Deutscher Gewerkschaftsbund

28.07.2023

An der Gewerkschaftsjugend führt kein Weg vorbei!

Forderungen zur Landtagswahl 2023

DGB-Jugend

Am 8. Oktober findet in Hessen die nächste Landtagswahl statt.

Wir leben in Zeiten vielfacher Krisen. Covid-19, Klimakrise, der Krieg Russlands gegen die Ukraine, Inflation wie wir sie lange nicht kannten. Gerade junge Menschen sind von den derzeitigen Krisen und deren Folgen betroffen. Über 18 Prozent der 20-35jährigen in Hessen haben keinen qualifizierten Berufsabschluss. Der Ausbildungsmarkt hat sich von der Coronakrise nicht wieder erholt. Gerade in den Ballungszentren sind die Mieten nicht nur für Azubis unbezahlbar.

Bei der Landtagswahl werden die Weichen gestellt für die Politik der nächsten fünf Jahre in Hessen. Gibt es ein weiter so? Oder gibt es einen Aufbruch hin zu einem sozialeren und nachhaltigeren Hessen?

Als Gewerkschaftsjugend haben wir klare Vorstellungen von guter Ausbildung, guter Arbeit und gutem Leben für alle. Deshalb mischen wir uns ein und haben klare Forderungen an die Parteien zur Landtagswahl und an die zukünftige Landesregierung.

Denn an der Gewerkschaftsjugend führt kein Weg vorbei!

Unsere Forderungen zur Landtagswahl

An guter Ausbildung führt kein Weg vorbei

Die duale Ausbildung findet sich seit langem in einer Krise, die durch die Pandemie verstärkt wurde. Wir wollen Ausbildung besser machen und alle jungen Menschen in Hessen sollen die Möglichkeit haben einen Berufsschabschluss zu erreichen, denn junge Menschen brauchen gute Perspektiven und wir alle brauchen gut ausgebildete Fachkräfte, um die sozialökologische Transformation zu gestalten.

Deshalb brauchen wir:

  • Eine Ausbildungsgarantie. Es muss allen jungen Menschen, die wollen, eine vorrangig betriebliche Ausbildung ermöglicht werden. Dazu ist es nötig, dass die Anzahl der Ausbildungsplätze erhöht wird, um ein tatsächlich flächendeckendes und auswahlfähiges Angebot zu erhalten. Ein auswahlfähiges Angebot ist laut Bundesverfassungs-gericht eine Anzahl von 112,5 Plätzen pro 100 Bewerber*innen.
     
  • Wir brauchen eine Umlagefinanzierung. Alle Betriebe zahlen eine Umlage, je nach Betriebsgröße. Durch die Umlage werden ausbil-denden Betriebe und Maßnahmen zur Erhöhung der Ausbildungsqualität unterstützt.
     
  • Es muss in die Qualifizierung von Ausbildungspersonal investiert werden. Es braucht hier einen besseren Betreuungsschlüssel, Frei-stellungen und mehr Zeit. Insbesondere Qualifizierungen für Gender- und interkulturelle Kompetenz müssen gefördert werden.
     
  • Berufsschulen müssen gut erreichbar sein. Bei der Berufsschulnetzplanung müssen Gewerkschaften besser beteiligt werden. Die Fahrt- und Unterkunftskosten für Landesfachklassen müssen 100% für Azubis übernommen werden.
     
  • Die berufliche Ausbildung muss der akademischen Ausbildung gleichgestellt werden.

An guter Bildung führt kein Weg vorbei!

Gute Bildung ist die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben. Doch unser Bildungssystem ist nicht ausreichend finanziert und immer noch von Ungleichheit geprägt, nicht alle bekommen die besten Chancen und Möglichkeiten.

Deswegen brauchen wir:

  • Bessere materielle und personelle Ausstattung der Schulen. Der jahrelange Sanierungsstau muss behoben werden.
     
  • Längeres gemeinsames Lernen. Eine Selektion bereits nach der Grundschule ist sozial ungerecht.
     
  • Mehr Lehrkräfte und kleinere Klassen.
     
  • Gute (digitale) Infrastruktur und gut ausgebildetes IT-Fachpersonal an allen Schulen. WLAN für alle und immer!
     
  • Bessere Berufsorientierung in allen Schulformen. Dabei müssen die Interessen der jungen Menschen im Mittelpunkt stehen.
     
  • Demokratie, Gewerkschaft und Mitbestimmung müssen allen Schulformen in die Lehrpläne aufgenommen werden. Dazu gehört auch die praktische Erfahrung von Mitbestimmung im Schulalltag.
     
  • Bessere Qualifizierungen des Lehrpersonals in Gender- und interkultureller Kompetenz.

