Deutscher Gewerkschaftsbund

28.06.2012

Der Arbeitsmarkt im Bezirk im Juni 2012

In Thüringen sind im Juni 94.500 Menschen ohne Arbeit gewesen. Das sind weniger als im Vormonat und weniger als im Vorjahr. Thüringen hat damit nach den Zahlen der Bundesagentur eine Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent. Das ist der beste Wert eines ostdeutschen Bundeslands. Zum Vergleich: Nordrhein-Westfalen hat eine Quote von 8 Prozent. Die Zahl der Entlassungen ist laut BA auf dem niedrigsten Stand seit 2007. Allerdings hielten sich die Arbeitgeber mit Neueinstellungen zurück. 

Ein Mann steht vor einer Pinnwand mit Jobangeboten.

DGB/Simone M. Neumann

Der DGB Hessen-Thüringen hat positiv auf die Meldungen zum thüringischen Arbeitsmarkt im Juni reagiert. Der Bezirksvorsitzende Stefan Körzell: „Besonders gut ist es aus gewerkschaftlicher Sicht, dass der Freistaat bei den Arbeitsmarktzahlen unaufhaltsam an den Westen anschließt. Zahlenmäßig trennt Thüringen nur noch ein Zehntel Prozentpunkt von Nordrhein-Westfalen. Das kann sich mehr als sehen lassen. Die Wirtschaftspolitik von Thüringen zahlt sich damit für die Beschäftigten aus.“ Positiv sei auch der weitere Rückgang bei den Hartz- IV-Empfängerinnen und Empfängern sowie die gleichzeitig rückläufige Unterbeschäftigung. „Weniger Unterbeschäftigung heißt immer, dass weniger Menschen in den sogenannten Maßnahmen versteckt sind und eine Arbeit gefunden haben. Das ist gut.“

Mit Blick auf die nachlassende Dynamik des Arbeitsmarktes sagte Körzell: „Die gesamtwirtschaftliche Großwetterlage kann auch die beste Landespolitik nicht beeinflussen. Die Konjunktur trübt sich ein. Das ist erkennbar an den zurückgehenden Stellenmeldungen der Arbeitgeber. Umso wichtiger ist es jetzt, Fachkräfte auszu-bilden. Es gibt noch über 6.000 unbesetzte Ausbildungsstellen im Freistaat.“ Unvermittelte Jugendliche sollten auch über einen alternativen Ausbildungsplatz nachdenken, wenn sie nicht ihre Wunsch-Ausbildung erhielten, so Körzell. Es sei wichtig, dass sie einen Einstieg ins Berufsleben fänden.

leere Ausbildungshalle

leere Ausbildungshallen müssen nicht sein..... DGB Hessen-Thüringen

In Hessen sind zwar die Arbeitslosenzahlen zurückgegangen. Aber nicht so deutlich wie in den vergangenen jahren. So waren in Hessen laut Bundesagentur insgesamt 175.172 Männer und Frauen ohne Arbeit. Das ist eine Quote von weiter 5,6 Prozent. 

Die hessischen Arbeitsmarktzahlen für Juni zeigen nach Ansicht des DGB Hessen-Thüringen bereits eine erste Eintrübung der Konjunktur. Der Bezirksvorsitzende Stefan Körzell sagte: „Der leichte Anstieg der Arbeitslosengeld-I-Bezieher von 330 gegenüber dem Vorjahr und die zurückgehenden Meldungen für freie Stellen sind Belege dafür. Wieder einmal scheinen die jungen Menschen die nachlassende Dynamik zuerst zu spüren. Anders ist für mich das Anwachsen der Zahl arbeitsloser Menschen unter 25 Jahren nicht zu interpretieren.“ Zwar spiele auch das Ausbildungsende eine Rolle, es erkläre den Effekt aber nicht allein.

Die hessischen Arbeitgeber fordert Körzell auf, unbesetzte Stellen auch der Bundesagentur zu melden. „Es ist wenig sinnvoll, wenn die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände VhU jeden Monat verkündet, wie viele freie Stellen es in Hessen angeblich gibt, diese aber nicht bei der Bundesagentur gemeldet werden.“ Nur nach einer Meldung könne die Bundesagentur auch zielgerichtet vermitteln. Ebenso fordert Körzell die Arbeitgeber des Einzelhandels und der handelsnahen Berufe ebenso auf, der Bundesagentur freie Stelle zu melden. „Dann können die Frauen eine Beschäftigungsperspektive bekommen, die wegen der Schlecker-Insolvenz erwerbslos geworden sind oder es noch werden.“

Auf völliges Unverständnis stößt beim DGB die Tatsache, dass die Arbeitgeber im Vergleich zum Vorjahr weniger freie Ausbildungsstellen gemeldet haben, so Körzell weiter. „Es sind doch gerade die Arbeitgeber in den gewerblich-technischen Ausbildungsberufen des dualen Ausbildungssystems, die ständig vom Fachkräftemangel reden. Wer das tut, muss auch für entsprechende Ausbildungsmöglichkeiten sorgen. Ansonsten soll er schweigen.“ Die Pflicht zur Ausbildung liege bei den Arbeitgebern. Körzell: „Diese Entwicklung ist mehr als kritisch. Nicht ausbilden und den Fachkräftemangel beklagen, das passt nicht zusammen, so Körzell, der auch Mitglied in der vom Land eingesetzten Fachkräftekommission ist.


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