Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 11 - 01.03.2016

DGB: Belastungen von Berufspendelnden in den Blick nehmen

Mit der wachsenden Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Thüringen steigt auch die Zahl der Berufspendler. Anlässlich der Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten für Februar in Thüringen weist der stellv. Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Sandro Witt, auf die wachsenden Belastungen dieser Arbeitnehmergruppe hin.

„Bislang hat die Flexibilisierung von Arbeit eher zur Ausweitung der tatsächlichen Arbeitszeiten geführt und nur selten zu einer selbstbestimmten Arbeitszeitgestaltung. Arbeitgeber müssen in Anbetracht der steigenden Zahl von Berufspendlern deren zusätzliche Belastungen im Blick haben und für mehr individuelle Gestaltungsmöglichkeiten sorgen, etwa durch mehr Möglichkeiten, auch von zu Hause aus zu arbeiten.“

Wesentliche Gründe für das Pendeln zwischen Wohnort und Arbeitsort liegen oftmals in der fehlenden längerfristigen Perspektive vieler Beschäftigungsverhältnisse oder am Mangel von bezahlbarem Wohnraum in den Städten, so Witt. Insbesondere dann, wenn sich Kinder im Haushalt befänden, könne nicht ohne weiteres ein Umzug mit den entsprechenden Arbeitsmarktrisiken in Kauf genommen werden.

„Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird für Berufspendler oftmals zum Drahtseilakt,“ so Witt. „Wenn zu langen Pendelzeiten noch betriebliche Anforderungen an Überstunden und flexible Arbeitszeiten hinzukommen, steigt auch die gesundheitliche Belastung. Zudem sind Konflikte in beruflicher und privater Hinsicht vorprogrammiert.“

Hintergrund:

Nach Thüringen kamen laut Landesamt für Statistik zum Stichtag 30.06.2015 64.000 Menschen aus anderen Bundesländern oder dem Ausland. Fast doppelt so viele, nämlich 124.000 Menschen verließen hingegen Thüringen, um in anderen Bundeländern zu arbeiten. Aber auch innerhalb der Landesgrenze ist die Zahl der Berufspendelnden hoch. Etwa jeder zweite Beschäftigte in Thüringens kreisfreien Städten wohnt an einem anderen Ort.

Detaillierte Angaben über die Auswirkung von Flexibilisierung auf Beschäftigte können dem DGB Index „Gute Arbeit“ 2014 entnommen werden.


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