„Liste der sozialen Grausamkeiten“: DGB macht Reformfolgen in Gladenbach sichtbar

Reformen dürfen das Leben der Menschen nicht verschlechtern!

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Mit einer symbolischen Aktion haben der DGB Mittelhessen, der DGB-Kreisverband Marburg-Biedenkopf und das ver.di-Bildungszentrum Gladenbach am 9. Juli auf dem Gladenbacher Marktplatz gegen Sozialabbau und Angriffe auf Arbeitsrechte protestiert.

Im Mittelpunkt der Aktion stand eine mehrere Meter lange Papierbahn. Auf ihr waren zahlreiche Themen und Folgen der aktuellen Reformdebatten festgehalten – darunter Rente, Arbeitszeit, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Gesundheit und Pflege, Grundsicherung, Jugendhilfe, Eingliederungshilfe und soziale Teilhabe.

Mit der symbolischen „Liste der sozialen Grausamkeiten“ machten die Gewerkschaften deutlich: Viele der angekündigten Veränderungen dürfen nicht isoliert betrachtet werden. In ihrer Summe drohen sie, soziale Risiken ausschließlich auf Beschäftigte, Familien, junge Menschen, Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderung abzuwälzen.

Beschäftigte stehen bereits heute unter Druck

Für den DGB ist die Reformdebatte eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung in der Region verbunden. Mehr als 3.500 Industriearbeitsplätze stehen in Mittelhessen unter Druck oder sind bereits verloren gegangen. Beschäftigte erleben Stellenabbau, Standortschließungen, Insolvenzen, Verlagerungen und immer neue Verzichtsforderungen.

Gerade in dieser Situation brauchen die Menschen verlässliche Schutzrechte, Perspektiven und einen starken Sozialstaat. Zusätzlicher Druck bei Krankheit, längere Arbeitszeiten, unsichere Beschäftigung oder Einschnitte bei Rente, Gesundheit und Pflege lösen weder die wirtschaftlichen noch die industriellen Probleme.

Die Krisen wurden nicht von den Beschäftigten verursacht. Deshalb dürfen sie auch nicht erneut die Rechnung bezahlen.

Soziale Sicherheit ermöglicht ein Leben neben der Arbeit

In den Redebeiträgen wurde deutlich, wie umfassend die geplanten Veränderungen in den Alltag der Menschen eingreifen.

Verlässliche Arbeitszeiten, sichere Beschäftigung, eine gute Gesundheitsversorgung und eine Rente, die zum Leben reicht, sind keine Nebensachen. Sie ermöglichen Familienleben, Erholung, gesellschaftliches Engagement und ein selbstbestimmtes Leben.

Auch die Perspektive junger Menschen spielte bei der Aktion eine wichtige Rolle. Kürzungen bei Bildung, Jugendhilfe und gesellschaftlicher Teilhabe gefährden ihre Zukunftschancen. Besonders betroffen wären Menschen, die schon heute unter schwierigen Bedingungen arbeiten oder auf öffentliche Unterstützung angewiesen sind.

Der DGB lehnt eine Politik ab, die gesellschaftliche Probleme individualisiert und immer mehr Verantwortung auf Einzelne oder das Ehrenamt verlagert.

Reformen ja, Sozialabbau nein!

Der DGB stellt sich nicht gegen notwendige Veränderungen. Reformen müssen aber das Leben der Menschen verbessern und den Sozialstaat leistungsfähiger machen.

Dazu gehören aus gewerkschaftlicher Sicht:

  • sichere und tarifgebundene Arbeitsplätze,
  • verlässliche Arbeitszeiten und wirksamer Gesundheitsschutz,
  • eine solidarisch finanzierte Rente, Kranken- und Pflegeversicherung,
  • gute Bildung und eine leistungsfähige soziale Infrastruktur,
  • die Sicherung individueller Teilhaberechte,
  • sowie eine gerechte Finanzierung, an der sich hohe Einkommen und große Vermögen stärker beteiligen.

Sozialabbau schafft keine Arbeitsplätze. Gute Arbeit, starke Tarifverträge und ein handlungsfähiger Sozialstaat gehören zusammen.

Der Protest geht weiter

Die Aktion in Gladenbach war Teil der laufenden Mobilisierung des DGB Mittelhessen gegen Sozialabbau und Angriffe auf Arbeitsrechte.

Am Freitag, 11. September 2026, rufen der DGB Mittelhessen und die IG Metall Herborn-Betzdorf zu einer Demonstration und Kundgebung auf: 11:55 Uhr | Marktplatz Herborn.

Am Samstag, 26. September 2026, folgt der bundesweite DGB-Aktionstag gegen Sozialabbau. In Hessen findet die zentrale Demonstration in Frankfurt am Main statt.

Weitere Informationen zu den Aktionen und zur geplanten Anreise werden auf der Homepage des DGB Mittelhessen veröffentlicht.

Zusammenhalt ist unsere Stärke. Jetzt erst recht.

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