BioNTech will Standort Marburg schließen!

„Massiver Schlag für die Region“ – Eskalation an den Behringwerken

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Am Pharmastandort Behringwerke Marburg erreicht die Entwicklung eine neue Eskalationsstufe. Das Mainzer Pharmaunternehmen BioNTech plant, mehrere Produktionsstandorte zu schließen – darunter auch das Werk in Marburg. Damit droht nach dem im Februar 2026 angekündigten Abbau von 315 Arbeitsplätzen nun die vollständige Aufgabe des Produktionsstandorts. Rund 540 weitere Arbeitsplätze stehen damit vor dem Aus. Insgesamt sind von den aktuellen Planungen bundesweit etwa 1.860 Beschäftigte betroffen. Für den Standort Marburg ist das ein massiver Einschnitt – und für die Region Mittelhessen eine wirtschafts- und strukturpolitische Zäsur.

„Ein massiver Schlag für die Region“
Der Betriebsrat am Standort Marburg reagiert mit scharfer Kritik auf die Pläne des Unternehmens. Betriebsratsvorsitzender Mark Pfister macht deutlich: „BioNTech schließt seinen Produktionsstandort in Marburg – den Standort, der in der Pandemie maßgeblich dazu beigetragen hat, die Welt mit dem Impfstoff zu versorgen und dem Unternehmen Milliarden eingebracht hat. Während BioNTech mit dem Marburger Standort in der Pandemie Milliarden verdiente, wurde versäumt, den Standort zukunftssicher aufzustellen. Das ist ein massiver Schlag für die Region.“

In der Corona-Pandemie hat das Unternehmen zudem in erheblichem Umfang von staatlichen Subventionen profitiert. Besonders schwer wiegt aus Sicht der Beschäftigten der Vertrauensbruch. Noch vor wenigen Jahren wurde der Standort als zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie dargestellt, Investitionen getätigt und Zukunftsperspektiven in Aussicht gestellt. „Nun ist von diesen Plänen nichts mehr übrig“, so der Betriebsrat.

IGBCE spricht von „Kahlschlag“ und Verantwortungslosigkeit
Auch die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) bewertet die Entscheidung als gesellschaftlich hoch problematisch. Die Gewerkschaft spricht von einem „Kahlschlag“ und wirft dem Unternehmen vor, kurzfristige finanzielle Interessen über Beschäftigung und Standortverantwortung zu stellen. Auch auf Bundesebene wird die Entscheidung scharf kritisiert. Dort ist von einem „Frontalangriff auf die Beschäftigten“ die Rede. Produktionskapazitäten würden aus kurzfristigem finanziellem Kalkül zurückgefahren – zulasten der industriellen Resilienz in Deutschland.

Anne Weinschenk, Bezirksleiterin der IG BCE Mittelhessen, betont: „Das trifft den gesamten Pharmastandort Marburg ins Herz. Hier wird ein zentraler industrieller Kern geschwächt – mit Folgen weit über das einzelne Unternehmen hinaus.“

„Hier wird die industrielle Substanz einer ganzen Region angegriffen“
Für den DGB Mittelhessen ist die Entscheidung Teil einer besorgniserregenden Gesamtentwicklung am Standort und in der Region. Geschäftsführer Robin Mastronardi ordnet ein: „Was wir hier erleben, ist kein Einzelfall mehr. Hier wird die industrielle Substanz einer ganzen Region angegriffen. Wenn zentrale Produktionskapazitäten abgebaut und ganze Standorte geschlossen werden, geht es nicht nur um einzelne Unternehmen, sondern um Wertschöpfung, Tarifbindung und Zukunftsperspektiven in Mittelhessen.“

Bereits in den vergangenen Monaten hatten mehrere Unternehmen am Standort Stellen gestrichen oder ganze Bereiche geschlossen. Insgesamt sind inzwischen rund 1.500 tarifgebundene Industriearbeitsplätze nur am Standort betroffen oder bedroht. Mit der angekündigten Schließung des BioNTech-Standorts verschärft sich diese Entwicklung weiter.

Tausende protestierten – Druck wächst
Die Beschäftigten und Gewerkschaften haben in den vergangenen Monaten deutlich gemacht, dass sie diese Entwicklung nicht widerspruchslos hinnehmen werden. Bei den Kundgebungen am 30. Juli 2025 und am 4. März 2026 sind insgesamt über 7.000 Menschen auf die Straße gegangen, um für den Erhalt der Arbeitsplätze und die Zukunft der Behringwerke zu demonstrieren.

Die Botschaft war und ist eindeutig: Der fortschreitende Arbeitsplatzabbau stößt auf entschlossenen Widerstand.

Dominoeffekt für den gesamten Standort
Der DGB warnt vor weitreichenden Folgen über das Werkstor hinaus. Der Pharmastandort Behringwerke ist eng mit Zulieferern, Dienstleistern, Wissenschaft und Infrastruktur verbunden. Jeder weitere Arbeitsplatzverlust wirkt sich unmittelbar auf die gesamte Region aus.

Mastronardi macht deutlich: „Wenn solche Entscheidungen Schule machen – wie sie es bedauerlicherweise in Mittelhessen bereits auch in anderen Branchen tun – reden wir nicht mehr über einzelne Betriebe, sondern über die Zukunft der Industrie in unserer Heimat. Das können und werden wir nicht akzeptieren.“

„Industrie braucht Zukunft – nicht Abwicklung“
Gleichzeitig fordert der DGB ein Umdenken bei den Unternehmen und klare industriepolitische Signale: „Die Arbeitgeber müssen endlich andere Antworten finden als Standortschließungen und Arbeitsplatzabbau. Es braucht eine gemeinsame Strategie für die Zukunft der Industrie – mit den Beschäftigten, mit den Gewerkschaften, mit klarer Verantwortung für die Standorte und verlässlichen politischen Rahmenbedingungen“, so der Gewerkschafter.
„Es kann nicht sein, dass profitable Produktionsstrukturen geopfert werden, um kurzfristige Renditeziele zu bedienen. Industriepolitik darf nicht den Aktionärserwartungen untergeordnet werden.“

Weitere Schritte werden abgestimmt
Wie es nun weitergeht, ist Gegenstand intensiver Abstimmungen zwischen Gewerkschaften und betrieblichen Interessenvertretungen. Die aktuelle Situation wird gemeinsam bewertet, um eine abgestimmte Vorgehensweise zu entwickeln.

Eines ist jedoch bereits jetzt klar: Der Widerstand gegen die weitere Schwächung des Pharmastandorts Marburg wird anhalten.

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