Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 049 - 13.07.2023

Hessischer Ausbildungsreport offenbart Mängel in Ausbildung und Berufsorientierung

13. Juli 2023

Über ein Drittel der hessischen Auszubildenden macht Überstunden, für die Mehrheit war die schulische Berufsorientierung nicht hilfreich und nicht mal jeder dritte Azubi hat die Beratung der Agentur für Arbeit genutzt. Zu diesen Erkenntnissen kommt der heute veröffentlichte Ausbildungsreport 2022 der DGB-Jugend „Zugang zu Ausbildung und Berufsorientierung“. Für den Report, der sich schwerpunktmäßig mit dem Zugang zur Ausbildung und Berufsorientierung beschäftigt, wurden insgesamt 1.575 Auszubildende aus Hessen befragt.

„Die duale Ausbildung muss wieder attraktiver für junge Menschen werden“, forderte Gregor Gallner, der Bezirksjugendsekretär des DGB Hessen-Thüringen. In vielen Branchen müssen sich die Bedingungen und die Qualität verbessern. Wir haben im Ausbildungsreport zahlreiche Mängel festgestellt. Viele Auszubildende müssen regelmäßig Überstunden leisten und müssen Aufgaben erledigen, die nichts mit ihrer Ausbildung zu tun haben. Azubis sind keine Hilfskräfte, eine Ausbildung ist ein Lernverhältnis und die Betriebe sind in der Pflicht sich an das Gesetz zu halten. Die Betriebe haben es in der Hand, ihre Ausbildungsbedingungen zu verbessern. Die DGB-Jugend fordert, dass sich alle Unternehmen an den Kosten der Ausbildung beteiligen. Mit einem Ausbildungsfonds könnten die Betriebe für die Verbesserung der Ausbildungsqualität unterstützt
werden. “

Insgesamt waren 71 Prozent der Befragten mit ihrer Ausbildung »sehr zufrieden « (25 Prozent) oder »zufrieden« (46 Prozent). Allerdings hängt die Zufriedenheit stark vom gewählten Ausbildungsberuf und den Ausbildungsbedingungen ab. In der Gesamtbewertung der Ausbildungsberufe schnitten Elektroniker*in für Betriebstechnik, Verwaltungsfachangestellte, und Mechatroniker*in am besten ab. Die schlechteste Gesamtbewertung erhielten die Ausbildungsberufe Hotelfachmann*frau, Tischler*in und Koch*Köchin.

Darüber hinaus zeigt der Ausbildungsreport zahlreiche Mängel bis hin zu Gesetzesverstößen auf. So mussten fast vier von zehn (38 Prozent) der befragten Auszubildenden nach eigenen Angaben regelmäßig Überstunden leisten. Über 9 Prozent der Auszubildenden äußerten, »immer« bzw. »häufig« mit ausbildungsfremden Tätigkeiten befasst zu sein. Mehr als ein Drittel der Befragten teilten mit, dass sie keinen Ausbildungsplan haben und fast ein Drittel (32 Prozent) der Auszubildenden aus Hessen gab an, ihren Ausbildungsnachweis »nie« während der Ausbildungszeit zu führen. 

Schwerpunkt Zugang zu Ausbildung und Berufsorientierung

„Nach wie vor ist das wichtigste Entscheidungskriterium für die Aufnahme einer bestimmten Ausbildung das Interesse am Beruf (70 Prozent). Doch Faktoren wie ein gutes Betriebsklima im Ausbildungsbetrieb werden immer wichtiger“, sagte die stellvertretende Bezirksvorsitzende des DGB Hessen-Thüringen Renate Sternatz.

Problematisch sei für sie, dass die schulische Berufsorientierung und die Berufsberatung der Agentur für Arbeit von den Auszubildenden kritisch bewertet werden. Lediglich gut ein Viertel der Auszubildenden (26 Prozent) ist der Auffassung, dass ihnen die Angebote der Berufsorientierung in der allgemeinbildenden Schule (sehr) geholfen haben, wobei dies stark von der Schulform abhängt. Waren es bei den Befragten mit Hauptschulabschluss 37,3 Prozent, denen die schulische Berufsorientierung geholfen hat, war es bei denjenigen mit (Fach-) Abitur nur 19,6 Prozent.

Insgesamt gaben nur 27 Prozent der in Hessen befragten Auszubildenden an, bei ihrer Berufswahlentscheidung die Berufsberatung der Agentur für Arbeit in Anspruch genommen zu haben und nur die Hälfte dieser äußerten, dass die Berufsberatung ihnen geholfen habe, den passenden Ausbildungsberuf zu finden.

„Die Befragung der DGB-Jugend zeigt, dass die Berufsorientierung an allen Schulformen gestärkt und ausgebaut werden muss“, ordnete Renate Sternatz ein. „Leider finden zu wenig junge Menschen den Weg zur Beratung der Agentur für Arbeit. Deshalb fordern wir den Aufbau von Jugendberufsagenturen in Hessen. Damit kann eine jugendgerechte Ansprache für die Beratungsangebote besser gelingen.“

Hintergrund:

Jugendberufsagenturen ersetzen das Nebeneinander von Arbeitsagentur, Jobcenter und Jugendamt durch ein abgestimmtes Angebot. Der Vorteil gegenüber dem hessischen Sonderweg OloV, der „Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule – Beruf“, ist, dass Jugendberufsagenturen, statt auf virtuelle Strukturen und eine Zusammenarbeit auf freiwilliger Basis, auf feste Ansprechpartner beim Einstieg ins Berufsleben setzen.


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