Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 069 - 05.12.2018
Hessen

DGB: Für viele Kinder bleibt der Stiefel am Nikolaustag leer

Mehr als jedes fünfte hessische Kind (19,5 Prozent) ist nach Angaben der hessischen Landesregierung armutsgefährdet. „Dies ist nicht nur in der Adventszeit ein Armutszeugnis für ein reiches Land“, so Michael Rudolph, Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen. „Eine Karussellfahrt auf dem Weihnachtsmarkt, ein Märchenbuch oder ein Bastelset sind für diese Familien bereits Luxusgüter, die kaum erschwinglich sind. Besonders dramatisch ist die Situation bei Alleinerziehenden. Hier ist fast jede und jeder Zweite – 46 Prozent der Bevölkerung – armutsgefährdet.“ Als armutsgefährdet gelten Personen in Haushalten mit weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsäquivalenzeinkommens.

Fast 125.000 hessische Kinder unter 15 Jahren leben in Bedarfsgemeinschaften und sind damit auf Hartz IV angewiesen. Die Quote steigt seit Jahren an. „Die Regelsätze sind mutwillig kleingerechnet und gehen völlig am tatsächlichen Bedarf vorbei. Ein Weihnachtsbaum ist nicht vorgesehen. Armut schränkt Spielräume von Kindern ein – nicht nur im übertragenen Sinn. Das Gefühl, nicht mithalten oder mitspielen zu können, ist für Kinder eine bittere Erfahrung, die Spuren hinterlässt. Es wird Zeit, endlich umzusteuern und Kinderarmut wirksam zu bekämpfen“, so Rudolph.

Der DGB Hessen-Thüringen fordert von der Bundes- und der künftigen Landesregierung, verstärkt politische Maßnahmen zu ergreifen, die Kindern mittel- und langfristig soziale Teilhabe ermöglichen. Rudolph weiter: „Neben der bedarfsgerechten Anhebung der Hartz IV-Regelsätze schlagen wir zur Unterstützung einkommensschwacher Familien einen einkommensabhängigen Zusatzbetrag beim Kindergeld vor, der dieses maßgeblich erhöht. Zudem muss der Kinderzuschlag erhöht und das Verfahren zur Beantragung vereinfacht werden, da derzeit nur ein Drittel der Anspruchsberechtigten den Kinderzuschlag erhält. Ein weiterer Schlüssel zur Armutsvermeidung ist der flächendeckende Ausbau und weitere Kostenentlastungen bei der Kinderbetreuung. Insbesondere Alleinerziehende haben es durch Probleme bei der Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf schwer, am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Nicht zuletzt brauchen wir einen stabilen gesetzlichen Rahmen, der prekäre und schlecht bezahlt Arbeit wirksam eindämmt. Dazu gehören mehr allgemeinverbindliche Tarifverträge und ein Rechtsanspruch auf Qualifizierung und Weiterbildung.“


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