Über 30.000 in Frankfurt: Das war erst der Anfang!
Mehr als 30.000 Menschen haben am 26. September in Frankfurt für Gute Arbeit, sichere Arbeitsplätze, Arbeitnehmerrechte und einen starken Sozialstaat demonstriert. Bundesweit waren rund 175.000 Menschen in 15 Städten auf der Straße. Auch aus Mittelhessen machten sich Hunderte Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter auf den Weg nach Frankfurt. Für den DGB Mittelhessen steht fest: Der Aktionstag war ein starkes Signal – aber kein Schlusspunkt.
Schon am Vormittag füllten sich der Willy-Brandt-Platz und die umliegenden Straßen mit Gewerkschaftsfahnen, Transparenten und Beschäftigten aus unterschiedlichsten Branchen. Von dort zog die Demonstration durch die Frankfurter Innenstadt zur Abschlusskundgebung auf dem Opernplatz.
Mehr als 30.000 Menschen beteiligten sich an der Demonstration in Frankfurt. Bundesweit gingen beim Aktionstag unter dem Motto „Hart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente.“ rund 175.000 Menschen in 15 Städten auf die Straße. Der DGB verband den Aktionstag mit Forderungen nach sicheren Arbeitsplätzen, guten Arbeitsbedingungen, einem starken Sozialstaat und dem Schutz von Arbeitnehmerrechten.
Auch Mittelhessen war stark vertreten. Elf Busse und hunderte Kolleginnen und Kollegen mit der Bahn machten sich aus der Region auf den Weg nach Frankfurt. Aus Gießen, Marburg, Herborn, Wetzlar, Alsfeld, Gladenbach, Grünberg und Lauterbach kamen Beschäftigte, Gewerkschaftsmitglieder und Unterstützerinnen und Unterstützer zusammen. Mehrere Busse waren bereits Tage vor dem Aktionstag vollständig ausgebucht.
„Was wir in Frankfurt erlebt haben, macht Mut. Über 30.000 Menschen allein in Frankfurt und 175.000 bundesweit haben gezeigt, welche Kraft entsteht, wenn Beschäftigte gemeinsam ihre Stimme erheben. Dieses Signal darf aber nicht nach einem Wochenende verhallen. Der 26. September war kein Schlusspunkt – er war ein Auftrag, weiterzumachen.“ Robin Mastronardi, Geschäftsführer DGB Mittelhessen
Beschäftigte nicht für die Krise verantwortlich machen
Im Mittelpunkt der Kundgebung standen die aktuellen Auseinandersetzungen um Arbeitszeit, Rente, Gesundheit, Pflege, soziale Sicherheit und tarifliche Errungenschaften – aber ebenso die wirtschaftliche Lage und die Zukunft industrieller Arbeitsplätze.
Der DGB wendet sich gegen die Vorstellung, wirtschaftliche Probleme ließen sich durch längere Arbeitszeiten, Sozialkürzungen oder weniger Arbeitnehmerrechte lösen. In ihrer Rede beim Aktionstag in Essen betonte die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi, wirtschaftliche Erneuerung brauche Investitionen, Innovationen, Gute Arbeit und Kaufkraft. Für die Industrie seien darüber hinaus moderne Infrastruktur, wettbewerbsfähige Energiepreise und verlässliche Rahmenbedingungen notwendig.
Diese Auseinandersetzung betrifft Mittelhessen unmittelbar. In der Region stehen seit Monaten tausende Industriearbeitsplätze unter Druck. Stellenabbau, Standortentscheidungen, fehlende Investitionen und Forderungen nach tariflichem Verzicht bestimmen die Diskussion in vielen Betrieben.
Mastronardi: „Die wirtschaftlichen Probleme sind real. Aber die Beschäftigten sind nicht das Problem. Ein längerer Arbeitstag modernisiert keine Infrastruktur, Sozialabbau sichert keinen Standort und eine schlechtere Rente schafft keine neue Fabrik. Wir brauchen Investitionen in unsere Standorte, sichere Arbeitsplätze, Tarifbindung und starke Mitbestimmung.“
Bei der Frankfurter Kundgebung formulierten auch ver.di-Vorsitzender Frank Werneke und der Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Michael Rudolph, diese Linie: Reformen und Investitionen seien notwendig, dürften aber nicht zulasten der Beschäftigten gehen. Der DGB stellt dabei die Verbindung zwischen wirtschaftlichem Aufschwung, Guter Arbeit und sozialer Sicherheit in den Mittelpunkt.
Der Aktionstag war kein Schlusspunkt
Mit dem 26. September endet die Auseinandersetzung deshalb nicht. Der DGB hat nach dem Aktionstag bekräftigt, weiter für Gute Arbeit, wirtschaftliche Erneuerung und soziale Sicherheit einzutreten. DGB-Vorsitzende Fahimi forderte die Bundesregierung am 28. September auf, das Signal der 175.000 Demonstrierenden ernst zu nehmen und bei ihren Reformvorhaben eine Kurskorrektur vorzunehmen. Genannt werden insbesondere Gesundheit, Pflege und Rente sowie eine stärkere wirtschaftspolitische Agenda.
Für den DGB Mittelhessen bedeutet das: Die Diskussion muss nun auch in den Betrieben, Kommunen und regionalen Bündnissen weitergeführt werden.
„Wir werden nach diesem Aktionstag nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergehen. Unsere Arbeits- und Sozialrechte sind über Jahrzehnte erkämpft worden. Ob es um sichere Arbeitsplätze, Tarifverträge, Mitbestimmung, Arbeitszeit, Gesundheit oder Rente geht: Wir werden weiter Druck machen und Menschen zusammenbringen. Denn Verhältnisse sind nicht einfach gegeben – gemeinsam können wir sie verändern.“
Dabei geht es aus Sicht des DGB nicht darum, notwendige Veränderungen zu verhindern. Der Gewerkschaftsbund erklärt ausdrücklich seine Bereitschaft, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel mitzugestalten. Zugleich fordert er, dass Beschäftigtenrechte, soziale Sicherheit und Lebensleistung dabei nicht entwertet werden.
Der 26. September hat gezeigt, wie viele Menschen bereit sind, dafür gemeinsam auf die Straße zu gehen. Jetzt kommt es darauf an, aus diesem Signal dauerhafte Stärke zu machen.