Deutscher Gewerkschaftsbund

06.09.2023

Positionspapier zur Notwendigkeit eines deutschlandweit gültigen hessischen 19 €-Bildungstickets

Jetzt Petition unterschreiben!

DGB-jugend hessen-Thüringen

Wir halten die sofortige Einführung eines bundesweit gültigen Bildungstickets im ÖPNV in der Höhe von 19 € im Monat für Menschen, die sich auf dem Bildungsweg in Hessen befinden, für dringend notwendig.

Menschen, die sich auf dem Bildungsweg befinden, verzeichnen in der Regel spürbar niedrigere finanzielle Ressourcen im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerungsmehrheit. Dies wird durch Armutsgefährdungsquoten in aktuellen Studien veranschaulicht. Dennoch oder gerade deswegen sind insbesondere diese Menschen auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Dabei hegen besonders junge Menschen ein hohes Mobilitätsbedürfnis, um ihre Ausbildung, Berufliches sowie sozial-kulturelle Teilhabe bundesländerübergreifend zu vereinbaren. Auch im Sinne des Klimaschutzes und einer dringend erforderlichen Verkehrswende sollten junge Menschen möglichst gut an umweltfreundliche Transportmöglichkeiten herangeführt werden.

Zielgruppe des Tickets:

Das Bildungsticket sollen sich alle hessischen Studierenden, Auszubildenden, Freiwilligendienstleistenden, Schüler:innen, Studierenden an Abendschulen und sich auf sonstigen Bildungswegen wie Umschulungen befindliche Menschen oder Praktikant:innen leisten können. Dabei soll allen Schüler:innen das Ticket generell vom ersten Schuljahr bis zum Abitur unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus soll das Ticket bereits ab dem Kindergarten, der als Etappe frühkindlicher Bildung gilt, sowie Menschen in Behindertenwerkstätten kostenlos zur Verfügung stehen.

Finanzierung:

Nach dem Solidaritätsprinzip halten wir es für unumgänglich, dass die oben genannten Gruppen bei der Finanzierung des bundesweiten Bildungstickets für Hessen eine besondere staatliche Unterstützung erfahren müssen. Deshalb sollte das bundesweite Bildungsticket in Hessen vorrangig aus Landesmitteln finanziert werden. Der Bund sollte das Land bei der Finanzierung des Tickets jedoch unterstützen. Allerdings dürfen die Mittel für die Finanzierung des Tickets nicht aus den regulären Töpfen zur Bereitstellung der ÖPNV-Leistungen und zum Ausbau der ÖPNV-Infrastruktur fließen.

Da das Land Hessen jetzt schon bei den verschiedenen bestehenden Bildungstickets große Finanzmittel aufbringt, würde eine Zusammenführung in ein Bildungsticket mit nur begrenztem zusätzlichem finanziellen Aufwand seitens des Staates umsetzbar sein.

Auszubildende, Studierende usw. würden dann, wie zurzeit auch, durch den Erwerb des Bildungstickets für 19 € ihrer solidarischen Verantwortung im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten nachkommen und somit zur Finanzierung des Bildungstickets beitragen. Um diesen Menschen jedoch Planungssicherheit zu geben, muss eine Preisgarantie in Höhe von 19 € für mindestens 2 Jahre nach Einführung des Bildungstickets festgesetzt werden. Anschließende Preiserhöhungen müssen von den anderen Ticketerhöhungen, wie vermutlich auch bald beim Deutschlandticket, entkoppelt sein. Darüber hinaus muss das Bildungsticket nicht nur in einer online Version angeboten werden. Die Zielgruppe des Bildungstickets ist durch die enormen Preiserhöhungen in anderen Bereichen schon viel zu stark belastet!

ÖPNV-Angebot:

Das Bildungsticket hat allerdings ohne ein gutes ÖPNV-Angebot und eine gute Infrastruktur einen geringen Wert. Um alle Menschen auf ihrem Bildungsweg mit dem Ticket zu erreichen, muss dafür ein flächendeckendes und zuverlässiges ÖPNV-Angebot vor allem in zur Zeit oft infrastrukturschwachen ländlichen Regionen gegeben sein.

