Deutscher Gewerkschaftsbund

14.05.2010

Leiharbeit - wie weiter nach der Krise?

Leiharbeit
Einladung-DGB-Fachtagung-Leiharbeit_.pdf (PDF, 357 kB)

Auf der DGB Fachtagung "Leiharbeit - Wie weiter nach der Krise?", die in Kooperation mit der IG Metall, START e. V., dem DGB Bildungswerk Thüringen und der Kowa stattfand, diskutierten zahlreiche Betriebsräte und Vertreter aus Wissenschaft und Politik über zukünftige Anforderungen an die Gestaltung von Leiharbeit.

„Leiharbeit muss begrenzt werden. Wer Missbrauch und Ausbeutung verhindern will, muss das Prinzip ‚gleicher Lohn und gleiche Arbeitsbedingen von der ersten Stunde an’ umsetzen“, sagte die DGB-Landesvorsitzende Renate Licht anlässlich der Fachtagung „Wie weiter mit der Leiharbeit nach der Krise?, in Erfurt statt fand. Die neue EU-Leiharbeitsrichtlinie müsse zügig und vollständig in nationales Recht umgesetzt werden, da sie gegenüber der bundesdeutschen Praxis einen deutlich verbesserten Schutz für ArbeitnehmerInnen biete.

In der Tagung diskutierten VertreterInnen von Wissenschaft, Politik, Gewerkschaften und BetriebsrätInnen über die Zukunft der Leiharbeit. Als Vertreter der Thüringer Landesregierung nahm der Thüringer Wirtschaftsminister Matthias Machnig teil. Erst in der vergangenen Woche hatte die vom Wirtschaftsministerium ins Leben gerufene „Konzertierte Aktion“ ein Positionspapier zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Leiharbeit vorgelegt.

Der Fall „Schlecker" ist kein Einzelfall. Auch in Thüringen nutzen viele Unternehmer die Leiharbeit zu Kostensenkung und Lohndumping. In der Branche liegen die Löhne durchschnittlich 20 bis 40 Prozent niedriger als in den Entleihbetrieben. Reguläre Beschäftigung wird immer mehr durch Leiharbeit ersetzt. Damit wird Spirale der  Unterbietungskonkurrenz nach unten betrieben, die Beschäftigte in die Armut treibt und ganze Branchen ruiniert. Vor der Krise war Thüringen mit einer Leiharbeitsquote von 3,6 Prozent neben Bremen bundesweit Spitzenreiter bei der Leiharbeit. Aktuell hat der Boom in der Branche eingesetzt.

Der DGB Thüringen fordert, eine grundlegende Novellierung des Arbeitnehmerüberlassungs­gesetzes (AÜG). Leiharbeit müsse tariflich bezahlt und umgehend in das Arbeitnehmerentsendegesetz aufgenommen werden. Die Arbeitsagenturen dürften nicht länger Beihilfe zu Billiglohn leisten. Statt in Leiharbeit soll in reguläre Beschäftigung vermittelt werden. Die Vermittlung in Leiharbeit zu Armutslöhnen soll gestoppt werden. Bundesweit wurden zwischen Mai 2008 und Mai 2009 531 Millionen Euro aufgewendet, um die Armutslöhne von LeiharbeitnehmerInnen auf Hartz-IV-Niveau anzuheben. Betroffen waren 90.000 Menschen. Damit ist bundesweit jeder neunte Beschäftigte in der Leiharbeit ein sogenannter Aufstocker. „Das ist öffentlich subventionierte Billiglohnkonkurrenz“ sagte Licht.

Auch in Bezug auf die Mitbestimmung müsse das AÜG novelliert werden. Es ist nicht akzeptabel, dass für LeiharbeitnehmerInnen die Arbeitnehmerrechte eingeschränkt sind. Eine Folge ist, dass LeiharbeiterInnen häufig als Fachkraft arbeiten aber als Hilfskraft entlohnt werden. Die Betriebsräte in den Entleihbetrieben sollen zum einen darüber mit mitbestimmen können, wie viel Leiharbeitskräfte eingestellt werden und zum anderen auch für die Leiharbeitskräfte selbst zuständig sein. Nur so könne die rechtlose Position der LeiharbeitnehmerInnen beendet werden.

Weitere Informationen zur Veranstaltung hier !

Fachvortrag "Leiharbeit und Gesundheit" (PDF, 992 kB)

Fehlbelastungen und Handlungsansätze: Erfahrungen aus dem GRAziL*-Projekt, Karin Becker, Thomas Engel Soziologie Uni Jena, GRAziL-Projekt: Prof. Klaus Dörre, Dr. Ulrich Brinkmann, Diana Lehmann, Maike Schulz

Fachvortrag "Sichtweisen von ZeitarbeiterInnen auf Qualifizierung" (PDF, 266 kB)

Anforderungen an Qualifizierungskonzepte, Monika Sossna, START e. V.

Fachvortrag "Funktionswandel von Leiharbeit" (PDF, 573 kB)

Arbeitspolitische Herausforderungen durch neue Nutzungsformen von Leiharbeit, Dr. Hajo Holst FSU Jena


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