Deutscher Gewerkschaftsbund

17.10.2011

Occupy Frankfurt und Gewerkschaften

Über eine Woche steht das Zeltlager der Occupy-AktivistInnen vor der EZB jetzt. Und obwohl es nachts frostig kalt ist, kommen jeden Tag neue Zelte dazu: Knapp 80 Zelte stehen auf der Wiese vor der EZB. Ein Teilnehmer: "Es ist so krass kalt, dass du morgens fast gar nicht aus dem Zelt raúskommst, so steif sind die Glieder. Aber wir bleiben hier."

Spenden sind dringend notwendig

Die Spendenkasse in der Volksküche DGB Hessen-Thüringen/Fritzel

Die zwei täglichen Versammlungen, bei denen wichtige Dinge besprochen werden, finden mittlerwerweile in großen Zelten statt. Es hat sich eine Organisationsstruktur herausgebildet, so der Eindruck. Bei den Versammlungen geht es zum Beispiel darum, wo man mal duschen gehen kann. Eine Bank hat dafür ihre Mitarbeiterdusche angeboten. Und überhaupt ist die Solidarität groß. Viele Menschen bringen Essen vorbei, was dringend notwendig ist und gerne genommen wird. Aaron Frank, Sprecher, sagt: "Viel Tee haben wir bekommen, und viele andere Dinge auch. Das hätten wir nie erwartet und wir sind superdankbar dafür. Leider fehlt es uns an Kaffee." Kaffeespenden werden also noch gern entgegen genommen. Spenden überhaupt. So hat auch der DGB das Camp unterstützt, mit Material und Know-How. Aber man will sich nicht in den Vordergrund drängen, will nicht vereinnahmen. Das ist auch von Seiten der Occupy-AktivistInnen nicht gewünscht. Ein Zelt mit dem Aufdruck einer großen Gewerkschaft wurde kurzerhand überklebt.

Zentrum des Camps ist das Verpflegungszelt. Es steht direkt am Eingang der kleinen Grünanlage, vom Theater und der Oper aus gesehen. "Es ist toll", sagt Aaron, "die Stimmung ist supersolidarisch. Jeder hilft jedem, alles passt irgendwie zueinander."

Occupy Camp in Frankfurt

Eins der Zelte, in denen es die DemonstrantInnen bei empfindlich kühlen nächtlichen Temperaturen aushalten. DGB Hessen Thüringen/Fritzel

Am Samstag haben die Leute von Occupy wieder eine große Demo in Frankfurt veranstaltet. Und wieder waren Tausende in die Innenstadt gekommen. Auch die DGB-Region Rhein-Main hatte dazu aufgerufen. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sollten sich beteiligen. Regionsvorsitzender Harald Fiedler: „Die entfesselnden Finanzmärkte dürfen nicht über unsere Zukunft entscheiden.“ Wirkliche Demokratie erfordere ein Verbot von Spekulationen auf Staatspleiten, eine Finanztransaktionssteuer, die Schließung der Steueroasen, die Zerschlagung der Großbanken, stattdessen Geschäftsmodelle, die der Realwirtschaft und damit den Menschen zugutekommen.

 

kapitalismuskritisches Plakat

DGB Hessen-Thüringen/Fritzel

Am Samstag kamen ungefähr 6.000 Menschen, am Samstag davor sogar noch mehr. Die Beteiligung übertrifft alle Erwartungen. Die Organisatoren sind schier überwältigt, sagt Aaron Frank "Dass es so viele werden, hatten wir nicht gedacht. Wir haben ja kein Patentrezept, wir haben keine Ahnung von Wirtschaftswissenschaft. Wir haben auch keine Lösungsvorschläge. Aber wir spüren: hier läuft etwas total falsch und wir wollen aufrütteln." 

Mit dieser Erkenntnis sind die Occupy-AktivistInnen nicht allein. Sehr viele Menschen empfinden das genauso. Manche glauben sogar, es seien 99 Prozent.

Jacke mit Aufdruck 99 Prozent

DGB Hessen-Thüringen/Fritzel

Die wirtschaftswissenschaftlichen Abteilungen gewerkschaftlicher oder gewerkschaftsnaher Einrichtungen beschäftigen sich seit langen mit der Finanzkrise und ihren Auswirkungen. Sie denken anders, als wir das aus der täglichen Zeitungslektüre mitunter gewohnt sind, nämlich unabhängig und gegen den Strich. Es lohnt sich, den einen oder anderen Artikel zu lesen. Im Folgenden eine kleine Auswahl. Weitere Links und Downloads folgen.

 

Hier zum Beispiel ein Link zu einem Artikel von Torsten Niechoj zur Eurokrise. http://www.boeckler.de/pdf/p_imk_report_59_2011.pdf

Hier ein Artikel des Sozialwissenschaftlers Erich Vogt aus dem gewerkschaftlichen Debattenmagazin Gegenblende. http://bit.ly/evogt11

Hier zum Download ein Artikel des wirtschaftspolitischen Referenten des DGB, Kai Eicker-Wolf, zur Eurokrise.

60 Zelte stehen vor der EZB

Mehr als 80 Zelte waren es Freitag mittag. DGB Hessen-Thüringen/Fritzel

Guy-Fawkes-Maske

Guy-Fawkes-Maske. DGB Hessen-Thüringen/Fritzel

Diese Maske tragen Occupy-AktivistInnen auf der ganzen Welt. Sie stammt aus dem Comic "V wie Vendetta" von Alan Moore. Darin kämpft die Hauptfigur V in einem fiktiven vereinigten Königreich gegen eine totalitäre Regierung. V trägt diese Maske. Sie heißt Guy-Fawkes-Maske und stellt den gleichnamigen britischen Katholiken aus dem 17.Jahrhundert dar, der das Parlamentsgebäude und die Regierung in die Luft sprengen wollte. "V wie Vendetta" wurde 2006 auch verfilmt.

 


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