Deutscher Gewerkschaftsbund

31.01.2012

Der Arbeitsmarkt im Januar 2012

In Thüringen verloren im Vergleich zum Dezember 16.200 Menschen ihren Job, in Hessen 15.860. "Aus Sicht des Arbeitsmarktes hat es durchaus geschneit", kommentiert das der Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, Dr. Frank Martin. 

Und der Vorsitzende des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen, Stefan Körzell, fragt sich, warum es ohne Winter einen winterbedingten Einbruch bei den Arbeitslosenzahlen gebe.

Aber, so Körzell: „Mit der Entwicklung in Hessen haben wir gerechnet. Dass die Zahl der Menschen ohne Beschäftigung vor allem in Nordhessen ansteigt heißt: Das Weihnachtsgeschäft ist nun vorbei, die vielen Arbeitskräfte bei den Logistikern werden nicht mehr benötigt. Genau, wie wir das bereits im Dezember vorhergesagt hatten. Damit wird deutlich, wie prekär diese Arbeitsverhältnisse sind."

In Thüringen sei die Zunahme der Arbeitslosigkeit allem der Situation im Bauhaupt- und Baunebengewerbe geschuldet - trotz des bisher milden Winters.

Aber auch die Einsparmaßnahmen bei der aktiven Arbeitsmarktpolitik machten sich mittlerweile bei der Arbeitslosenquote bemerkbar, so der DGB-Bezirksvorsitzende, und das sowohl in Hessen als auch in Thüringen. Hier habe die Politik die falschen Weichen gestellt. Nicht weniger, sondern genau soviel oder sogar mehr Geld müsse aufgewendet werden, um Bezieherinnen und Bezieher von Hartz IV in den Arbeitsmarkt zu re-integrieren. Dies gelinge offensichtlich nicht, was leicht daran zu erkennen sei, dass die Arbeitslosenquote bei den Empfängern von Hartz IV im Januar in Hessen und Thüringen zugelegt habe. Dies, so Körzell, sei ein eindeutiges Zeichen für die Sparmaßnahmen, die sich nunmehr bei den Arbeitslosen bemerkbar machten. Es sei aber auch ein Beleg dafür, dass viele Arbeitnehmer sofort nach der Beschäftigung wieder in Hartz IV fallen würden, weil ihre Arbeitsverhältnisse nicht lange genug dauerten.

Im Vergleich zu anderen ostdeutschen Ländern habe Thüringen trotzdem einen sehr stabilen Arbeitsmarkt im Vergleich zu anderen, sagte Körzell weiter. Dies sei ein Umstand, auf dem sich die Politik nicht ausruhen dürfe, sondern den sie nachhaltig weiter entwickeln müsse. Dabei stehe für den DGB die unbefristete Beschäftigung im Vordergrund. Ebenso müsse die Leiharbeit zurückgedrängt werden, erst dann kann nach Ansicht des DGB von einer nachhaltigen Entwicklung auf dem Thüringer Arbeitsmarkt gesprochen werden.

Für das wohlhabende Bundesland Hessen hingegen, so Körzell, sei es besorgniserregend, dass sich der Niedriglohnsektor auch bei Vollzeitbeschäftigten stark ausbreite. Dies sei ein Umstand, der die hessische Politik aufrütteln müsse.


Nach oben

Themenverwandte Beiträge

Pressemeldung
Hessen: DGB fordert Aufstockung des Kurzarbeitergeldes
Die Gewerkschaften wollen die Aufstockung des Kurzarbeitergeldes mit den Arbeitgeberverbänden tariflich vereinbaren. Weigern sich die Arbeitgeber, ist die Politik gefordert. Dann muss auch die Landespolitik mit aller Kraft darauf hinwirken, dass bundesweit das Kurzarbeitergeld auf mindestens 80 Prozent aufgestockt wird. Zur Pressemeldung
Pressemeldung
DGB: Beuth handelt skandalös
Der Hessische Innenminister Peter Beuth hat gestern erklärt, berufliche und dienstliche Fahrten können auch weiter mit mehr als zwei Personen stattfinden. Dazu Michael Rudolph, DGB-Bezirksvorsitzender Hessen-Thüringen: „Das ist ein skandalöses Spiel mit der Gesundheit der Menschen. Der Innenminister sieht offenbar die Bekämpfung von Corona als reine Freizeitaufgabe an. Zur Pressemeldung
Link
Corona: Was gilt bei Kündigung, Arbeitslosigkeit, Jobcenter und Arbeitsagentur
Leider wird es in der Corona-Krise mit Sicherheit auch zu Kündigungen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern kommen. Wir zeigen, was sie in dieser Situation wissen müssen. zur Webseite …

Zuletzt besuchte Seiten