Deutscher Gewerkschaftsbund

28.02.2013

Der Arbeitsmarkt im Bezirk im Februar

Kaum Veränderung am Arbeitsmarkt in Thüringen und in Hessen im abgelaufenen kurzen Februar. Eine Seitwärtsbewegung meldet die hessische Regionaldirektion. Mit 192.671 sind 902 Menschen mehr arbeitslos in Hessen als im Januar. Das macht ein plus von 0,5 Prozentpunkten. Die Arbeitslosenquote liegt damit bei 6,1 Prozent. Das ist leicht höher als im vergangenen Jahr.

Unter dem Titel "Noch ist Winter am Arbeitsmarkt" meldet Thüringen mehr oder weniger Stagnation. Hier liegt die Quote von 9,4 Prozent aber leicht unter dem Vorjahresmonat. 109.700 Menschen haben keine Arbeit. Mehr als 10 Prozent von ihnen sind über 50. Das sieht der DGB mit Sorge.  

Nicht die Älteren aus dem Blick verlieren

Der Bezirksvorsitzende Stefan Körzell sagte dazu: „Zwar hat sich insgesamt die Arbeitsmarktlage im vergangenen Monat nicht verschlechtert. Aber die Situation der Älteren über 55 bereitet uns doch erhebliche Sorgen. Denn keine Altersgruppe ist so stark von Arbeitslosigkeit betroffen wie sie. Unserer Meinung nach liegt der Grund dafür in den Unternehmen. Sie haben es versäumt, sich frühzeitig und strategisch um die Beschäftigungslage zu kümmern. Noch immer gibt es keine Kultur in den Unternehmen, die regelt, wie ältere Beschäftigte bis zur Rente im Betrieb arbeiten können.

Dabei geht es um Arbeits- und Gesundheitsschutz, es geht um Zeitmodelle, die Entwicklung von Qualifizierung, um Perspektive zu geben bis zum Berufsausstieg oder um flexiblere Rentenzugänge. Der derzeit einzige Ausweg für viele Ältere ist mangels einer solchen Kultur der Rückzug in Arbeitslosigkeit und Krankheit, was immer mit einem satten Abschlag bei der Rente verbunden ist. Dies zeigt einmal mehr, wie unsinnig die Rente mit 67 ist. Wer immer fordert, dass Menschen länger arbeiten müssen, weil sie auch länger leben, der muss auch dafür sorgen, dass sie arbeiten können, dass sie dazu in der Lage sind.“

In Hessen dagegen beunruhigt den DGB die hohe Zahl von jungen Arbeitslosen.

10 Prozent der Arbeitslosen unter 25 Jahre - untragbare Situation

Zum hessischen Arbeitsmarkt insgesamt sagte Stefan Körzell: „Dass die Zahl der Stellenangebote wieder ansteigt, ist ein Hoffnungsschimmer am Horizont. Höchst beunruhigend ist allerdings der nochmalige Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit. Für die Gewerkschaften ist das Ausdruck einer absolut verfehlten strategischen Ausrichtung in den Unternehmen. Zehn Prozent aller Arbeitslosen in Hessen sind unter 25 Jahre alt. Das ist ein Skandal. Die Betriebe stellen sich ganz offensichtlich nicht richtig für die Zukunft auf. 

Wir fragen uns, wofür dann überhaupt eine Fachkräftekommission vom Ministerpräsidenten einberufen wird, in der hochkarätige Vertreter der Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gewerkschaften tagen und den Fachkräftemangel für die nächsten Jahre prognostizieren. Entgegen des Wehklagens der Arbeitgeber über einen zukünftigen Fachkräftemangel handeln diese jedoch genau umgekehrt und geben jungen Menschen keine Perspektive. Es bleibt uns deshalb weiter unverständlich, dass die Arbeitgeber immer wieder den Fachkräftemangel thematisieren.“

Auf den Hinweis des DGB zur Jugendarbeitslosigkeit im vergangenen Monat äußerte sich der Verband hessischer Unternehmer VhU mit Unverständnis und argumentierte, die fertig ausgebildeten jungen Menschen hätten zahlenmäßig noch gar nicht Eingang finden können in die Januarbericht der Regionaldirektion.

Nunmehr ist aber sicher davon auszugehen, dass die jungen Menschen, die eine Ausbildung beendet haben, im Februar berücksichtigt wurden. Der weitere Anstieg in dieser Altersgruppe von Januar zu Februar um 7,3 Prozent ist ein mehr als deutlicher Beleg dafür, dass gut ausgebildete junge Fachkräfte nicht von der hessischen Wirtschaft übernommen worden sind.

 

 

 


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