Am 30. September 2025 besuchte Robin Mastronardi, Geschäftsführer des DGB Mittelhessen, das neue »Welcomecenter Mittelhessen« in Wetzlar. Das Center, das am 1. Juni 2025 offiziell eröffnet wurde, ist eine zentrale Anlauf-, Service- und Beratungsstelle für internationale Fach- und Arbeitskräfte sowie für Unternehmen und Verwaltungen in Mittelhessen. Der Besuch unterstreicht die Bedeutung, die das Thema Arbeits- und Fachkräftesicherung sowie Willkommenskultur für den DGB hat – regional wie bundesweit.
Das Welcomecenter Mittelhessen – ein starkes Angebot für internationale Fachkräfte
Internationale Arbeits- und Fachkräfte, Studierende, Auszubildende und deren Familien erhalten im Welcomecenter Unterstützung zu einer Vielzahl an Themen: Von Visumsfragen und Anerkennung von Qualifikationen über Wohnraumsuche, Kinderbetreuung und beruflicher Integration bis hin zu Kultur- und Freizeitangeboten. Die Beratung erfolgt mehrsprachig – auf Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch – telefonisch, digital oder vor Ort in Wetzlar. Auch Unternehmen können sich bei der Rekrutierung und Integration internationalen Personals beraten lassen – etwa zu rechtlichen Rahmenbedingungen, Fördermöglichkeiten, Sprachkursen oder interkulturellen Schulungen.
„Das Welcomecenter ist ein sichtbares Zeichen für eine gelebte Willkommenskultur“, so der DGB-Geschäftsführer. „Es bietet praktische Unterstützung beim Ankommen, Arbeiten und Bleiben – und trägt dazu bei, internationale Talente in unsere Region zu holen und langfristig zu halten.“
DGB: Migration ist wichtig – reicht aber allein nicht aus!
Der DGB Mittelhessen begrüßt die Einrichtung ausdrücklich, weist jedoch auch darauf hin, dass Migration allein den Arbeits- und Fachkräftemangel nicht lösen wird. Eine nachhaltige Arbeitsmarktstrategie muss zusätzlich auf die Mobilisierung inländischer Potenziale setzen. Dazu gehören gezielte Maßnahmen zur Förderung von Frauen, An- und Ungelernten sowie Erwerbslosen.
So liegt die Beschäftigungsquote von Frauen im Lahn-Dill-Kreis mit 55,3 % deutlich unter dem Bundesdurchschnitt (78 %). Über die Hälfte der Frauen arbeitet in Teilzeit – häufig aus familiären Gründen, etwa wegen fehlender Kinderbetreuung. Gleichzeitig beträgt die Langzeitarbeitslosenquote im Kreis 37,5 %. Der demografische Wandel verschärft die Lage zusätzlich: Laut IWAK werden jährlich rund 1.100 mehr Menschen aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, als nachrücken.
Fachkräftemangel mit sozialer Gerechtigkeit bekämpfen - Der DGB Mittelhessen fordert daher:
- den Ausbau der sozialen Infrastruktur, insbesondere der Kinderbetreuung
- eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf
- qualifizierende Arbeitsmarktpolitik mit Fokus auf Weiterbildung und Berufsabschlüsse
- gute Arbeitsbedingungen, Tarifbindung und Mitbestimmung für alle Beschäftigten
- eine faire Einwanderungspolitik, die Schutz, Integration und Teilhabe sichert
Bis 2030 droht allein im Lahn-Dill-Kreis ein Mangel von über 12.000 Fachkräften – besonders in der Pflege, Erziehung, Logistik, IT und technischen Berufen. Damit Mittelhessen wirtschaftlich stark und sozial gerecht bleibt, braucht es mehr als Einzelprojekte: Es braucht eine koordinierte Gesamtstrategie.
Der DGB Mittelhessen steht dabei an der Seite der Beschäftigten – unabhängig von Herkunft, Ausbildung oder Aufenthaltsstatus. Gute Arbeit muss für alle gelten.