Mit einer breiten und branchenübergreifenden Beteiligung ist am 10. Februar 2026 in Gießen die Betriebs- und Personalrätekonferenz »Veränderung der Arbeitswelt und Wirkmächtigkeit von Betriebsräten!« erfolgreich gestartet. Rund 60 Betriebs- und Personalräte, Mitglieder von JAVen und Schwerbehindertenvertretungen aus ganz Mittelhessen folgten der Einladung des DGB Mittelhessen und des DGB-Bildungswerks Hessen e.V.
Die Konferenz bildete den Auftakt des Pilotprojekts »Transfer Arbeitsweltberichterstattung | Betriebliche Mitbestimmung«, das darauf zielt, wissenschaftliche Erkenntnisse zur Entwicklung der Arbeitswelt gezielt für die betriebliche Praxis nutzbar zu machen.
Wandel der Arbeit aktiv gestalten
In seinem Grußwort betonte Robin Mastronardi, Geschäftsführer der DGB-Region Mittelhessen, dass sich die Arbeitswelt in einer Phase tiefgreifender Veränderungen befindet: Digitalisierung, Dekarbonisierung, demografische Entwicklungen und geopolitische Krisen wirken gleichzeitig auf Betriebe und Beschäftigte. Gerade in Mittelhessen seien die Auswirkungen spürbar – etwa durch Standortschließungen, Arbeitsplatzabbau und unternehmenspolitische Entscheidungen, die oftmals kurzfristige Rendite über langfristige Verantwortung stellten.
Seine klare Botschaft: Der Wandel der Arbeit darf nicht auf Kosten der Beschäftigten gehen. Mitbestimmung sei kein Bremsklotz, sondern Voraussetzung für Stabilität, Innovation und wirtschaftliche Stärke.
Workshops mit klarem Praxisbezug
Im Zentrum der Konferenz standen drei praxisnahe Workshops, die unterschiedliche Facetten der aktuellen Herausforderungen beleuchteten:
- Erkenntnisse aus der hessischen Arbeitsweltberichterstattung: Welche Trends prägen die Arbeitswelt? Wo stehen Tarifbindung und Mitbestimmung? Und welche Schlussfolgerungen ergeben sich daraus für die betriebliche Praxis?
- Branchenübergreifende Vernetzung von Betriebs- und Personalräten: Anhand von Best-Practice-Beispielen wurde deutlich, wie Austausch und Solidarität über Betriebs- und Branchengrenzen hinweg Handlungsspielräume erweitern können.
- Betriebliche Veränderungsprozesse aktiv mitgestalten: Aufbauend auf den Ergebnissen eines Bedarfsworkshops diskutierten die Teilnehmenden, welche Kompetenzen Interessenvertretungen im Wandel der Arbeit benötigen – von rechtlichem und technischem Wissen über Kommunikations- und Konfliktkompetenzen bis hin zu Resilienz und strategischem Denken.
In allen Workshops wurde deutlich: Betriebs- und Personalräte sind längst nicht mehr nur Reagierende. Sie gestalten aktiv mit, entwickeln Zukunftskonzepte und sichern Beschäftigung und Perspektiven.
Sozialabbau schafft kein Wachstum
Auch die aktuellen politischen Debatten fanden Raum. Diskutiert wurde, wie Forderungen nach Sozialabbau und Einschränkungen von Arbeitnehmerrechten ein Klima der Verunsicherung schaffen. Einigkeit bestand darüber, dass solche Debatten weder Innovation noch Produktivität fördern. Im Gegenteil: Verunsicherung bremst Investitionen, Konsum und damit auch wirtschaftliche Entwicklung.
Starke Mitbestimmung braucht starke Beteiligung
Mit Blick auf die anstehenden Betriebsratswahlen wurde deutlich: Mitbestimmung lebt von Beteiligung. Sie ist direkte Demokratie im Betrieb und eine tragende Säule unserer sozialen Marktwirtschaft.
Die große Resonanz der Konferenz zeigt, dass das Interesse an Austausch, Qualifizierung und Vernetzung in Mittelhessen hoch ist. Das Pilotprojekt wurde mit einem ersten Netzwerktreffen am 25. März 2026 zum Thema »KI im Betrieb - Und jetzt?« fortgesetzt.
Mittelhessen braucht starke Mitbestimmung – und diese Konferenz war ein deutliches Signal dafür.
Weitere Informationen zum Pilotprojekt
Worum geht es im Pilotprojekt?
Das Pilotprojekt »Transfer Arbeitsweltberichterstattung | Betriebliche Mitbestimmung macht wissenschaftliche Erkenntnisse zur Entwicklung der Arbeitswelt in Hessen erstmals gezielt für betriebliche Interessenvertretungen nutzbar. Ziel ist es, Mitbestimmung zu stärken und Betriebs- und Personalräte bei Transformationsprozessen zu unterstützen.
Was ist das Besondere an dem Projekt?
Ein zentrales Merkmal ist der branchenübergreifende Austausch. Interessenvertretungen aus unterschiedlichen Bereichen kommen zusammen, setzen ihre Themen selbst und entwickeln gemeinsam praxisnahe Lösungsansätze. So entstehen nachhaltige Netzwerke über Betriebs- und Branchengrenzen hinweg.
Welche Aktivitäten sind geplant?
Geplant sind regionale Netzwerktreffen, Workshops und Bildungsangebote zu aktuellen Themen wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Arbeitszeitgestaltung, Fachkräftemangel, psychische Belastungen und Demokratie im Betrieb. Ziel ist der Aufbau eines dauerhaften Netzwerks in Mittelhessen.