Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 116 - 06.03.2020

DGB zum Internationalen Frauentag 2020 in Thüringen

Im Jahr 2020 sind Frauen noch immer von schlechteren Einkommen sowie beruflichen Chancen, Diskriminierung, Sexismus und geschlechterbasierter Gewalt betroffen. Mit sechs Stunden pro Tag bringen Mütter täglich doppelt so viel Zeit für Kinderbetreuung, Haushalt und die Pflege von Angehörigen auf, als Väter.

Höhere Gehälter, Sonderleistungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld, bessere Arbeitszeitregelungen – Tarifverträge setzen Standards für alle und lohnen sich besonders für Frauen in mehrfacher Hinsicht: Zwischen Frauen und Männern klafft eine durchschnittliche Lohnlücke von 21 Prozent. In Thüringen liegt die Lohnlücke bei 8,5 Prozent. In Ostdeutschland ist die Lohnlücke zwar insgesamt mit sechs bis neun Prozent um einiges niedriger, als die in Westdeutschland – Grund dafür sind jedoch hier die allgemein niedrigeren Löhne in der Region. Im Niedriglohnsektor Thüringens sind 55,7 Prozent Frauen beschäftigt.

Gründe dafür: Neben der unbezahlten und nicht wertgeschätzten Haus- und Pflegearbeit sind Frauen oft in schlecht bezahlten und befristeten Teilzeitberufen tätig. Die entlohnte Sorgearbeit – das Erziehen, Pflegen und Putzen – muss deswegen dringend finanziell aufgewertet werden. Michael Rudolph, Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen sagt dazu: „Echte Wertschätzung heißt auch: spürbare, finanzielle Verbesserungen und personelle Entlastungen. Gerade in den sozialen Berufen arbeiten viele Beschäftigte gezwungenermaßen in Teilzeit, um den gestiegenen Anforderungen und dem erhöhten Druck noch Stand zu halten.“

Auch in Thüringen arbeitet mittlerweile fast jede zweite Frau in Teilzeit, Mütter zu 39 Prozent. Mütter von zwei Kindern haben in Deutschland bis zum Alter von 45 Jahren bis zu 58 Prozent weniger verdient, als kinderlose Frauen. Das zeigt, dass Familie und Beruf noch immer nicht miteinander vereinbar sind. Der DGB Hessen-Thüringen fordert deswegen Arbeitgeber und Regierung auf, die gewerkschaftliche Forderung nach Arbeitszeitverkürzung ernst zu nehmen, damit Leben und Arbeit besser zu vereinbaren sind. „Möglichkeiten der Arbeitszeitreduzierung oder -flexibilisierung entlasten Eltern und pflegende Angehörige – meistens Frauen – erheblich. Das fördert auch die paritätische Aufteilung von Lohn- und Sorgearbeit“, so Rudolph.

Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften kritisieren, dass Frauen nach wie vor den Großteil der unbezahlten Haus- und Sorgearbeit übernehmen: „Wir setzen uns gemeinsam für eine Gesellschaft ein, in der wir alle – unabhängig von Geschlecht, Alter oder Staatsangehörigkeit – gleichberechtigt und solidarisch miteinander leben können. Eine faire und partnerschaftliche Verteilung von Sorgearbeit, die Aufwertung; gerade von sogenannten Frauenberufen, faire Löhne, ein Auskommen im Alter und ein selbstbestimmtes Leben sind nur einige der gemeinsamen Ziele. Es muss sich grundlegend etwas ändern. Wir brauchen bessere Rahmenbedingungen, um die Haus- und Sorgearbeit besser zwischen Männern und Frauen verteilen zu können. Dazu gehört auch mehr Tarifbindung, gerade in den Branchen, in denen überwiegend Frauen arbeiten“, so Michael Rudolph. Denn Tarifverträge drängen prekäre Beschäftigung zurück, sorgen für faire Arbeitszeiten und bieten den Beschäftigten bessere Chancen auf eine eigenständige Existenzsicherung – im Erwerbsleben und im Alter. Überdies gibt es in tarifgebundenen Betrieben häufiger Arbeitszeitmodelle, die Frauen und Männern die gleiche Teilhabe am Erwerbsleben ermöglichen – und einen Betriebsrat, der sich für deren Umsetzung stark macht.


Hinweis: Veranstaltung des DGB Thüringen am 8. März | Frauenbrunch und Ausstellung | 11-14 Uhr | DGB Thüringen | Schillerstraße 44 | 99096 Erfurt


Nach oben

Kontakt

So er­rei­chen Sie uns
Logo DGB
dgb / ske
DGB Hessen-Thüringen Abteilung Öffentlichkeitsarbeit Wilhelm-Leuschner-Str. 69-77 60329 Frankfurt Telefon 069-273005-52 oder -31 Telefax 069-273005-55
weiterlesen …