Anlässlich des Holocaust-Gedenktags fand in Alsfeld eine Gedenkveranstaltung unter dem Motto „Erinnern gegen das Vergessen“ statt. Bürgerinnen und Bürger erinnerten gemeinsam an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und setzten ein deutliches Zeichen für Demokratie, Menschenwürde und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Zu der Veranstaltung, die bereits zum dritten Mal durchgeführt wurde, begrüßte Dr. Christoph Stüber im Namen der örtlichen SPD sowie des Kreisvervbands des Deutscher Gewerkschaftsbunds zahlreiche Teilnehmende. Auch Bürgermeister Stephan Paule hatte erneut die Schirmherrschaft übernommen und unterstrich damit den parteiübergreifenden Charakter des Gedenkens. In seinem Beitrag hob er hervor, dass eine lebendige Demokratie vom respektvollen Umgang mit unterschiedlichen Meinungen lebe – und zugleich eine klare Haltung gegen Ausgrenzung, Rassismus und Antisemitismus erfordere.
Stolpersteine als Teil einer lebendigen Erinnerungskultur
Ein zentraler Bestandteil der Veranstaltung war die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Jüdinnen und Juden in Alsfeld. Im Fokus standen die sogenannten Stolpersteine, die im Stadtgebiet die letzten freiwilligen Wohnorte von Menschen markieren, die vom NS-Regime verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Das europaweite Projekt geht auf den Künstler Gunter Demnig aus Elbenrod zurück und zählt heute zu den bedeutendsten dezentralen Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit.
Die Historikerin Dr. Monika Hölscher zeichnete anhand einzelner Biografien die Lebenswege Alsfelder Jüdinnen und Juden nach. Viele von ihnen hatten versucht, der Verfolgung durch Umzüge in größere Städte oder durch Emigration zu entkommen – oftmals vergeblich. Stolpersteine in anderen Städten, etwa in Frankfurt am Main, erinnern bis heute auch an Menschen aus Alsfeld.
43 Stolpersteine – und weitere Schicksale
Mit der jüngsten Verlegung im September 2025 gibt es inzwischen 43 Stolpersteine im Stadtgebiet, darunter 42 für jüdische Opfer. Der andere Stein erinnert an Elise Emilie Rau, die 1941 in der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Tötungsanstalt Hadamar ermordet wurde. Insgesamt fielen mindestens 51 Jüdinnen und Juden aus Alsfeld dem Holocaust zum Opfer. Die Hoffnung bleibt, dass künftig auch an diese Menschen namentlich erinnert werden kann.
Den Abschluss der Gedenkfeier bildete ein musikalischer Beitrag, der dem stillen Erinnern Raum gab und die emotionale Dimension des Gedenkens noch einmal eindrücklich verdeutlichte.