Solidarität mit den Beschäftigten: Kundgebung vor BioNTech-Betriebsversammlung!
DGB ruft zur Solidaritätskundgebung am 11. Juni in Marburg auf
540 Beschäftigte bei BioNTech in Marburg blicken derzeit in eine ungewisse Zukunft. Hinter dieser Zahl stehen Menschen mit ihren Familien, deren berufliche und persönliche Perspektiven durch die angekündigte Schließung des Standorts bedroht sind. Vor diesem Hintergrund lädt der DGB Mittelhessen am Donnerstag, den 11. Juni 2026, von 12 bis 13 Uhr zu einer Solidaritätskundgebung vor dem Werkstor in Marburg-Marbach ein.
Die Kundgebung findet unmittelbar vor der Betriebsversammlung bei BioNTech statt und soll den Beschäftigten den Rücken stärken sowie ein sichtbares Zeichen der Unterstützung aus der Stadtgesellschaft senden. „Die Zukunft bei BioNTech und das Schicksal der vielen Kolleginnen und Kollegen geht uns alle an. Es geht nicht nur um Arbeitsplätze. Es geht um Menschen, Familien und um die Zukunft eines Standorts, der unsere Region seit Generationen prägt“, erklärt Robin Mastronardi, Geschäftsführer des DGB Mittelhessen.
Die Beschäftigten haben in den vergangenen Jahren Außergewöhnliches geleistet. Während der Corona-Pandemie wurde von Marburg aus Impfstoff für die ganze Welt produziert. Viele Kolleginnen und Kollegen haben mit ihrer Arbeit maßgeblich zur Bewältigung der Pandemie sowie zum Erfolg von BioNTech beigetragen.
Für den DGB ist deshalb klar: Wer in guten Zeiten von der Leistung und dem Engagement seiner Beschäftigten profitiert hat, trägt auch Verantwortung für ihre Zukunft.
„Wir erwarten, dass BioNTech alles dafür tut, eine tragfähige Zukunftsperspektive für die Menschen und den Standort zu ermöglichen. Die Beschäftigten haben ihren Teil der Verantwortung übernommen. Jetzt ist das Unternehmen in der Verantwortung, Perspektiven zu schaffen“, so Mastronardi weiter.
Die Entwicklungen bei BioNTech bzw. am Pharmastandort Behringwerke stehen dabei nicht isoliert. Auch an anderen Standorten in Mittelhessen erleben Beschäftigte derzeit tiefgreifende Umbrüche und Unsicherheiten. Allein in den vergangenen Monaten waren in der Region mehr als 3.500 Arbeitsplätze von Stellenabbau, Standortschließungen oder tiefgreifenden Restrukturierungen betroffen. Wirtschaftliche und betriebliche Konflikte werden vielerorts härter geführt. Umso wichtiger sind starke Betriebsräte, handlungsfähige Gewerkschaften und gesellschaftliche Solidarität. Gute Zukunftsperspektiven entstehen nicht von allein – sie müssen gemeinsam erkämpft und gestaltet werden.
Die Bedeutung der Behringwerke reicht dabei weit über das Unternehmen hinaus. Der Standort prägt seit Generationen die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Marburgs. Viele Familien in Marbach, Michelbach und der gesamten Region sind unmittelbar mit den Behringwerken verbunden.
Die Kundgebung richtet sich deshalb ausdrücklich nicht nur an Beschäftigte und Gewerkschaftsmitglieder. Eingeladen sind alle Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Initiativen sowie politische Vertreterinnen und Vertreter, die ihre Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen zum Ausdruck bringen möchten.
Die Zukunft der Behringwerke ist längst nicht mehr nur eine betriebliche Frage. Sie ist zu einer Frage für die gesamte Region geworden.
Aktuelle Entwicklung bei CSL Behring:
Auch bei CSL Behring in Marburg haben die Beschäftigten in den vergangenen Monaten um ihre Zukunft gebangt.
Ursprünglich stand ein Stellenabbau von 400 bis 500 Arbeitsplätzen in der Produktion im Raum. Nach intensiven Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung konnte die Zahl der betroffenen Beschäftigten deutlich reduziert werden.
Inzwischen haben sich beide Seiten auf einen Interessenausgleich und Sozialplan verständigt. Nach aktuellem Stand werden voraussichtlich rund 280 Beschäftigte von einem Stellenwegfall betroffen sein. Bestandteil der Vereinbarung sind unter anderem Abfindungsregelungen sowie die Einrichtung einer Transfergesellschaft zur Unterstützung der betroffenen Kolleginnen und Kollegen.
Für uns bleibt klar: Jeder verlorene Arbeitsplatz ist einer zu viel. Gleichzeitig zeigt das Ergebnis aber auch, dass Mitbestimmung, Organisierung und beharrliche Verhandlungen zumindest Anschlussperspektiven für Beschäftigte erreichen können.
Die Entwicklungen bei CSL Behring und BioNTech machen deutlich, wie wichtig langfristige Perspektiven für die Behringwerke und den Pharmastandort Marburg sind.