Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 66 - 17.09.2021

Gewerkschafter*innen gehen für mehr Gleichberechtigung auf die Straße

Bundesweiter Aktionstag der DGB-Frauen am 18.9. zur Bundestagswahl

Frankfurt/Erfurt, 17. September 2021 

Am morgigen Samstag, den 18. September, finden im Rahmen eines bundesweiten Aktions-tages zahlreiche Aktionen der Frauen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB-Frauen) statt. Auch im DGB-Bezirk Hessen-Thüringen wollen sie die Wähler*innen motivieren, sich mit den gleichstellungspolitischen Positionen der Parteien zur Bundestagswahl auseinanderzusetzen.

Der DGB-Bezirksvorsitzende Michael Rudolph warnt anlässlich des Aktionstages vor einer Verfestigung der Schieflage auf dem Arbeitsmarkt: „Erwerbstätigkeit ist der Schlüssel zu einem selbstbestimmten Leben und der Garant für eine lebensauskömmliche Rente. Ob und in welchem Maß Frauen einer Erwerbstätigkeit nachgehen können, hängt vor allem von den Rahmenbedingungen ab - dies hat gerade die Krise einmal mehr gezeigt. Wir erwarten von der kommenden Bundesregierung, dass sie die Erwerbstätigkeit von Frauen fördert. Wirtschaftliche Unabhängigkeit darf kein Luxus sein. Eine eigenständige Existenzsicherung muss - egal wie das Arbeitsverhältnis ausgestaltet ist - möglich sein.“

Bundesweit fielen zwischen Ende Juni 2019 und Ende Juni 2020 rund 516.000 Minijobs weg. Besonders betroffen waren Frauen, welche zwei Drittel der Beschäftigten in Minijobs ausmachen. Der DGB fordert von der kommenden Bundesregierung daher die soziale Absicherung aller Arbeitsverhältnisse.

„Minijobs sind keine Brücke in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, sie sind viel-mehr eine Sackgasse. Frauen bilden den Großteil der geringfügig Beschäftigten. Sie waren besonders stark von Einkommenseinbußen betroffen, da Minijobs nicht krisenfest sind. Die Konsequenz kann nur lauten: Minijobs müssen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umgewandelt werden“, so Rudolph weiter.

Der DGB fordert zudem, die Einkommenssituation von Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, etwa durch die Einführung eines Mindestlohnes von 12 Euro, welcher vielen Frauen langfristig eine eigene Existenzsicherung ermöglichen würde. Auch würde durch diesen das Risiko von Armut im Alter verringert werden. Aktuell haben Frauen im Alter eine 49 Prozent geringere Rente als Männer.

Rudolph weiter: „In Deutschland sind die Renten sehr stark von der individuellen Erwerbs- und Beitragsbiografie abhängig. Ein Mindestlohn von 12 Euro hätte daher direkte Effekte auf die Rente. Auch muss deshalb die Allgemeinverbindlichkeitserklärung von Tarifverträgen erleichtert und die Tarifbindung gestärkt werden. Höhere Gehälter, Sonderleistungen, bessere Arbeitszeitregelungen und eine kleinere Entgeltlücke sind auf gute Tarifverträge zurückzuführen. Das wären wichtige Schritte auf dem Weg zu mehr Gleichstellung.“ 

Neben einer Verbesserung der Einkommenssituation und einer sozialen Absicherung aller Arbeitsverhältnisse sieht der Deutsche Gewerkschaftsbund auch in der Arbeitszeit einen wichtigen Hebel, Gleichstellung Realität werden zu lassen. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung 2021 wollen Männer eher Stunden in der Lohnarbeit reduzieren und Frauen ihre Stunden in dieser erhöhen. Im letzten Jahr haben Frauen aber sehr viel häufiger ihre Arbeitszeit reduziert, um die Pflege von Angehörigen, die Betreuung von Kindern und die anfallende erhöhte Hausarbeit durch Homeschooling und Homeoffice zu kompensieren. 66 Prozent der Frauen und nur 7 Prozent der Männer gaben an, dass sie den Hauptteil der Kinderbetreuung während der Coronakrise übernommen haben.

„Damit sich diese Schieflagen auf dem Arbeitsmarkt nicht weiter verfestigen, fordern wir zudem eine Entlastung in der Sorgearbeit durch bessere Kinderbetreuung und eine höhere Zeitsouveränität von Beschäftigten. Ein wichtiger Schritt hierzu ist eine Weiterentwicklung des Entgelttransparenzgesetzes mit verbindlichen Prüfverfahren sowie die Einführung eines Verbandsklagerechts zur Durchsetzung des Rechts auf Lohngleichheit“, so der Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen.


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