Bärbel Grünewald zur neuen DGB-Kreisvorsitzenden im Vogelsberg gewählt
Langjährige ver.di-Gewerkschafterin übernimmt den Vorsitz und kündigt entschlossenen Widerstand gegen Sozialabbau und Angriffe auf Arbeitnehmerrechte an!
Staffelübergabe beim DGB Vogelsberg: Der DGB-Kreisverband Vogelsberg hat Bärbel Grünewald einstimmig zu seiner neuen Vorsitzenden gewählt. Sie folgt auf Paul Weber, der dem Kreisverband künftig als stellvertretender Vorsitzender erhalten bleibt.
Die 61-Jährige engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich in ihrer Gewerkschaft ver.di – zunächst in ihrer früheren Heimat Frankfurt am Main und seit ihrem Umzug nach Schotten im Jahr 2021 auch im Vogelsberg. Politisch aktiv ist Grünewald bereits seit ihrer Jugend. Ihr Engagement führte sie über einen sozialistischen Arbeiterjugendverband, die Friedensbewegung und die Naturfreunde bis in die gewerkschaftliche Arbeit.
Für ihre neue Aufgabe formuliert die Gewerkschafterin ein klares Ziel: Den Widerstand gegen den aus ihrer Sicht zunehmenden Sozialabbau und Angriffe auf Arbeitnehmerrechte zu organisieren. „Wir werden in den kommenden Jahren gemeinsam den gewerkschaftlichen Kampf gegen Sozialabbau und gegen die Angriffe auf hart erkämpfte Arbeitnehmerrechte wie den Acht-Stunden-Tag, die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder den Kündigungsschutz führen müssen. Dafür brauchen wir starke Gewerkschaften, gemeinsame Ideen sowie Aktionen und Veranstaltungen, die die Menschen erreichen“, erklärt Grünewald. Wichtig sei ihr dabei, die Einzelgewerkschaften im Vogelsberg eng einzubinden und zugleich die Zusammenarbeit mit Sozialverbänden und weiteren Bündnispartnern auszubauen.
Mit Sorge blickt die neue Kreisvorsitzende auf die aktuellen Vorschläge der Rentenkommission. Diese sehen unter anderem vor, die Lebensarbeitszeit künftig an die durchschnittliche Lebenserwartung zu koppeln und die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren abzuschaffen.
„Das würde bedeuten, dass selbst Menschen, die bereits mit 16 oder 17 Jahren eine Ausbildung begonnen haben, künftig bis 68, 69 oder sogar 70 Jahre arbeiten müssten oder, überspitzt gesagt, bis zum sozialverträglichen Ableben“, kritisiert Grünewald.
Auch die geplante stärkere kapitalgedeckte Altersvorsorge bewertet sie kritisch. Nach ihrer Auffassung werde damit die gesetzliche Rente geschwächt und das Risiko auf die Versicherten verlagert. „Wenn beim nächsten Börsencrash die Spekulationsblase platzt, droht vielen Menschen im Alter ein böses Erwachen. Eine sichere Altersvorsorge darf nicht vom Auf und Ab der Finanzmärkte abhängen“, so Grünewald.
Ebenso warnt sie vor weiteren Belastungen im Gesundheits- und Pflegesystem. „Die Menschen müssen sich nach den bisherigen Plänen auf höhere Eigenbeteiligungen bei gleichzeitig geringeren Leistungen einstellen.“
Kritisch bewertet die neue DGB-Kreisvorsitzende zudem die Einführung der sogenannten „Neuen Grundsicherung“. Diese bedeute für viele Betroffene strengere Sanktionen und niedrigere Schonvermögen. Gleichzeitig steige für Beschäftigte, die ihren Arbeitsplatz verlieren, das Risiko, innerhalb kurzer Zeit die finanzielle Sicherheit zu verlieren, die sie sich über Jahrzehnte erarbeitet haben.
„All diese Entwicklungen zeigen, wie wichtig starke Gewerkschaften sind. Man kann den Sozialabbau hinnehmen – oder sich solidarisch organisieren und gemeinsam dagegen wehren. Dafür möchte ich mich als DGB-Kreisvorsitzende einsetzen“, betont Grünewald.