrieben ermöglichen auszubilden“, so Schönewolf.


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