An gutem Studium führt kein Weg vorbei

Immer mehr junge Menschen entscheiden sich für ein Studium oder ein duales Studium. Wir wollen Hochschule und Studium für alle verbessern.

Dafür brauchen wir:

  • Die Sicherstellung der Finanzierung aller Hochschulen. Die Abhängigkeit von Drittmitteln muss reduziert werden.
     
  • Die Mitbestimmung an Hochschulen von Studierenden und studentisch Beschäftigten muss verbessert werden.
     
  • Bildung muss kostenfrei sein. Der Verwaltungskostenbeitrag muss weg.
     
  • Bessere Finanzierung der Studierendenwerke für mehr günstigen Wohnraum und günstiges Mensaessen.
     
  • Studentische Beschäftigte müssen endlich in den TV-H aufgenommen werden.
     
  • Kein Sparen der Energiekosten auf Kosten der Präsenzlehre oder des Zugangs zur Infrastruktur wie Bibliotheken.
     
  • Das duale Studium muss endlich besser geregelt werden. Es braucht die Schutzregelungen des BBIG auch für dual Studierende in den Praxisphasen. Bindungs- und Rückzahlungs-klauseln gehören verboten.

An Wohnraum für alle führt kein Weg vorbei

Der Wohnungsmarkt ist weiterhin angespannt. Der Bestand an Sozial-wohnungen nimmt immer weiter ab und in der Inflationskrise wissen viele nicht mehr, wie sie steigende Mieten und Nebenkosten bezahlen sollen.

Deshalb brauchen wir:

  • Azubiwerke nach Münchner Vorbild, die günstige Azubiappartments zur Verfügung stellen. Die dort wohnenden Azubis müssen bei der Ausgestaltung des Alltags mitbestimmen können. Dabei darf die maximale Miete höchstens 25 Prozent der durchschnittlichen Ausbildungsvergütung betragen.
     
  • Mehr sozialen Wohnungsbau.
     
  • Einen Mietendeckel. Gerade in Krisenzeiten dürfen die Mieten nicht noch weiter steigen.
     
  • Wer aufgrund von Preissteigerungen die Energiekosten nicht zahlen kann, darf die Wohnung nicht verlieren und die Energie darf nicht abgedreht werden

An Mobilität für alle führt kein Weg vorbei

Unsere Gesellschaft wird immer mobiler und für das Gelingen der sozial-ökologischen Transformation braucht es einen massiven Ausbau des ÖPNV.

Deshalb brauchen wir:

  • Massive Investitionen in einen Ausbau des ÖPNV. Es braucht mehr Verbindungen gerade im ländlichen Raum. Dafür braucht es vor allem auch mehr gut ausgebildetes Personal. Die Verkehrswende darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten umgesetzt werden.
     
  • Das 365€-Schüler*innenticket muss weiterentwickelt werden hin zu einem kostenfreien ÖPNV für Menschen in Ausbildung.
     
  • Das 49€-Ticket muss ergänzt werden um ein 29€ für einkommens-schwache Menschen.

An einer Gesellschaft für alle führt kein Weg vorbei

Unsere Gesellschaft wandelt sich ständig. Das ist gut so. Aber noch immer werden viel zu viele ausgeschlossen und von Diskriminierung betroffen.

Deshalb brauchen wir:

  • Unterstützung der Zivilgesellschaft, die sich gegen Antisemitismus, Rassismus und alle anderen Formen der Menschenfeindlichkeit einsetzt. Dafür braucht es ein Demokratieförderungsgesetz, um Initiativen langfristig zu sichern.
     
  • Lückenlose Aufklärung rechter Gewalttaten.
     
  • Bessere Unterstützung und Beratung von Betroffenen.
     
  • Unterstützung von queeren jungen Menschen durch ein Angebot an Räumen wie z.B. Jugendclubs, Cafés, Clubs.
     
  • Einen Abbau von sprachlichen und physischen Barrieren hin zu einer inklusiven Gesellschaft.

Forderungen zur Landtagswahl als Download

Forderungen zur Landtagswahl

DGB-Jugend

An der Gewerkschaftsjugend führt kein Weg vorbei (PDF, 8 MB)

Bei der Landtagswahl werden die Weichen gestellt für die Politik der nächsten fünf Jahre in Hessen. Gibt es ein weiter so? Oder gibt es einen Aufbruch hin zu einem sozialeren und nachhaltigeren Hessen? Als Gewerkschaftsjugend haben wir klare Vorstellungen von guter Ausbildung, guter Arbeit und gutem Leben für alle. Deshalb mischen wir uns ein und haben klare Forderungen an die Parteien zur Landtagswahl und an die zukünftige Landesregierung. Ihr könnt Sie hier als PDF herunterladen.


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