Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 070 - 05.12.2018
Thüringen

DGB: Für viele Kinder bleibt der Stiefel am Nikolaustag leer

Mehr als jedes fünfte Kind (22,8 Prozent) ist in Thüringen armutsgefährdet. „Dies ist nicht nur in der Adventszeit ein Armutszeugnis für ein reiches Land“, so Michael Rudolph, Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen. „Eine Karussellfahrt auf dem Weihnachtsmarkt, ein Märchenbuch oder ein Bastelset sind für diese Familien bereits Luxusgüter, die kaum erschwinglich sind.“

Die Quote der Kinder unter 15 Jahren, die auf Hartz IV angewiesen sind, steigt seit Jahren an. „Die Regelsätze sind mutwillig kleingerechnet und gehen völlig am tatsächlichen Bedarf vorbei. Ein Weihnachtsbaum ist nicht vorgesehen. Armut schränkt Spielräume von Kindern ein – nicht nur im übertragenen Sinn. Das Gefühl, nicht mithalten oder mitspielen zu können, ist für Kinder eine bittere Erfahrung, die Spuren hinterlässt. Es wird Zeit, endlich umzusteuern und Kinderarmut wirksam zu bekämpfen“, so Rudolph.

Der DGB Hessen-Thüringen fordert von der Bundes- und Landesregierung, verstärkt politische Maßnahmen zu ergreifen, die Kindern mittel- und langfristig soziale Teilhabe ermöglichen. Rudolph weiter: „Neben der bedarfsgerechten Anhebung der Hartz IV-Regelsätze schlagen wir zur Unterstützung einkommensschwacher Familien einen einkommensabhängigen Zusatzbetrag beim Kindergeld vor, der dieses maßgeblich erhöht. Zudem muss der Kinderzuschlag erhöht und das Verfahren zur Beantragung vereinfacht werden, da derzeit nur ein Drittel der Anspruchsberechtigten den Kinderzuschlag erhält. Ein weiterer Schlüssel zur Armutsvermeidung ist das flächendeckende Angebot und die Kostenfreiheit von Kinderbetreuung. Insbesondere Alleinerziehende haben es durch Probleme bei der Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf schwer, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Nicht zuletzt brauchen wir einen stabilen gesetzlichen Rahmen, der prekäre und schlecht bezahlt Arbeit wirksam eindämmt. Dazu gehören mehr allgemeinverbindliche Tarifverträge und ein Rechtsanspruch auf Qualifizierung und Weiterbildung.“


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