Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 75 - 01.11.2021

Teure Tarifflucht: Mindereinnahmen von mehr als 3,4 Milliarden Euro pro Jahr in Hessen

DGB-Berechnungen zeigen Kosten der Tarifflucht für die Allgemeinheit

Frankfurt, 1. November 2021

Werden Beschäftigte nicht nach Tarif bezahlt, kommt dies der Allgemeinheit teuer zu stehen. Das belegen neue Berechnungen des DGB auf Datenbasis des Statistischen Bundesamtes. Aufgrund von Tarifflucht und Lohndumping in Hessen entgehen den Sozialversicherungen jährlich 2,1 Milliarden Euro und dem Fiskus 1,3 Milliarden Euro an Einkommensteuer. Das sind insgesamt 3,4 Milliarden Euro pro Jahr. Allein dem Land Hessen entgehen dadurch 540 Millionen Euro und seinen Kommunen weitere 191 Millionen Euro an Einkommensteuer

Darüber hinaus schmälert die mangelnde Tarifbindung auch die Kaufkraft der Beschäftigten: Wer in Hessen nicht nach Tarif bezahlt wird, hat im Jahr netto durchschnittlich knapp 2.100 Euro weniger im Portemonnaie als tarifgebundene Beschäftigte. Bei Teilzeitbeschäftigten beträgt diese Lohnkluft im Durchschnitt fast 4.000 Euro netto. Insgesamt hätten die Beschäftigten in Hessen mit flächendeckender Tarifbindung rund 2,9 Milliarden Euro mehr pro Jahr im Portemonnaie.

„Tarifflucht geht jeden etwas an, denn dadurch entstehen stattliche Fehlbeträge, beim Fiskus, bei den Sozialversicherungen und in den Geldbeuteln der Beschäftigten“, sagt Michael Rudolph, Bezirksvorsitzender des DGB Hessen-Thüringen. „Dieses Geld fehlt letztlich auch für den sozialen Ausgleich, für Investitionen in Infrastruktur, Gesundheit und in Bildung. Deshalb pochen wir darauf, dass die Länder und vor allem auch die kommende Bundesregierung endlich die Tarifbindung stärken. Eine hohe Tarifbindung ist auch für das wirtschaftliche Wachstum wichtig, denn sie stärkt die Binnennachfrage und sichert gute Arbeit“, betonte Rudolph.

Der DGB fordert, dass öffentliche Aufträge und Fördergelder generell nur dorthin fließen sollen, wo Tarifverträge gelten. „Der Staat darf nicht mit Steuergeldern Lohndrückerei alimentieren. Der Staat muss die Vergabe seiner öffentlichen Aufträge endlich an gute Bezahlung, an Bezahlung nach Tarif knüpfen“, betonte Rudolph. Auch jenseits der öffentlichen Auftragsvergabe gibt es verschiedene Ansatzpunkte zur Stärkung der Tarifbindung: Im Falle einer Aufspaltung oder Abspaltung eines Unternehmens, sollten Tarifverträge bis zu einer neuen Regelung fortgelten. Zudem muss es leichter werden, Tarifverträge für alle Unternehmen einer Branche allgemeinverbindlich zu erklären.

In Deutschland gilt für immer weniger Beschäftigte und Betriebe ein Tarifvertrag. Im Jahr 2020 waren nur noch 53 Prozent der Beschäftigten im Westen und 43 Prozent im Osten tarifgebunden. „Die Unternehmen müssen sich angesichts dessen, die unbequeme Frage nach ihrer sozialen Verantwortung gefallen lassen“, so der DGB-Bezirksvorsitzende.

Die DGB-Berechnungen basieren auf der jüngsten Verdienststrukturerhebung (VSE) nach Beschäftigten mit und ohne Tarifbindung, die das Statistische Bundesamt zuletzt für das Jahr 2018 erhoben hat.

 

Weiterführende Informationen: Forderungen zur Stärkung der Tarifbindung auf einen Blick: https://www.dgb.de/-/Z9E

Fragen zur Datenberechnung: Deutscher Gewerkschaftsbund, Bundesvorstandsverwaltung

Dr. Robby Riedel

Fon: +49 (0)30-2 40 60-302

robby.riedel@dgb.de

 


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