Deutscher Gewerkschaftsbund

22.02.2021

DGB gedenkt den Opfern der rassistischen Morde in Hanau

Gedenken – Mahnen – Handeln

 

Michael Rudolph zum 1. Jahrestag des Attentats von Hanau:

"Heute vor einem Jahr wurden bei einem der schrecklichsten rechtsterroristischen Attentate in der Geschichte der Bundesrepublik 9 junge Menschen aus ihrem Leben und dem ihrer Angehörigen und ihrer Freunde und Freundinnen gerissen. Den Opfern dieser kaum zu begreifenden Tat gelten unsere ersten Gedanken. Den Hinterbliebenen gilt unser tiefstes Mitgefühl.

Wir trauern heute mit Ihnen um 

Gökhan Gültekin,

Sedat Gürbüz,

Said Nessar Hashemi,

Mercedes Kierpacz,

Hamza Kurtović,

Vili Viorel Păun,

Fatih Saraçoğlu,

Ferhat Unvar und

Kaloyan Velkov

Ich möchte euch und sie bitten – für eine Schweigeminute inne zu halten.

Bis heute sitzen Schock und Trauer bei den Hinterbliebenen, wie auch bei vielen Hanauerinnen und Hanauern und vielen von uns tief. Viele der Angehörigen der Opfer, ebenso wie die Überlebenden des Anschlages, sind bis heute traumatisiert. Sie können noch immer keinem geregelten Alltag oder ihrer Arbeit nachgehen. Selbst der Gang durch die Innenstadt – vorbei an den Orten der Taten - ist für viele bis heute unmöglich. Viele berichten, dass kein Tag vergehe, an dem sie nicht an ihre Geliebten und die schreckliche Tatnacht denken müssen.      

Emotionalen Halt finden viele von ihnen vor allen in den aus dieser Tat entstandenen solidarischen Strukturen und Initiativen vor Ort. Beispielsweise durch die Initiative 19. Februar, die am Heumarkt auf 140qm einen Ort gegen das Vergessen geschaffen hat. Dieser Ort bietet den Hinterbliebenen Raum zur Trauer, zur gemeinsamen Bewältigung und für die gemeinsame Suche nach Antworten, auf die vielen Fragen. Denn noch immer sind viele Fragen bzgl. der Tatnacht, den Ermittlungen oder den Planungen des Täters – und nicht zuletzt nach möglichen Fehlern seitens der Behörden - nicht beantwortet. Gerade diese offenen Fragen lassen viele Angehörige nicht zur Ruhe kommen. Doch die Angehörigen haben ein Recht auf lückenlose Aufklärung. Darüber hinaus sollten die Angehörigen jegliche Unterstützung erfahren, die sie zur Bewältigung ihrer Trauer und deren Folgen benötigen.   

Wie viele hunderte Menschen, die sich heute überall in Deutschland versammeln, um zu Erinnern und Gedenken, ist es auch unser Anliegen, hier und heute ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen. Doch wir wollen nicht nur gedenken, sondern auch mahnen.

Mahnen, vor einer hinter der Tat stehenden mörderischen Ideologie. Die Tat von Hanau, ebenso wie der Mord an Walter Lübcke, die Mordversuche an Asylsuchenden in Taunusstein, Wächtersbach oder an Ahmed I in Kassel, haben auf erschreckende Weise deutlich gemacht, dass Rassismus immer wieder tötet. Das erschreckende Ausmaß zeigt sich in Deutschland mit Blick auf die seit 1990 mehr als 200 rassistisch-motivierten Morde.

Doch die Täter und Täterinnen dieser Morde agierten nicht aus dem luftleeren Raum heraus. Viele fühlten sich bestärkt durch weit verbreitetes rassistisches Gedankengut und rassistische Diskurse, die in breiten Teilen der Gesellschaft auf Zuspruch stießen.

Wenn die Tat von Hanau wirklich eine Zäsur darstellen soll, wie es in vielen Reden von offizieller Seite hieß, brauchen wir einen noch breiteren Konsens darüber, dass Rassismus – in welcher Form auch immer - keinen Platz in unserer Gesellschaft haben darf.

Um diesen Konsens zu untermauern, fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund die Aufnahme einer Antirassismus-Klausel in die Hessische Verfassung. Eine Antirassismus-Klausel würde ein klares verfassungsrechtliches Signal senden, dass rassistisches Gedankengut das gesamte Gemeinwesen und unsere Demokratie bedroht und daher alle Menschen in Hessen angeht. Und eine solche Klausel würde zu einer Konkretisierung der Grundlagen der wehrhaften Demokratie führen und die Abwehr rassistischer Agitationen explizit zum Staatsauftrag erheben. Der damit verbundene Verfassungsgrundsatz könnte letztlich auch die wichtige Arbeit zivilgesellschaftlicher Initiativen gegen rechts in Hessen unterstützen.

Das ist mindestens so wichtig, wie die finanzielle Ausstattung der Arbeit von Staat und Gesellschaft gegen jede Form der Menschenfeindlichkeit und für ein demokratisches, tolerantes und solidarisches Zusammenleben. 

Doch letztlich liegt es an uns allen, in den alltäglichen Gesprächen, wo immer wir rassistischen Stereotypen begegnen, zu handeln. Wo vielleicht unbedarft vermeintlich einfache Wahrheiten herausposaunt werden, sollten wir versuchen, unsere Mitmenschen gegenüber ihren problematischen Behauptungen zu sensibilisieren. Und dort, wo gezielt Hass und Hetze verbreitet werden, müssen wir einschreiten. 

Es liegt an uns allen, unseren von Rassismus betroffenen Mitmenschen im Alltag solidarisch zur Seite zu stehen, wenn sie in ihrer Menschenwürde angegriffen werden.

Wir alle sind gefordert, einzuschreiten, wo immer uns Rassismus begegnet, um alles dafür zu tun, dass solche schrecklichen Taten nie wieder geschehen."


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