Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 059 - 26.06.2020

DGB Hessen-Thüringen: Erinnern heißt Kämpfen - seit Stonewall queere Selbstbestimmung stärken

Frankfurt/Erfurt den 26.06.2020

Am Wochenende des 27. und 28. Juni, dem 51. Jahrestags des Stonewall-Aufstands, werden über den DGB Häusern u.a. in Erfurt, Frankfurt, Marburg, Gießen, Hanau, Kassel und Darmstadt die Regenbogenflaggen wehen. 1969 wehrten sich im Stonewall Inn der Christopher Street in New York Schwarze trans Frauen und trans Frauen of Color, Drag Queens, Lesben und Schwule gegen Polizeigewalt. Seither finden auf der ganzen Welt Feiern wie z.B. Christopher-Street-Tage in Erinnerung an die Aufstände statt.

Der Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen Michael Rudolph erklärt dazu: „Der DGB Hessen-Thüringen solidarisiert sich mit der Bewegung, die bis heute für eine gleichberechtigte Vielfalt der Liebes- und Lebensweisen kämpft. Stonewall steht für den Kampf gegen Rassismus, Homo- und Transfeindlichkeit und dieser Kampf ist hochaktuell. Wir befinden uns mitten in entscheidenden Auseinandersetzungen darum, wer ohne Angst leben, lieben, und arbeiten kann, und wessen Stimme dabei zählt. Diese Auseinandersetzung muss im Alltag, in den Parlamenten, auf der Straße und nicht zuletzt am Arbeitsplatz geführt werden.“

Initiiert wurde die heutige Aktion von einem neu gegründeten queeren Gewerkschaftsbündnis im DGB Hessen-Thüringen. Julek Flechtner, DGB-Jugendbildungsreferent und Mitinitiator des queeren Netzwerks, erklärt: "Es ist eine enorme Belastung, sich am Arbeitsplatz nicht offen zeigen zu können: Kann ich von meiner Familie, Partner*in und Freund*innen erzählen? Wird meine Identität respektiert? Muss ich mich verstecken?“, seien quälende Fragen. "Solche Ängste sollte niemand in seinem Arbeitsumfeld ausstehen müssen", so Julek Flechtner weiter, "wir erwarten, dass Arbeitgeber aktiv für eine LGBT*IQ freundliche Haltung in ihrem Unternehmen eintreten, indem sie z.B. gemeinsam mit Betriebsrät*innen Antidiskriminierungsrichtlinien erarbeiten und Personalverantwortliche weiterbilden."

Das Potential, Vielfalt in der Arbeitswelt zu leben, ist groß - der Handlungsbedarf, dies zu ermöglichen, noch größer. Langzeitstudien zeigen, dass Beschäftigte in den letzten 10-20 Jahren offener mit ihrer Sexualität umgehen. Die Häufigkeit von Diskriminierungserfahrungen ist dagegen nicht zurückgegangen. Mindestens 3/4 der schwulen und lesbischen Beschäftigten erleben in ihrem Arbeitsumfeld Diskriminierung. Bisexuelle Personen berichten zu über 95%, Diskriminierung ausgesetzt zu sein. Auch trans Beschäftigte erfahren dies hinsichtlich ihrer Geschlechtsidentität zu einem besonders großen Anteil, und charakterisieren zudem die Art der Diskriminierung als gravierend. "Es ist völlig inakzeptabel, dass trans Beschäftigte das Risiko tragen, angefeindet oder gar gekündigt zu werden, wenn sie sich im Job outen", empört sich Michael Rudolph. Zusätzlich entstehen den Kolleg*innen strukturelle Hürden im Rahmen einer Transition, wenn z.B. Arbeitszeugnisse nicht auf den richtigen Namen lauten. Der DGB Hessen-Thüringen fordert neben betrieblichen Maßnahmen zur Unterstützung trans Beschäftigter daher auch das Ende diskriminierender gesetzlicher Regelungen: "Das Transsexuellengesetz (TSG) pathologisiert und bevormundet trans Personen. Sie tragen die Beweislast und hohe finanzielle Kosten in einem Gerichtsverfahren, um zu ihrem grundlegenden Recht auf die Anpassung ihres Namens und Geschlechtseintrags zu kommen. Das Transsexuellengesetz gehört abgeschafft - stattdessen muss die Selbstbestimmung von trans Personen gewährleistet wer-den", fordert Michael Rudolph.

Das queere Netzwerk beim DGB Hessen-Thüringen will auch in Zukunft aktiv bleiben. Sophia, ehrenamtlich aktiv bei der IG Metall Jugend Frankfurt, ist auch dabei. Sie freut sich darauf:

"Der Austausch untereinander tut gut, und gemeinsam erreichen wir wirklich etwas. Wir sind ein starkes Netzwerk, das doppelt von Solidarität geprägt ist: gewerkschaftlich, und in der LGBT*IQ Community. Wir haben noch viel vor!"

Für Rückfragen steht zur Verfügung: Julek Flechtner, Jugendbildungsreferent des DGB Jugend Mittelhessen, Julek.Flechtner@dgb.de, Festnetz: +49 (0) 641-93278-62,
Handy:+49 (0)160-8839650.


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