Die Schließung des letzten hessischen Stahlwerks und die Zerschlagung von Buderus Edelstahl haben die Region tief getroffen. Beim Trauermarsch am 9. Oktober 2025 wurde deutlich, welche Bedeutung der Betrieb für die Beschäftigten, die Bevölkerung Wetzlars und für die industrielle Substanz in Mittelhessen hat.
Seitdem hat sich vieles verändert: Betriebsteile wurden übernommen, Strukturen neu geordnet und für viele Beschäftigte mussten neue Perspektiven gefunden werden. Gleichzeitig ist die Situation weiterhin von Unsicherheit geprägt – sowohl im Betrieb als auch mit Blick auf die Zukunft der Industrie in der Region.
Was oft im Verborgenen bleibt: Hinter den Kulissen wurde intensiv gearbeitet. Betriebsrat und IG Metall haben in schwierigen Verhandlungen Sozialplan und Interessenausgleich durchgesetzt, um die Folgen für die Beschäftigten abzufedern. Gleichzeitig wurden auf Initiative des DGB gemeinsam mit regionalen Partnern Instrumente entwickelt, um neue Perspektiven zu schaffen und Beschäftigung zu sichern.
Doch klar ist auch: Diese Maßnahmen sind wichtig – sie ersetzen aber keine Arbeitsplätze und keine industrielle Wertschöpfung. Die aktuellen Entwicklungen zeigen vielmehr, wie stark die industrielle Basis in Mittelhessen sowie deutschlandweit unter Druck steht. Neben Wetzlar betrifft das auch weitere Standorte in der Region.
Umso wichtiger ist es, nicht nur die Folgen des Strukturwandels zu verwalten, sondern aktiv an Zukunftsperspektiven zu arbeiten. Es braucht eine Industriepolitik, die den Standort stärkt, gute Arbeitsplätze sichert und langfristige Perspektiven schafft.
Videoreihe: Stimmen aus dem Betrieb und politische Einordnung
Im Rahmen eines Betriebsbesuchs bei der GMH-Gruppe in Wetzlar, die Betriebsteile - wie das Warmwalzwerk - übernommen hat, hat der DGB Mittelhessen eine dreiteilige Videoreihe mit Kurzinterviews mit Stefano Di Lena, Vorsitzender des Übergangsbetriebsrats und Stefan Körzell, Mitglied im DGB-Bundesvorstand, produziert. Die Videos geben Einblicke in die aktuelle Situation vor Ort, zeigen die Perspektive der Beschäftigten und ordnen die Entwicklungen industriepolitisch ein.
Hintergrund:
Was ist nach der Zerschlagung passiert?
Einordnung der Entwicklungen seit dem Trauermarsch im Oktober 2025: Schließung des Stahlwerks, Aufspaltung von Buderus Edelstahl und die Frage, wie Beschäftigte in dieser Phase unterstützt wurden.
Stimme aus dem Betrieb – wie ist die aktuelle Lage?
Stefano Di Lena, Vorsitzender des Übergangsbetriebsrats, schildert die aktuelle Situation im Betrieb, die Stimmung in der Belegschaft und die zentralen Herausforderungen nach der Zerschlagung des Traditionsunternehmens Buderus Edelstahl.
Industrie unter Druck – was muss jetzt passieren?
Einordnung durch Stefan Körzell vom DGB-Bundesvorstand: Welche Lehren lassen sich aus der Situation in Wetzlar ziehen – und welche industriepolitischen Maßnahmen jetzt notwendig sind.