Deutscher Gewerkschaftsbund

02.05.2012

Der Arbeitsmarkt im Bezirk im April

In Thüringen ist die Arbeitslosigkeit im April weiter gesunken. 4.400 Menschen kamn in Beschäftigung, damit sind 103.800 arbeitslos. Eine Quote von 8,8 Prozent. Das ist immer noch die Spitzenposition bei den ostdeutschen Bundesländern. Aber der Arbeitsmarkt verliert an Schwung, und das in beiden Bundesländern. In Hessen kamen im April grade mal 661 Menschen in Arbeit. Damit sind 181.250 Menschen in Hessen arbeitslos. Die Quote bleibt unverändert bei 5,8 Prozent. Der Rückgang in diesem Monat ist sehr viel niedriger als in vorangegangenen Jahren. Hier die Kommentierung des DGB Hessen-Thüringen, zuerst für Hessen:

Schwächelnder Arbeitsmarkt löst altbekannte Arbeitgeberreflexe aus
DGB fordert Unternehmen auf, mehr auszubilden

Der DGB Hessen-Thüringen zeigt sich überrascht von der stockenden Entwicklung auf dem hessischen Arbeitsmarkt. Der Bezirksvorsitzende Stefan Körzell sagte: “Dass die Arbeitslosigkeit so wenig zurückgegangen ist, heißt, wir haben keine Frühjahrsbelebung wie sonst üblich.“ Verwundert zeigt sich Körzell darüber, dass die Arbeitgeber weniger Jugendliche beschäftigen. „Hier tritt Hessen auf der Stelle, obwohl die Arbeitgeber und deren Verbände nicht müde werden, den Fachkräftemangel zu beklagen. Wer klagt, muss auch handeln. Das heißt, junge Menschen nach der Ausbildung zu übernehmen, so wie dies die IG Metall in der laufenden Tarifrunde fordert, beziehungsweise die jungen Leute zur Ausbildung einzustellen.“

Das Handeln der Unternehmen stehe im krassen Widerspruch zum Reden. Das werde deutlich, wenn man sich die Entwicklung bei den Erwerbslosen unter 25 Jahren ansieht. Hier sei zwar laut Bundesagentur der Rückgang gestoppt. Es gebe aber in Hessen trotzdem noch über 17.000 Erwerbslose in dieser Altersgruppe. Körzell: „Das bestätigt die Forderung der IG Metall in den laufenden Tarifrunden, Jugendliche nach der Ausbildung zu übernehmen.“ Zudem müssten die Unternehmen überhaupt mehr ausbilden. „Schon jetzt im April haben wir 2400 Jugendliche mehr, die einen Ausbildungsplatz suchen als Ausbildungsplatz-Angebote der Unternehmen. Jugendarbeitslosigkeit kann nur dann beständig weiter abnehmen, wenn mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen würden.“

Thüringer Arbeitsmarkt durchwachsen
Jetzt nicht nachlassen, weitere Anstrengung nötig

Der DGB Hessen-Thüringen bewertet die Entwicklung auf dem Thüringer Arbeitsmarkt im Monat April als durchwachsen. Der Bezirksvorsitzende Stefan Körzell sagte: „Gut ist, dass die Arbeitslosigkeit weiter zurückgegangen ist. Schlecht, dass es nur so wenig war. Und das, obwohl hier die saisonale Belebung greifen sollte.“

Positiv bewerteten die Gewerkschaften, dass es Thüringen jetzt schon seit Monaten gelinge, die niedrigste Arbeitslosenquote der ostdeutschen Bundesländer zu haben. Körzell:  „Hinter diesem 1. Platz beim Abbau von Arbeitslosigkeit stehen enorme Anstrengungen der beteiligten Akteure. In Thüringen steht der Beschäftigungsaufbau ganz oben auf der politischen Agenda der Politik.“ Minister Machnig habe gerade am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, deutlich gemacht, was dies für Thüringen heißt, nämlich das Image als Niedriglohnstandort endgültig abzuwickeln, so Körzell. „Wir brauchen eine wirkliche Wende in der Arbeitsmarktpolitik. Thüringen muss zu einem Synonym für gute Arbeit, faire Löhne und beste Karrierechancen werden. Das ist der Schlüssel für die Zukunft des Landes.“ Bei diesen Vorhaben könne die Politik auf die Unterstützung der Gewerkschaften zählen, sagte Körzell. 

Der Bezirksvorsitzende forderte die Beteiligten auf, an dieser politischen Linie jetzt festzuhalten. Der Prozess dürfe jetzt nicht ins Stocken geraten. Körzell: „Sonst  könnte schnell der Eindruck entstehen, dass die Arbeitgeber wieder in ihr altes Muster zurückfallen. Dies würde zu einer erneuten Abwanderungswelle führen, die nicht im Interesse des Freistaat und der Unternehmen sein könne. 

In Thüringen, so Körzell, gehe es um viel mehr als eine positive Arbeitsmarktbilanz. „Solange jeder dritte Beschäftigte im Niedriglohnsektor arbeitet, sind zusätzlich weitere arbeitsmarktpolitische Maßnahmen nötig. An erster Stelle steht dabei die Stärkung der Tarifbindung in den Unternehmen.“


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