BioNTech Marburg: Tarifkommission nimmt Arbeit auf – Sozialtarifverhandlungen starten im Oktober

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Die Auseinandersetzung um die Zukunft des BioNTech-Standorts in Marburg geht in eine neue Phase. Nachdem BioNTech die mögliche Schließung des Standorts angekündigt hat, hat die IGBCE den Arbeitgeberverband zu Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag aufgefordert.

Damit beginnt ein neuer Abschnitt im Einsatz für die rund 540 Beschäftigten. Das oberste Ziel bleibt unverändert: Der Erhalt des Standorts und der Arbeitsplätze. Gleichzeitig bereitet sich die Gewerkschaft darauf vor, die Kolleginnen und Kollegen bestmöglich abzusichern, falls BioNTech seine Schließungspläne tatsächlich umsetzt.

„Der Kampf um den Erhalt des Standorts und die Vorbereitung eines Sozialtarifvertrags sind kein Widerspruch“, erklärt Robin Mastronardi, Geschäftsführer des DGB Mittelhessen. „Wir müssen weiterhin alles dafür tun, eine Zukunftsperspektive für den Standort zu ermöglichen. Gleichzeitig wäre es unverantwortlich, die Beschäftigten nicht auf den Ernstfall vorzubereiten.“

In einer ersten Sitzung hat die Tarifkommission die aktuelle Lage bewertet, erste Schwerpunkte beraten und das weitere Vorgehen abgestimmt. Am 23. September sollen die konkreten Forderungen beschlossen werden. Die erste Verhandlung mit dem Arbeitgeber ist für den 1. Oktober vereinbart.

Ein Sozialtarifvertrag wird zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber beziehungsweise Arbeitgeberverband ausgehandelt. Er kann die wirtschaftlichen und sozialen Folgen einer Standortschließung oder eines Personalabbaus abfedern. Dazu gehören beispielsweise Regelungen zu Abfindungen, Transfergesellschaften, Qualifizierungs- und Weiterbildungsangeboten oder Unterstützungsleistungen bei der beruflichen Neuorientierung.

Der entscheidende Unterschied zu einem Sozialplan besteht darin, dass ein Sozialtarifvertrag von der Gewerkschaft verhandelt wird. Dadurch entstehen zusätzliche Möglichkeiten, den Interessen der Beschäftigten Nachdruck zu verleihen und verbindliche Regelungen durchzusetzen.

Bereits im Juni hatten zahlreiche Beschäftigte sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Gewerkschaften, Politik und Zivilgesellschaft bei einer Solidaritätskundgebung vor der Betriebsversammlung ein deutliches Zeichen gesetzt: Die Zukunft des BioNTech-Standorts ist längst keine rein betriebliche Frage mehr, sondern betrifft die gesamte Region.

Seitdem hat sich die öffentliche Debatte weiterentwickelt. Umso wichtiger ist es, den Beschäftigten Orientierung zu geben, ihre Interessen konsequent zu vertreten und alle realistischen Perspektiven für den Standort ernsthaft zu prüfen.

Für den DGB Mittelhessen bleibt die zentrale Botschaft deshalb unverändert: Die Beschäftigten dürfen mit ihren Zukunftssorgen nicht allein gelassen werden. Die Kolleginnen und Kollegen haben in den vergangenen Jahren Außergewöhnliches geleistet. Während der Corona-Pandemie wurde von Marburg aus Impfstoff für die ganze Welt produziert. Dieses Know-how und die hohe Kompetenz der Beschäftigten sind ein bedeutender Wert für den Pharmastandort Marburg und dürfen nicht leichtfertig aufgegeben werden.

Die anstehenden Sozialtarifverhandlungen sind deshalb ein wichtiger Schritt. Sie schaffen die Voraussetzung, die Interessen der Beschäftigten mit Nachdruck zu vertreten und gleichzeitig den Kampf für den Erhalt des Standorts fortzuführen. Der DGB Mittelhessen wird diesen Prozess gemeinsam mit der IGBCE, dem Betriebsrat und den Beschäftigten weiterhin solidarisch begleiten.

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