Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 97 - 24.10.2013

Mindestlohn: Auch durch Wiederholung werden Mythen nicht wahr

Stefan Körzell, DGB-Bezirksvorsitzender Hessen-Thüringen, kritisiert die andauernde Mythenbildung von Arbeitgeberverbänden, wonach Mindestlöhne Jobs kosten würden, 8,50 Euro pro Stunde wohlmöglich zu hoch seien und wenig für eine gerechtere Verteilung bringen würden:

„Durch Wiederholung werden ideologisch eingefärbte Vorurteile nicht richtig. Zur Klarstellung für die VhU: Ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro bildet die Anstandsgrenze, auf der aufbauend in Zukunft Tarifverhandlungen geführt werden – ganz autonom zwischen den Tarifvertragsparteien. 2010 waren in Hessen 155.000 Menschen für einen Lohn von unter 8,50 Euro in der Stunde sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Wo bleibt denn da der Anstand? Der VhU fällt die Tarifautonomie immer dann ein, wenn es um den gesetzlichen Mindestlohn geht. Sie sollte ihr Klientel in diesem Zusammenhang mal dazu anzuhalten, nicht aus dem Arbeitgeberverband auszutreten oder Tarifflucht zu begehen.“

Die Behauptung der VhU, die Einführung eines Mindestlohn würde zu Jobverlusten führen, sei nicht haltbar und widerlegt: durch die Erfahrungen der europäischen Nachbarn mit Mindestlöhnen, durch wissenschaftliche Studien und durch die Evaluation der Branchenmindestlöhne in Deutschland– letztere durchgeführt von verschiedenen Forschungsinstituten im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums“.

„Dass ein Mindestlohn in Höhe 8,50 Euro pro Stunde ganz offenbar breite Akzeptanz selbst bei Arbeitgebern und Konservativen finden, zeigt die Tatsache, dass es ab Januar 2014 sogar in der Leiharbeit einen Branchenmindestlohn in dieser Höhe geben wird. Die VhU sollte sich die Funktion des gesetzlichen, flächendeckenden Mindestlohns vor Augen führen: Es handelt sich um ein unteres Auffangnetz. Wenn dabei ein Lohn von 8,50 Euro pro Stunde ein Unternehmen überfordern sollte, stimmt etwas mit dem Geschäftsmodell nicht. Der Wettbewerb über Lohndumping muss endlich unterbunden werden.“

 

Weiterführende Informationen und Studien der Hans-Böckler-Stiftung zum Mindestlohn

o          Der deutsche Niedriglohnsektor ist einer der größten in der EU. Ein substanzieller Mindestlohn und die Stabilisierung des Tarifsystems könnten das ändern.

    http://www.boeckler.de/43185_43193.htm

Von 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union verfügen 21 über einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn. Drei von ihnen - die Niederlande, Rumänien und der EU-Neuling Kroatien - haben die Lohnuntergrenze in den vergangenen Monaten angehoben.

  • Die jeweils aktuellen Daten für Mindestlöhne in Europa und darüber hinaus liefert die neue Mindestlohn-Datenbank des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung.

    http://www.boeckler.de/41907_43823.htm

  • Mindestlöhne haben keine negativen Auswirkungen auf das Beschäftigungsniveau. Zu diesem Ergebnis kommen Untersuchungen von acht deutschen Branchen, in denen Lohnuntergrenzen gelten.

    http://www.boeckler.de/41779_41797.htm

Hinweis: Die in der Grafik angeführten Branchenmindestlöhne sind zum Teil nicht mehr aktuell. Die aktuellen Werte finden Sie hier: http://www.boeckler.de/pdf/ta_mindestloehne_aentg.pdf

  • Der flächendeckende britische Mindestlohn hat seit seiner Einführung vor über zehn Jahren nirgendwo im Land Jobs vernichtet. Von 2004 bis 2006 sorgte er sogar für Beschäftigungszuwächse.

    http://www.boeckler.de/38389_38407.htm

  • Kosten höhere Mindestlöhne Arbeitsplätze? Eine groß angelegte empirische Studie an der Universität Berkeley entdeckt für diesen Verdacht keine Indizien: Sämtliche Anhebungen der US-Mindestlöhne von 1990 bis 2006 blieben ohne Beschäftigungseffekte.

    http://www.boeckler.de/22714_22720.htm

  • Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns würde nicht nur Geringverdienern helfen - auch Staatshaushalt und Sozialkassen könnten von einer allgemeinen Lohnuntergrenze merklich profitieren.

    http://www.boeckler.de/34690_34701.htm

 

 

 


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