Sonntag ist mehr wert: Allianz startet Kampagne gegen Sonntagsöffnung am 27. Dezember

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Die Allianz für den freien Sonntag in Mittelhessen lehnt die Öffnung der Gießener Geschäfte am Sonntag, den 27. Dezember 2026, ab. Mit einer gemeinsamen Kampagne wollen Gewerkschaften, Kirchen und weitere gesellschaftliche Akteure öffentlich für gute Arbeit, gemeinsame freie Zeit und eine lebendige Innenstadt eintreten.

Am Sonntag, 27. Dezember 2026, dürfen die Geschäfte in der Gießener Innenstadt von 12 bis 18 Uhr zusätzlich öffnen. Der Magistrat hat die entsprechende Öffnung verfügt. Die Allianz für den freien Sonntag in Mittelhessen sieht diese Entscheidung kritisch und wird die Sonntagsöffnung in den kommenden Wochen politisch und öffentlich begleiten.

Hinter offenen Türen stehen Menschen

Gerade der Zeitpunkt unmittelbar nach Weihnachten ist aus Sicht der Allianz problematisch. Für viele Beschäftigte im Einzelhandel liegt dann eine der arbeitsintensivsten Phasen des Jahres hinter ihnen. Hoher Kundenandrang, hohe Arbeitsdichte und vielerorts dünne Personaldecken prägen das Weihnachtsgeschäft.

Nach diesen Wochen sind verlässliche Ruhezeiten wichtig. Der freie Sonntag bedeutet für viele Beschäftigte Zeit für Erholung, Familie, Freunde und ein Leben außerhalb der Arbeit.

Dabei ist uns wichtig, unterschiedliche Perspektiven nicht auszublenden: Beschäftigte bewerten Sonntagsarbeit unterschiedlich. Für manche kann zusätzliche Arbeit auch finanziell attraktiv sein, andere wollen gerade nach dem Weihnachtsgeschäft verlässlich frei haben. Der Schutz des Sonntags ist für uns deshalb mehr als eine Frage individueller Vorlieben.

Ein Jahr später „kompensieren“?

Die Sonntagsöffnung steht unmittelbar im Zusammenhang mit dem 29. November 2025. An diesem Tag fand in Gießen der Gründungskongress der AfD-Jugend statt. Gleichzeitig demonstrierten viele Tausend Menschen gegen Rechtsextremismus und für Vielfalt und Demokratie. Im Vorfeld entschieden sich einige Geschäfte, an diesem Tag geschlossen zu bleiben; andere öffneten regulär.

Im Anschluss forderte der stationäre Einzelhandel einen zusätzlichen verkaufsoffenen Sonntag als Kompensation für wirtschaftliche Einbußen. Die Kompensation für die Situation am 29. November 2025 wird inzwischen auch seitens des Magistrats ausdrücklich als Hintergrund für die Öffnung am 27. Dezember benannt.

Aus Sicht der Allianz ist klar: Wirtschaftliche Einbußen dürfen nicht ein Jahr später durch zusätzliche Sonntagsarbeit der Beschäftigten „kompensiert“ werden.

Ein Sonntag ist nicht einfach ein freier Dienstag

Der besondere Wert des Sonntags liegt darin, dass viele Menschen gleichzeitig frei haben.

Diese gemeinsame freie Zeit schafft Raum für Familie und Freunde, Vereine und Ehrenamt, Kultur und Sport, Glauben und Erholung. Sie ermöglicht Begegnung und gibt unserem Alltag einen gemeinsamen Rhythmus.

Deshalb betrachten wir den freien Sonntag als gesellschaftliches Gemeingut. Notwendige Sonntagsarbeit, beispielsweise im Gesundheitswesen, bei Rettungsdiensten oder in anderen Bereichen der Daseinsvorsorge, gehört selbstverständlich zu unserer Gesellschaft. Kommerziell begründete Ausnahmen sollten jedoch Ausnahmen bleiben und nicht Schritt für Schritt zum Normalfall werden.

Die Probleme des Einzelhandels sind real

Gleichzeitig verkennt die Allianz nicht die schwierige Situation vieler stationärer Einzelhändler. Verändertes Einkaufsverhalten, der wachsende Onlinehandel, steigende Kosten, Kaufzurückhaltung und Leerstände stellen Innenstädte vor reale Herausforderungen.

Zusätzliche Sonntagsöffnungen sind aus Sicht der Allianz jedoch keine geeignete und nachhaltige Antwort darauf.

Eine lebendige Innenstadt braucht mehr als längere oder zusätzliche Öffnungszeiten: Gute Erreichbarkeit, vielfältige Angebote, Aufenthaltsqualität, Kultur und Gastronomie, nicht-kommerzielle Begegnungsräume und nicht zuletzt gute Arbeitsbedingungen im Handel.

Eine starke Innenstadt und ein geschützter Sonntag sind kein Widerspruch.

Sonntag und Innenstadt gemeinsam denken

Eine lebendige Innenstadt und ein geschützter Sonntag gehören für uns zusammen. Eine starke Innenstadt braucht lebendigen Handel, gute Arbeit, Kultur und Gastronomie, attraktive öffentliche Räume und Orte der Begegnung.

Und sie braucht Zeit, in der Menschen nicht nur Kunden oder Beschäftigte sind.

Deshalb wollen wir die Herausforderungen gemeinsam und nachhaltig angehen. Im Dialog mit Beschäftigten, Handel, Politik, Kirchen und Stadtgesellschaft wollen wir darüber sprechen, wie die Zukunft der Gießener Innenstadt gestaltet werden kann, ohne den Schutz des freien Sonntags Schritt für Schritt aufzuweichen.

Die Kampagne beginnt

Nach der rechtlichen Prüfung der Sonntagsöffnung hat sich die Allianz entschieden, den Schwerpunkt auf die politische und gesellschaftliche Auseinandersetzung zu legen.

In den kommenden Wochen wollen wir mit Informationsangeboten, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Social-Media-Formaten und eigenen Videos auf die Folgen zusätzlicher Sonntagsöffnungen aufmerksam machen. Dabei sollen unterschiedliche Stimmen aus Gewerkschaften, Kirchen und Stadtgesellschaft zu Wort kommen.

Wir wollen nicht gegen Kundinnen und Kunden oder den stationären Einzelhandel argumentieren. Wir wollen darüber ins Gespräch kommen, welche Arbeitsbedingungen wir wollen, was uns gemeinsame freie Zeit wert ist und wie eine lebendige Gießener Innenstadt nachhaltig gestärkt werden kann.

Sonntag ist mehr wert!

Für gute Arbeit. Für gemeinsame freie Zeit. Für eine lebendige Stadt.

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