Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 17 - 07.03.2019
Hessen

Gleichberechtigtes Arbeiten und Leben, fairer Lohn, Selbstbestimmung und Schutz vor Gewalt – der Kampf um echte Gleichberechtigung geht weiter!

DGB zum Frauentag

Zum Internationalen Frauentag fordert der DGB Hessen-Thüringen die Landesregierung dazu auf, aktiv die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern zu fördern. Dazu sagt Michael Rudolph, Vorsitzender des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen:

„In Hessen liegt der Gender Pay Gap, also die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern, bei 22,9 Prozent. Der von der Landesregierung in Hessen viel gelobte Gleichstellungsbericht nützt nichts, wenn die Hälfte aller Frauen – nämlich 50 Prozent, die in Teilzeit und atypischen Beschäftigungen arbeiten – von der Untersuchung ausgeschlossen werden. Gerade hier herrscht eine hohe Entgeltlücke und viele Frauen stecken aufgrund von Pflegezeiten ihrer Kinder und Angehörigen in unfreiwilliger Teilzeit fest.

Die Politik muss die Arbeit am Leben – soziale, personenbezogene und haushaltsnahe Dienstleistungen – die oftmals von Frauen verrichtet wird, endlich finanziell aufwerten“, so Rudolph. Die geschlechtsspezifische Arbeit sei nicht nur unterbezahlt, sondern auch mit immer mehr Stress und Belastung verbunden. Die Erhöhung des Personalschlüssels für den Pflege- und Erziehungsbereich habe daher Priorität.

Auch Grundschullehrerinnen und -lehrer (90 Prozent Frauen) würden immer noch weniger verdienen, als andere Lehrkräfte. Der DGB fordert die Besoldungsgleichstellung von Grundschullehrkräften mit anderen Lehrkräften.

Rudolph: „Die konsequente Umsetzung der im HGIG verankerten Frauenquote muss nun endlich auch erfolgen. Speziell in Führungspositionen im öffentlichen Dienst sollten Frauen mit einer Quote von mindestens 30 Prozent gefördert werden. Diese sollte auch auf Unternehmen in öffentlicher Förderung angewendet werden.“

Erforderlich sei es außerdem, dass dem Kriterium der Frauenförderung bei der Vergabe nach dem Hessischen Vergabe- und Tariftreuegesetz (HVTG) eine stärkere Gewichtung zufalle. In Hessen müssten dringend mehr Frauen in Parlamente und politische Gremien, um eine gerechte Verteilung von politischer Macht und Verantwortung durchzusetzen. Hier liege der Frauenanteil bei derzeit nur 31,8 Prozent, so der Gewerkschafter.

„Um Frauen zu fördern und zu entlasten, braucht es gezielte Investitionen in bedarfsgerechte, qualitativ hochwertige Betreuung und Pflege, sowie in Ganztagsschulen. Es kann außerdem nicht sein, dass jede zweite Frau, die in Hessen Schutz vor häuslicher Gewalt sucht – wegen Platzmangels in den Schutzeinrichtungen – abgewiesen werden muss. Wir fordern die Landesregierung dazu auf, sofort zu handeln und in einem ersten Schritt mindestens 300 Plätze in Hessen bereitzustellen.

Dringend notwendig ist der Einsatz der Landesregierung außerdem auf Bundesratsebene: Die Streichung des Paragraphen 218 und 219a ist längst überfällig! Es kann nicht sein, dass Frauen bei dem Wunsch, eine Schwangerschaft zu beenden, Informationen vorenthalten und Betroffene immer noch vorverurteilt und kriminalisiert werden. Ebenso fordern wir dringende Verbesserungen beim Entgelttransparenzgesetz und der Brückenteilzeit.“


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