Der Vorabend des 1. Mai im Wiesbadener Rathaus

Datum

Am 30.04.2026 fand zum dritten Mal in Folge - anlässlich des Internationalen Tags der Arbeit am 1. Mai - ein Empfang der DGB-Gewerkschaften im Festsaal des Wiesbadener Rathauses statt.

An der Veranstaltung – die unter dem Motto: Demokratie verteidigen – Für gute Arbeit und Mitbestimmung in den Betrieben stand – nahmen rund hundert Menschen teil. Darunter viele Gewerkschafter*innen, Betriebs- und Personalräte, aber auch zahlreiche Vertreter*innen demokratischer Parteien sowie aus dem Wiesbadener Bündnis für Demokratie.

Den Abend eröffnete Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende mit einer bewegenden Rede: Darin unterstrich er u.a. die Bedeutung der Gewerkschaften und die Arbeit der Betriebs- und Personalräte. Diese seien eine tragende Säule der Gesellschaft und der Wirtschaft in der Landeshauptstadt. Mendes sprach mit seinen klaren Worten, dass der 1. Mai und das Grundgesetz ohne eine antifaschistische Grundhaltung nicht denkbar seien und es mit Blick auf den 1. Mai gelte, gesellschaftliche Errungenschaften der Arbeiterbewegung – wie den 8-Stunden-Tag – zu verteidigen, den Anwesenden aus dem Herzen.   

Sascha Schmidt (Vorsitzender des DGB Wiesbaden Rheingau-Taunus) hob in seiner Rede die Bedeutung solcher Abende hervor: „Gerade in diesen Zeiten, in denen Kriege, wirtschaftliche Krisen und der zunehmende Zuspruch gegenüber einer demokratie- und gewerkschaftsfeindlichen Partei, vielen von uns Sorge bereitet, ist es gut, solidarisch zusammenzustehen und in Dialog treten zu können. Denn viele von uns spüren die zunehmenden Herausforderungen– ob in den Betrieben, in den politischen Auseinandersetzungen, in Gremien oder in den Parlamenten“. Dabei verwies er, beispielhaft für die zunehmende Verrohung der politischen Kultur auf den Rücktritt von Moira Lüttich von der Partei Volt. „Wer die nachfolgenden Diskussionen im Social Media verfolgt hat, kann klar erkennen, dass der Hass, der Moira Lüttich entgegenschlug, – von rechten Demokratiefeinde ausging“.

Auch Gewerkschaften erlebten zunehmend Angriffe und Delegitimierungsversuche aus dem rechten Spektrum. Dies hätten jüngst viele Kolleg*innen in den gerade laufenden Betriebsratswahlen immer wieder erleben müssen. Doch die Betriebsratswahlen hätten auch gezeigt: „Das Vertrauen in unsere Gewerkschaften und Betriebs- und Personalräte bleibt selbst in diesen schwierigen Zeiten unter den Beschäftigten groß“. Wohingegen rechte Betriebsratslisten kaum Mandate hinzugewinnen konnten, gelang es den DGB-Gewerkschaftslisten in vielen Betrieben, ihre Mandate zu halten oder ihre Stellung zu verbessern. „Das liegt allem voran daran, dass die absolute Mehrheit der Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben erleben, wer sich tatsächlich für ihre Interessen einsetzt“ so Schmidt weiter. Er dankte daher explizit allen anwesenden Betriebs- und Personalrät*innen und aktiven Gewerkschafter*innen für ihr Engagement. „Denn ohne euch“, so Schmidt, „wäre die ökonomische Schieflage in dieser Stadt und in diesem Land noch weitaus größer.“ Scharf kritisierte Schmidt dass viele Arbeitgeber – und Teile der Bundesregierung – versuchen, die Folgen der Kriege und wirtschaftlichen Krisen auf die Beschäftigten abzuwälzen. „Aus diesem Grund lautet unser Motto zum diesjährigen 1. Mai: Erst unsere Jobs – dann eure Profite. Denn die Beschäftigten sind nicht verantwortlich für die Krisen, für Fehlentscheidungen im Management der Unternehmen oder für unterlassene Investitionen seitens der Politik. Die Beschäftigten sind es, die jeden Tag arbeiten – und damit den Laden am Laufen halten“.

Nachfolgend sprachen die Betriebsrätin Aziza El-Fechtali (IG BCE) und Willy Petersen (Vorsitzender der IG BAU Fachgruppe Sozialkassen in Wiesbaden). Die Rede von Aziza El-Fechtali, die von anstehenden Veränderungen in ihrem Betrieb sprach - und dabei die Anwesenden ihre Sorge um die Zukunft ihres Arbeitsplatzes und der ihrer Kolleg*innen spüren ließ – war der emotionale Höhepunkt des Abends. Die Anwesenden im Saal quittierten die mutige Rede der Kollegin mit solidarischen Standing Ovations.

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung durch den Frankfurter DGB-Chor Provokale – der traditionelle Arbeiterlieder anstimmte.

Einen herzlichen Dank an Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und das Team des Rathauses,  für die Einladung und die tolle Organisation der Veranstaltung. Wir freuen uns auf das nächste Jahr.

Nun heißt es aber erstmal mit Blick auf Morgen: Heraus zum 1. Mai.  

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