Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 082 - 23.08.2012

Unser Volk wird kaputt gespart - Griechinnen berichten

In Griechenland spielen sich menschliche Tragödien ab

Zwei Kolleginnen mit dem DGB auf Info-Tour durch Hessen

Die Gewerkschafterin Alkistis Tsoulakou beschreibt Szenen aus ihrer Heimat: „Unterernährte Schüler fallen während des Unterrichts in Ohnmacht. Patienten müssen Medikamente selber kaufen und mitbringen, wenn sie ins Krankenhaus gehen. Menschen, die ihre Miete nicht mehr zahlen können, landen auf der Straße. Mittelständler nehmen sich aus reiner Verzweiflung das Leben. So wird ein Volk kaputt gespart.“ Die 27-jährige Betriebsratsvorsitzende von Siemens-Nokia Hellas ist gemeinsam mit der Athener Lehrerin Argiro Baduva auf Einladung des DGB ins Frankfurter Gewerkschaftshaus gekommen.

Mehrere Veranstaltungen in ganz Hessen

Acht Tage reisen die beiden jungen Gewerkschafterinnen mit Vertretern der DGB-Jugend durch Hessen, um über das Ausmaß der Krisenpolitik in Griechenland zu informieren. Neben Abendveranstaltungen sind Betriebsbesichtigungen und Pressegespräche geplant. „Die DGB-Jugend will der Berichterstattung über die angeblich faulen Griechen, die über ihre Verhältnisse gelebt haben, etwas entgegen setzen. Deshalb haben wir die Rundreise organisiert“, erklärt DGB-Jugendbildungsreferentin Ulrike Eifler, die die Griechinnen auf ihrer Tour begleitet.

Dass die Einladung der Gewerkschaftsjugend gut begründet ist, beschreibt Software-Ingenieurin Tsoulakou: „Die Krise bei uns ist Anlass, auf breiter Front Löhne zu drücken und Arbeitnehmerrechte zu beschneiden. In allen Branchen werden derzeit laufende Verträge gekündigt. Es hat Lohnkürzungen um bis zu 40 Prozent gegeben. Die Unternehmer setzen darauf, dass die Belegschaften aus Angst vor Arbeitslosigkeit alles unterschreiben.“ Und ihre Kollegin Baduva zählt die Kürzungen im Bildungsbereich auf. „Vor allem die junge Generation leidet unter der Krise. Der Etat für Bildungsausgaben wurde um 60 Prozent gekappt. Etwa tausend Schulen sind inzwischen geschlossen. Viele Lehrer hat man entlassen. Hier geht es um das Schicksal einer ganzen Generation.“

Für den Bezirksgeschäftsführer des DGB Hessen-Thüringen, Frank Herrmann, ist die massive Verarmung in Griechenland kein nationales Problem. Er befürchtet vielmehr, dass die Kürzungen zur Blaupause für Europa werden und auch die Bundesrepublik einholen könnten. „Von 106 hessischen Kommunen haben 102 den Antrag gestellt, unter den kommunalen Rettungsschirm zu schlüpfen – von Darmstadt über Hanau bis nach Kassel. Der DGB befürchtet, dass es im Zuge der Konsolidierung Leistungs-, Lohn- und Personalkürzungen, Privatisierungen und Gebührenerhöhungen geben wird.“ Für Herrmann tragen die Kürzungen in Griechenland dieselbe Handschrift wie die Kürzungen bei den kommunalen Haushalten, die mit dem Rettungsschirm zu erwarten sind. „Was wir brauchen, ist die Besteuerung der Reichen und Superreichen und nicht Kürzungen bei denen, die ohnehin nichts haben.“


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