Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 45 - 29.05.2019

66,9 Millionen unbezahlte Überstunden in Hessen: Schluss damit!

Anlässlich der neuesten Arbeitsmarktberichterstattung der Bundesagentur für Arbeit, begrüßt der DGB Hessen-Thüringen das Urteil des Europäischen Gerichtshofs, wonach Arbeitgeber künftig die gesamte Arbeitszeit ihrer Beschäftigten systematisch erfassen müssen. Dazu sagt Michael Rudolph, Vorsitzender des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen:

„Das haben sich die Arbeitgeber selbst eingebrockt. Im Durchschnitt leistet jeder Beschäftigte 26,5 unbezahlte Überstunden im Jahr. Übertragen auf Hessen bedeutet dies, dass die Beschäftigten im Jahr 2017 66,9 Millionen Stunden zu Gunsten der Unternehmen und ihrer Gewinne leisteten. Es ist daher überfällig, dass der Gesetzgeber nun konsequent gegen diese arbeitnehmerfeindliche Praxis vorgeht.“

Im Bereich der Arbeitszeiten gebe es im Vergleich zwischen den Bundesländern erhebliche Unterschiede: „Hessen befindet sich dabei mit jährlich geleisteten 1.306 Arbeitsstunden im Mittelfeld aller Länder. Die Beschäftigten im Saarland arbeiten aber beispielsweise 37 Stunden weniger im Jahr – das entspricht immerhin einer ganzen Arbeitswoche“, so Rudolph.

Den Arbeitgebern rät der Gewerkschafter – angesichts der veränderten rechtlichen Situation – zu mehr Gelassenheit: „Das Arbeitszeitgesetz verpflichtet die Unternehmen bereits jetzt zur Dokumentation von Überstunden. Der damit verbundene Aufwand zur Erfassung der Arbeitszeit dürfte sich dabei in Grenzen halten. Vielmehr sollten sie sich Gedanken machen, wie technische und digitale Innovationen für die Arbeitszeitdokumentation genutzt werden können, um die Rückkehr von Stundenzettel und Stechuhr zu vermeiden. Den Gewerkschaften geht es nicht darum, flexible Arbeitszeitmodelle zu verbieten. Was wir aber brauchen, sind klare Spielregeln für den digitalen Wandel. Dieser darf nicht immer nur aus Sicht der Unternehmen gedacht werden!“


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