In diesem Sinne fordern wir Folgendes für den ÖPNV in Hessen: Den Ausbau des ÖPNV im ländlichen Raum durch flächendeckende Schienen- und Busnetze mit mindestens stündlicher Bedienung aller Orte von 4:00 bis 1:00 Uhr (am Folgetag). Alle hessischen Mittelzentren sollen in einem Takt von mindestens 30 Minuten angebunden werden. Zudem soll ein Hessentakt als integraler Taktfahrplan im Schienenpersonennahverkehr geschaffen werden, welcher gut mit dem Busverkehr und On-Demand-Mobilität verknüpft ist. Die Erweiterung der Kapazitäten an überlasteten Schienenkorridoren, Reaktivierungen stillgelegter Bahnstrecken und weitgehende Elektrifizierung bisheriger Strecken mit fossilen Antrieben muss umgehend in Angriff genommen werden.

Zur Attraktivitätssteigerung des ÖPNV gegenüber dem MIV müssen die Reisezeiten beschleunigt und Eisenbahnstrecken begradigt werden. Der ÖPNV ist eine öffentliche Aufgabe. Deswegen sollen die Bevölkerung und die Fachverbände mehr Mitwirkungsmöglichkeiten durch die Einrichtung eines „Landesfahrgäst:innenbeirates“ beim zuständigen Ministerium bekommen.

Langfristiges Ziel sozialer Mobilität:

Die Verwirklichung des Bildungstickets in der Höhe von 19 € wäre ein Meilenstein. Langfristig soll das Bildungsticket aber der gesamten Zielgruppe als Solidarleistung kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Deshalb fordern wir Sie hiermit auf, diesem überbürokratisierten Ticket-Irrsinn mit der Schaffung eines Bildungstickets ein Ende zu bereiten und die Rahmenbedingungen für eine gute Verkehrswende bei ÖPNV, Infrastruktur und Taktung zu schaffen.

 

Positionspapier zur Notwendigkeit eines deutschlandweit gültigen hessischen 19 €-Bildungstickets jetzt unterschreiben!

 

 


Nach oben

Themenverwandte Beiträge

Artikel
An der Gewerkschaftsjugend führt kein Weg vorbei!
Am 8. Oktober findet in Hessen die nächste Landtagswahl statt. Wir leben in Zeiten vielfacher Krisen. Covid-19, Klimakrise, der Krieg Russlands gegen die Ukraine, Inflation wie wir sie lange nicht kannten. Gerade junge Menschen sind von den derzeitigen Krisen und deren Folgen betroffen. Über 18 Prozent der 20-35jährigen in Hessen haben keinen qualifizierten Berufsabschluss. Der Ausbildungsmarkt hat sich von der Coronakrise nicht wieder erholt. Gerade in den Ballungszentren sind die Mieten nicht nur für Azubis unbezahlbar. Bei der Landtagswahl werden die Weichen gestellt für die Politik der nächsten fünf Jahre in Hessen. Gibt es ein weiter so? Oder gibt es einen Aufbruch hin zu einem sozialeren und nachhaltigeren Hessen? Als Gewerkschaftsjugend haben wir klare Vorstellungen von guter Ausbildung, guter Arbeit und gutem Leben für alle. Deshalb mischen wir uns ein und haben klare Forderungen an die Parteien zur Landtagswahl und an die zukünftige Landesregierung. Denn an der Gewerkschaftsjugend führt kein Weg vorbei! weiterlesen …
Artikel
Jugendbildung 2024
Das Jugendbildungsprogramm 2024 ist da. Wir haben wieder viele spannende Veranstaltungen für euch vorbereitet, die wir euch hier vorstellen möchten. Auch im Jahr 2024 könnt ihr aus bewährten Formaten und zahlreichen neuen Seminaren wählen. weiterlesen …
Artikel
Pestel-Studie belegt Notwendigkeit von Azubiwohnheimen in Hessen
Heute haben das Pestel-Institut und die DGB-Jugend Hessen eine Studie zur Wohnungssituation von hessischen Auszubildenden und Studierenden vorgestellt. im vergangenen Jahr mussten rund ein Drittel der hessischen Auszubildenden zu ihrem Ausbildungsort in eine kreisfreie Stadt pendeln. Und für weniger als 7 Prozent der Studierenden stand ein Wohnheimplatz zur Verfügung. weiterlesen …