Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 50 - 30.06.2021

Ordnung am Arbeitsmarkt schaffen! Homeoffice beibehalten, aber mit klaren Grenzen!

Frankfurt, 30.Juni 2021

Anlässlich der Veröffentlichung der aktuellen Arbeitsmarktzahlen durch die Bundesagentur für Arbeit und mit Blick auf die neue Arbeitsschutzverordnung, die unter anderem auch die Homeoffice-Pflicht der Arbeitgeber beendet, erklärt Michael Rudolph, Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen: „Langsam aber sicher scheinen sich die Zustände am hessischen Arbeitsmarkt zu stabilisieren. Gastronomie, Handel und weitere Dienstleistungsbereiche fahren wieder hoch, die Kurzarbeitsanzeigen sind rückläufig und sogar die Langzeitarbeitslosigkeit sinkt, wenn auch nur moderat. Wieder stattfindende Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen werden dazu führen, dass die Vermittlungschancen der Betroffenen steigen. Bei allem Grund zum Optimismus gilt es jetzt, die richtigen Schlüsse aus der Krise zu ziehen: Wir müssen unbedingt zu einer neuen Ordnung am Arbeitsmarkt kommen. Minijobs, zeitlich befristete Arbeitsverträge, Solo-Selbständigkeit – diese Beschäftigten waren der Krise nahezu schutzlos ausgeliefert. Daher braucht es jetzt Reformen, die alle Beschäftigten in den Schutz der Sozialversicherungen mit einbezieht sowie das Ende der Möglichkeit, Arbeitsverträge ohne sachlichen Grund zeitlich zu befristen.

Das Ende der Homeoffice-Pflicht hält Rudolph angesichts der derzeit niedrigen Inzidenzwerte und den Impffortschritt für grundsätzlich vertretbar: „Viele Beschäftigte wünschen sich, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren und auch ihre Kolleg*innen wieder zu treffen. Einige wollen weiterhin von zuhause aus arbeiten. Klar ist: ein Zurück zum Status Quo vor der Pandemie wird es so nicht mehr geben. In Zukunft können dort, wo es die Tätigkeit zulässt, hybride Arbeitsmodelle erprobt werden. Dies entspricht weitestgehend den Interessen vieler Beschäftigten, die somit Beruf, Familie und Pflege besser miteinander vereinbaren können. Um diese Flexibilität für die Beschäftigten zu schaffen, brauchen sie einen Rechtsanspruch auf mobiles Arbeiten. Dieses Recht können die Beschäftigten dann nutzen oder es bleiben lassen. Freiwilligkeit ist an der Stelle ebenso wichtig.“

Es komme nun darauf an, für mobiles Arbeiten und Homeoffice Regeln festzulegen, die der Entgrenzung der Arbeitswelt einen Riegel vorschieben: „Der Arbeits- und Gesundheitsschutz der Beschäftigten gehört an allererste Stelle. Aus einer Vielzahl von Befragungen wissen wir, wo die Probleme liegen: das Arbeitszeitgesetz wird nicht eingehalten, die psychischen Belastungen nehmen zu. Um in den Unternehmen sinnvolle Regelungen zu finden, braucht es als Grundlage einen rechtlichen Rahmen. Dieser muss durch Tarifverträge sowie kollektive Betriebs- und Dienstvereinbarungen ausgestaltet werden. Flexibilisierung darf nicht einseitig aus Sicht der Unternehmen gedacht werden. Beschäftigte und ihre Interessensvertretungen müssen über die Dauer und Lage der Arbeitszeit mitentscheiden. Dazu gehört auch ein Recht auf Nicht-Erreichbarkeit. Das Arbeitszeitgesetz mit seinen täglichen Höchstarbeitsgrenzen und den vorgeschriebenen Ruhe- und Erholungspausen gilt auch im Homeoffice. Nicht zuletzt müssen die Arbeitgeber auch die Regelungen zum Gesundheitsschutz ihrer Beschäftigten und zum ergonomischen Arbeiten umsetzen: Schreibtische, Bürostühle, ausreichende Beleuchtung und vieles mehr gehören sind unabdingbare Elemente einer guten Arbeitsplatzgestaltung- auch zu Hause“, so Rudolph abschließend.


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