Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 69 - 10.08.2020

DGB Sommertour Michael Rudolph: Besuch Frankfurter Flughafen

Frankfurt, 10.08.2020

Am zweiten Tag seiner Sommertour besuchte Michael Rudolph, Vorsitzender des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen den Frankfurter Flughafen. Dort arbeiten insgesamt knapp 81.000 Beschäftigte. Bei einem Besuch der Fraport AG, LSG Sky Chefs Lounge GmbH und Camso GmbH sprach der DGB-Vorsitzende mit Betriebsräten, Beschäftigten und Mitgliedern der Unternehmensleitungen über die Folgen der Corona-Krise.

Hierzu erklärt Michael Rudolph: „Die Corona-Krise trifft die Beschäftigten am Frankfurter Flughafen mit voller Härte. Aktuell befinden sich viele Beschäftigte in Kurzarbeit. Das Kurzarbeitergeld reicht oft nicht aus, um den Lebensunterhalt zu sichern. Die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes ist groß. Bei den Bodenverkehrsdiensten, zu denen beispielsweise die Flugzeugabfertigung, die Reinigung und das Catering gehören, arbeiten viele Beschäftigte mit befristeten Verträgen und in prekären Jobs wie beispielsweise Minijobs. Sie sind von der Krise am stärksten betroffen, weil sie von der Kurzarbeit nicht profitieren und ihre Arbeit und Existenzgrundlage am leichtesten verlieren.“

Die erste Station der Sommertour war der Flughafenbetreiber Fraport. 2019 arbeiteten dort 22.514 Beschäftigte. Aktuell plant der Konzern, 3.000 bis 4.000 Stellen abzubauen. Viele Beschäftigte befinden sich in Kurzarbeit. Durch den Betriebsrat konnte eine betriebliche Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf 80 bis 95 % des Nettogehalts erreicht werden. Zudem setzt sich der Betriebsrat dafür ein, dass betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden. Weitere Themen des Besuchs waren die Neuwahlen des Betriebsrats und die Tarifrunde des öffentlichen Dienstest.

Michael Rudolph: „Wir erwarten vom Land Hessen und der Stadt Frankfurt als größte Anteilseigner, dass sie sich dafür einsetzen, dass der Personalabbau bei Fraport sozialverträglich ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgt. Seitens des Bundes müssen die corona-bedingten Regelungen zur Kurzarbeit weiter verbessert werden. Die Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes muss auf mindestens 24 Monate verlängert und mit Weiterbildung verbunden werden.“

Als zweites besuchte Michael Rudolph das Catering-Unternehmen LSG Sky Chef Lounge. Im Zentrum des Gesprächs mit dem Betriebsrat stand der Verkauf von LSG an das Schweizer Catering-Unternehmen Gategroup. Der Betriebsrat befürchtet, dass durch den Verkauf tarifvertragliche Vereinbarungen angegriffen werden, was Verschlechterungen bei den Einkommen und Arbeitsbedingungen zur Folge haben würde. Aktuell laufen viele befristete Verträge aus. Wegen der Corona-Krise besteht die Gefahr, dass diese nicht fortgesetzt werden.

Die dritte Station war der Betrieb Camso, der in dem Bereich Catering-Logistik tätig ist. Auch bei Camso befinden sich viele Beschäftigte seit März in Kurzarbeit und sind dadurch von erheblichen Einkommensbußen betroffen. Zudem werden befristete Verträge nicht mehr verlängert. Durch den Betriebsrat konnte eine Betriebsvereinbarung mit Aufstockungsbeträgen für die Beschäftigten abgeschlossen werden, durch die auch betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden. Thema des Besuchs waren auch die anstehenden Lohn-Tarifverhandlungen und die aktuelle Lage bei den bodennahen Dienstleistungen im Luftfahrtbereich. Weil der Auftraggeber LSG anteilig verkauft wurde, ist die vertragliche Zukunft bei Camso noch ungewiss.

Michael Rudolph: „Gewerkschaften und Betriebsräte setzen sich in der Corona-Krise für den Erhalt jedes einzelnen Arbeitsplatzes ein. Die Zweiklassengesellschaft muss beendet werden, indem prekäre Jobs wie beispielsweise sachgrundlose Befristungen und Minijobs zurückgedrängt werden. Außerdem müssen Mitbestimmung und Tarifbindung ausgeweitet werden. In der Corona-Krise ist besserer Schutz für Alle angesagt, nur das stärkt den Zusammenhalt der Gesellschaft.“ Darüber hinaus erneuert der Gewerkschafter die Forderung nach besseren Nachwirkungsklauseln für Tarifverträge bei Betriebsübergängen. „Eine Übergangsfrist von einem Jahr ist viel zu kurz. Diese Zeit muss deutlich verlängert werden. Tricksereien durch Ketten- oder Teilübergänge müssen ganz verboten werden. Geschlossene Verträge müssen weiter gelten, auch wenn neue Eigentümer kommen.“

Mit Blick auf das Pariser Klimaschutzabkommen sieht der Gewerkschafter vor allem die Unternehmensleitungen in der Pflicht, Beschäftigung zu sichern: „Die Kurzarbeit muss viel stärker als bisher mit Weiterbildung verbunden werden, um alternative Beschäftigungsmöglichkeiten zu eröffnen. Die Gestaltung des Wandels kann nur mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung gelingen und darf auf keinen Fall zu Lasten der Beschäftigten vollzogen werden. Die Sicherung der Arbeitsplätze und Einkommen der Beschäftigten gehören genauso zur Nachhaltigkeit wie das Erreichen klimapolitischer Ziele. Nur wenn beide Ziele fest im Blick sind, kann die sozial-ökologische Wende gelingen“ so Rudolph.


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