Die Debatten um Sozialstaat, Arbeitsrechte und öffentliche Daseinsvorsorge gewinnen derzeit spürbar an Schärfe. Gleichzeitig wächst bundesweit der Widerstand gegen Sozialabbau. In einem bundesweiten Sozialstaatsbündnis haben sich 14 Organisationen mit zusammen mehr als 20 Millionen Mitgliedern zusammengeschlossen, darunter auch der Deutsche Gewerkschaftsbund. Ziel ist ein starker, gerechter und zukunftssicherer Sozialstaat sowie eine faktenbasierte gesellschaftliche Debatte über seine Bedeutung.
Auch in Gießen formiert sich der Protest. Für Samstag, den 13. Juni 2026, ruft ein breites Bündnis aus Gewerkschaften, Sozialverbänden, Parteien und weiteren Gruppen zu einer Demonstration gegen Sozialabbau auf. Die Demonstration beginnt um 15:00 Uhr am Berliner Platz und führt über die Johanneskirche, die Goethestraße, den Marktplatz und den Kirchenplatz.
Die Organisatorinnen und Organisatoren kritisieren insbesondere die aktuellen Debatten um Einschnitte bei sozialen Leistungen, Eingliederungshilfen, öffentlicher Daseinsvorsorge und Arbeitsrechten. Sie warnen davor, die Lasten gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Herausforderungen einseitig auf Beschäftigte, Familien, Erwerbslose, junge Menschen und Menschen mit Unterstützungsbedarf abzuwälzen.
„Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit brauchen die Menschen mehr soziale Sicherheit und nicht weniger. Ein starker Sozialstaat ist keine Belastung, sondern eine Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt, wirtschaftliche Stabilität und demokratische Handlungsfähigkeit“, erklärt Klaus Zecher, Vorsitzender des DGB-Kreisverbands Gießen.
Mit der Demonstration soll jedoch nicht nur Protest sichtbar gemacht werden: Am Dienstag, den 16. Juni 2026, folgt mit dem Sozialratschlag für einen starken Sozialstaat ein offenes Austausch- und Vernetzungsformat.
Zum Einstieg wird der Ökonom Dr. Kai Eicker-Wolf, verantwortlich beim DGB Hesse-Thüringen für den Bereich Wirtschafts- und Finanzpolitik, einen Impulsvortrag zu den aktuellen Reformdebatten und ihren Auswirkungen auf Beschäftigte, soziale Sicherungssysteme und die öffentliche Daseinsvorsorge halten. Im Anschluss sollen Vertreterinnen und Vertreter von Gewerkschaften, Sozial- und Wohlfahrtsverbänden, Initiativen sowie interessierte Einzelpersonen miteinander ins Gespräch kommen.
Der Sozialratschlag versteht sich ausdrücklich als offenes Format. Ziel ist es, Erfahrungen auszutauschen, Entwicklungen gemeinsam einzuordnen und Möglichkeiten für weitere Zusammenarbeit zu diskutieren.
„Es reicht nicht, einzelne Kürzungsvorschläge zu kritisieren. Wir müssen miteinander ins Gespräch kommen, Erfahrungen zusammenführen und frühzeitig handlungsfähige Strukturen aufbauen. Genau dafür soll der Sozialratschlag Raum bieten“, so Zecher.
Termine im Überblick
📍 Demonstration gegen Sozialabbau
Samstag, 13. Juni 2026 | 15:00 Uhr
Start: Berliner Platz, Gießen
📍 Sozialratschlag für einen starken Sozialstaat
Dienstag, 16. Juni 2026 | 18:00 Uhr
Kaufhaus der Jugendwerkstatt, Gießen
Impulsvortrag:
Dr. Kai Eicker-Wolf