Deutscher Gewerkschaftsbund

05.06.2011

Offener Brief: Nein zur Bundeswehrwerbung auf dem Hessentag – Ja zu friedlichen Perspektiven für junge Menschen

Offener Brief der DGB-Jugend Hessen an die VeranstalterInnen des Hessentags

Kein Werben fürs Sterben

DGB-Jugend Hessen

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Brum,

sehr geehrte Damen und Herren des Magistrats der Stadt Oberursel,

sehr geehrter Herr Wolczak,

 

die DGB-Jugend Hessen wendet sich an Sie, um auf die Folgen der Bundeswehrwerbung auf dem Hessentagaufmerksam zu machen. Wir machen uns dafür stark, dass es keine weitere Kooperation zwischen dem Hessentag und der Bundeswehr gibt.

 

Durch die Werbung der Bundeswehr sehen wir die Gefahr, dass die Akzeptanz militärischer und kriegerischer Interventionen im Ausland gesteigert, eine Militarisierung der Gesellschaft begünstigt, die Zukunft der Jugend aufs Spiel gesetzt und öffentliche Mittel in großem Umfang verschwendet werden. Bereits im Weißbuch der Bundesregierung von 2006 wird der systematische Umbau der Bundeswehr von einer Verteidigungs- zu einer internationalen Interventionsarmee beschrieben. Längst sind SoldatInnen in gefährlichen Gebieten weit

außerhalb der Landesgrenzen stationiert und in gewaltsame Auseinandersetzungen verwickelt. Nicht nur getötete, schwer traumatisierte und von Krankheiten betroffene SoldatInnen, sondern auch tausende zivile Opfer anderer Länder sind zwangsläufig die Folge.

 

Durch die massenwirksame Werbung auf dem werden militärische Auseinandersetzungen im Ausland in ein falsches Bild gerückt, beschönigt und verharmlost.

Die aktuelle Umstrukturierung zu einer Berufsarmee, die trotz Streitkräftereduzierung doppelt so viele Soldaten ins Ausland schicken soll, setzt eine weitere Militarisierung im Innern voraus. An über 40 deutschen Hochschulen werden wehr- und sicherheitstechnische und wehrmedizinische Forschungen durchgeführt, und die Bundeswehr ist an zahlreichen zivilen Hochschulen in die Lehre eingebunden. Auf Berufsbildungsmessen und in Schulen wirbt sie offensiv und einseitig für den Dienst an der Waffe. Militärische und gewaltsame Maßnahmen werden auf diesem Wege zunehmend als legitime Möglichkeit zur Konfliktlösung begriffen.

 

Nach der vorläufigen Aussetzung der Wehrpflicht baut die Bundeswehr ihre Werbung umfangreich aus. Während 2009 12 Millionen Euro für Nachwuchswerbung ausgegeben wurden, erhöhte sich dieser Betrag auf 27 Millionen im Jahr 2010 – Tendenz steigend. Wir lehnen die Erhöhung des öffentlichen Etats für die Werbung der Bundeswehr als Steuerverschwendung ab.

 

Die DGB-Jugend Hessen steht für andere, friedliche Perspektive für junge Menschen. Wir kritisieren, dass die Bundeswehr die hoffnungslose Situation vieler Jugendlicher, die keine Ausbildung oder keinen Studienplatz bekommen, ausnutzt und sie mit teurer und nach Abenteuer klingender Werbung für sich gewinnen möchte.

 

Dass sich aktuell viel weniger Freiwillige für den Wehrdienst finden, zeigt eine generell sehr niedrige Akzeptanz des Militärs. Die meisten jungen Menschen wollen, wenn sie sich frei entscheiden können, offensichtlich nicht zum Dienst in der Bundeswehr ausgebildet werden, sondern schlagen andere Lebenswege ein. Die Bundeswehr wird zwangsläufig auch in ihrer öffentlichen Darstellung „aufrüsten“ und sucht zunehmend öffentliche und Massenveranstaltungen. Die Präsenz auf dem Hessentag liegt deswegen nahe. Das Motto

des Hessentages „Leben. Qualität. Zukunft“ zeichnet für uns junge Menschen jedoch ein anderes Bild unseres Landes. Die Grundvoraussetzung für ein gutes Leben ist die Abwesenheit von Krieg. Die Lebensqualität in Hessen bemisst sich an dem Vorhandensein friedlicher Mittel zur politischen Gestaltung und Konfliktlösung.

 

Wir wollen eine friedliche Zukunft für junge Menschen mit freier Bildung, sozialer Gerechtigkeit und guten Lebens- und Arbeitsbedingungen jenseits von Gewalt, traumatischen Erfahrungen und Tod. Dieses Verständnis steht in offenem Widerspruch zu einer Beteiligung der Bundeswehr am Hessentag.

 

Aus den genannten Gründen fordern wir Sie auf, die Bundeswehr auszuladen und militärische Werbung auf dem Hessentag zu untersagen.

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

Holger Kindler

(für den DGB-Landesjugendvorstand Hessen)


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