Deutscher Gewerkschaftsbund

28.07.2011

Arbeitsmarkt im Juli: Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit

Kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres am 1. August melden die Arbeitsagenturen in Hessen und in Thüringen einen Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit. In Hessen sind nach Agenturangaben 21.151 junge Männer und Frauen unter 25 Jahren arbeitslos. In Thüringen sind es Ende Juli  9.600. "Saisonüblich" sagen die Statistiker, und: im Juli vergangenen Jahres seien es vergleichsweise vielmehr gewesen.

Im Folgenden lesen Sie Reaktionen des DGB. 

Stichwort Ausbildungsplätze. In Hessen gibt es einen Ausbildungspakt zwischen Landesregierung und Unternehmern. Nimmt man sie beim Wort ist dieses Unterfangen eine einizige Erfolgsgeschichte. Die DGB-Jugend hat sich die Bilanzen des Pakts angesehen und festgestellt, dass er gar nicht so erfolgreich ist. Die Auswertung zum Download finden Sie gleich nach der Pressemeldung zum hessischen Ausbildungsmarkt.

Mädchen im Unterricht

DBJR/rw

Hessen

Trotz Entspannung bei der Jugendarbeitslosigkeit keine Entwarnung
DGB legt Auswertung zum Ausbildungspakt vor

Der DGB Hessen-Thüringen sieht die Lage bei der Jugendarbeitslosigkeit und auf dem Ausbildungsmarkt mit gemischten Gefühlen. Der Leiter der Jugendabteilung des DGB Hessen-Thüringen, Holger Kindler, sagte zu den Zahlen der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit von heute: „Es ist gut, dass der saisonübliche Anstieg der Arbeitslosigkeit der unter 25-jährigen in diesem Jahr deutlich geringer ausfällt als im vergangenen Jahr. Diese etwas entspannte Lage begründet sich aus dem deutlichen Bewerberrückgang der letzten Jahre und aus der anhaltend guten Konjunktur.“ Die generellen Probleme am hessischen Ausbildungsmarkt seien damit aber keineswegs aufgehoben. „Nach wie vor bildet nur rund ein Viertel der Unternehmen aus. Wer über Fachkräftemangel spricht, muss sich als erstes fragen, wie viele Fachkräfte er eigentlich selbst ausgebildet hat“, so Kindler.

Die Juli-Zahlen zeigten, dass viele junge Menschen selbst nach einer Ausbildung von den Unternehmen nicht übernommen worden seien. Noch schlechter treffe es jedoch diejenigen unter 25-jährigen, die noch gar keine Ausbildung erhalten hätten. Kindler: „Das sind die Opfer der Ausbildungskrisen der vergangenen Jahre. Ihre Zahl ist konstant hoch. Laut Bundesinstitut für Berufsbildung liegt sie seit Jahren  bei rund 15-17 Prozent. Um diese jungen Menschen muss man sich jetzt verstärkt bemühen und sie ausbilden.“

Die Zahl der Ausbildungsplätze in Hessen ging jedoch in den vergangenen Jahren stark zurück – trotz Ausbildungspakt zwischen Arbeitgebern und der Politik. Zu diesem  Ergebnis kommt der DGB Hessen-Thüringen in einer eigenen Auswertung der jährlichen Bilanzen des Pakts. Holger Kindler: „Mit Blick auf den bevorstehenden Beginn des Ausbildungsjahres haben wir uns einmal hingesetzt und nachgerechnet. Interessanterweise gab es 2010 insgesamt rund 2.800 Ausbildungsverträge weniger als 2007. Das heißt, es wurden entgegen der Verlautbarungen keine neuen Arbeitsplätze geschaffen.“
Der Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Stefan Körzell, sieht deswegen den politischen Kurs des DGB bestätigt: „Von Anfang an haben wir die Unverbindlichkeit des Ausbildungspakts kritisiert und angemahnt, dass diese Vereinbarung nicht der notwendige große Wurf ist.“
Anhand der Ergebnisse der DGB- Auswertung kritisierte Körzell, es habe in den vergangenen Jahren viele Versäumnisse gegeben. „Fehlende Perspektiven für viele junge Menschen und der Bedarf an Fachkräften sind das Ergebnis falscher Entscheidungen in den Unternehmen und in der Politik.“

Eine Jugendliche hält eine Speicherplatine vor ihr Gesicht.

DBJR/rw

Thüringen

DGB: jetzt gezielt junge Arbeitskräfte suchen

Der DGB Hessen-Thüringen hat gefordert, angesichts der Arbeitsmarktzahlen von heute gezielt eine Nachvermittlungsaktion bei Auszubildenden zu starten. Der Bezirksvorsitzende Stefan Körzell: „9.600 junge Menschen unter 25 Jahren sind ohne Arbeit. Das sind zwar erfreulicherweise deutlich weniger als im vergangenen Jahr. Trotzdem sollte das die Unternehmen aufhorchen lassen. Hier sind knapp 10.000 junge Arbeitskräfte, die den allseits beklagten und gefürchteten Fachkräftemangel in Thüringen ausgleichen könnten. Zur Fachkräftesicherung gehört nicht nur die Ausbildung, sondern auch die Übernahme.“

Die Unternehmen sollten jetzt gezielt auch auf denjenigen zugehen, die in den vergangenen Jahren keine Ausbildung absolviert haben. Körzell: “Diese jungen Menschen haben eine faire Chance verdient. Wer sie ausbildet, der sorgt dafür, dass die Abwanderung aus Thüringen gestoppt wird. Wer ihnen eine gute Zukunft bietet, beugt dem Fachkräftemangel vor.“ 


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