Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 92 - 29.07.2010

Mehr als 300.000 erhalten Armutslöhne

Lohnarmut – Armutszeugnis für die Politik – gesetzlicher Mindestlohn überfällig

"Werden die aktuellen Forschungsergebnisse des IAQ, dem Institut für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen auf Thüringen umgerechnet, so arbeiten mehr als 40 Prozent der abhängig Beschäftigten im Niedriglohnsektor. Das sind deutlich mehr als 300.000 Beschäftigte, die einen Lohn erhalten, der arm macht", so Renate Licht vom DGB Thüringen. Nach der OECD-Definition ist Niedriglohn der Lohn, der zwei Drittel des mittleren bundesweiten Stundenlohnes beträgt. Wer von seinem Arbeitgeber einen Stundenlohn von bis zu 9,06 € (brutto) erhält, arbeitet in Niedriglohnsektor.

 

Insgesamt ist festzuhalten, dass Niedriglöhne in Deutschland keineswegs überwiegend gering Qualifizierte oder Jüngere betreffen. Tatsächlich ist die große Mehrheit der Niedriglohnbeschäftigten formal qualifiziert und stammt aus den mittleren Altersgruppen. Niedriglöhne betreffen also zunehmend auch die Kerngruppen des Arbeitsmarktes.

 

Die Ursachen für den hohen Anteil an Niedriglohnbeschäftigung sind hausgemacht. Zum Einen blockieren viele Arbeitgeber die Tarifverträge und setzen immer stärker auf prekäre Arbeit, wie Minijobs oder Leiharbeit. Auf der anderen Seite ist Deutschland das einzige Land in der EU, das keinen einheitlichen gesetzlichen Mindestlohn oder eine dementsprechende Regelung hat.

 

"Ein gesetzlicher Mindestlohn in Höhe von 8,50 € Stundenlohn als Einstieg ist das Instrument, dass Lohnarmut begrenzt, öffentliche Kassen schont und Arbeit existenzsichernd macht. Thüringen muss sein Billiglohnimage los werden", sagte Renate Licht.

Sie hebt weiter hervor, dass der DGB Thüringen, auch angesichts der EU-weiten Arbeitnehmerfreizügigkeit ab dem 1. Mai 2011 seine Forderung an die Landesregierung, endlich im Bundesrat eine entsprechende Initiative einzubringen, erneuerte habe.

 

 

IAQ-Report 2010-6: Thorsten Kalina, Niedriglohnbeschäftigung 2008, Stagnation auf hohem Niveau. Lohnspektrum franst nach unten aus, Essen 2010.


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