PM 045 - 30.07.2025
Arbeitsmarktzahlen: Sternatz: „Längere Arbeitstage lösen keine Fachkräfteprobleme“
Frankfurt/Erfurt, 31. Juli 2025
Zu den aktuellen Arbeitsmarktzahlen erklärt Renate Sternatz, stellvertretende Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen:
„Die Herausforderungen am Arbeitsmarkt – vom Fachkräftemangel bis zur hohen Teilzeitquote – lassen sich nicht durch Symbolpolitik auf dem Rücken der Beschäftigten lösen. Wer Kinder erzieht, Angehörige pflegt, einen körperlich anspruchsvollen Job hat oder vor anderen Herausforderungen steht, kann schlicht nicht länger arbeiten. Um Arbeit attraktiver zu machen, müssen die Arbeitszeiten verlässlich und gesund gestaltet werden – mit Zeit für Erholung, Familie und gesellschaftliches Leben. Die Politik muss eine verlässliche und qualitativ gute Kinderbetreuung, auch für Kinder im Grundschulalter, ausbauen. Die Voraussetzungen für eine gerechtere Aufteilung der unbezahlten Sorgearbeit zwischen Männern und Frauen müssen verbessert werden. Das würde vielen Menschen, insbesondere Frauen, ermöglichen, ihre Arbeitszeit aufzustocken.“
Sternatz weiter: „Längere Arbeitstage lösen keine Fachkräfteprobleme. Das Arbeitszeitgesetz bietet bereits ausreichend Flexibilität. Eine einseitige Aufweichung zugunsten der Arbeitgeber ist weder nötig noch gerechtfertigt.
Mit Blick auf die aktuelle Debatte um längere tägliche Höchstarbeitszeiten warnt Sternatz vor einer falschen Weichenstellung: „Wer die Arbeitszeit verlängern will, ignoriert die Arbeits- und Lebensrealität der Beschäftigten. Eine klare Mehrheit lehnt längere Arbeitstage ab – das zeigt die jüngste Befragung im Rahmen des DGB-Index Gute Arbeit deutlich: 72 Prozent wollen maximal acht Stunden pro Tag arbeiten, fast alle weniger als zehn. Besonders Beschäftigte mit Kindern brauchen klare, verlässliche Grenzen – keine weitere Ausdehnung der Arbeitszeit.“