Aus­bil­dungs­re­port 2024 der DGB-Ju­gend Hes­sen-T­hü­rin­gen zeigt große Un­ter­schie­de bei Aus­bil­dungs­zu­frie­den­heit

Datum

Ordnungsnummer PM 026

PM 026 - 10.04.2025

Ausbildungsreport 2024 der DGB-Jugend Hessen-Thüringen zeigt große Unterschiede bei Ausbildungszufriedenheit

Die Mehrheit der hessischen Auszubildenden ist mit ihrer Ausbildung und mit ihren betrieblichen Ausbilder*innen zufrieden. Dies zeigt der neuen Ausbildungsreport der DGB-Jugend Hessen-Thüringen, der heute in Wiesbaden vorgestellt wurde.

Allerdings gibt es deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ausbildungsberufen. Neben einer korrekten Behandlung der Auszubildenden durch die Ausbilder*innen steht und fällt die Ausbildungszufriedenheit mit der Zahl der geleisteten Überstunden, den ausbildungsfremden Tätigkeiten, die viele Azubis übernehmen müssen und den oft unklaren Übernahmeperspektiven.

„Gut 70 Prozent der Auszubildenden sind mit ihrer Ausbildung zufrieden. Das zeigt: Die duale Ausbildung ist und bleibt ein Erfolgsmodell“, erklärte Renate Sternatz, stellvertretende DGB-Bezirksvorsitzende. „Allerding deuten einzelne Indikatoren laut Ausbildungsreport auf gravierende Mängel in manchen Betrieben hin.“ Mehr als ein Drittel der der Auszubildenden (36 Prozent) gaben an, regelmäßig Überstunden zu leisten, jede*r vierte Auszubildende muss nach eigener Angabe immer” oder “häufig” ausbildungsfremde Tätigkeiten übernehmen und mehr als die Hälfte der Befragten wussten zum Zeitpunkt der Befragung nicht, ob sie im Anschluss an ihre Ausbildung übernommen werden.

Auch die Behandlung der Auszubildenden durch ihre Ausbilder*innen beeinflusst die Ausbildungszufriedenheit. Vor diesem Hintergrund lag der Schwerpunkt der Befragung in diesem Jahr auf der fachlichen Anleitung durch die Ausbilder*innen und den Ausbildungsmethoden. Die Ergebnisse zeigen, dass die Zufriedenheit der Auszubildenden dann überdurchschnittlich hoch ist, wenn sie vom Ausbildungspersonal in den Betrieben korrekt behandelt werden, die Arbeitsvorgänge gut erklärt bekommen und auf ihre individuelle Lernbedürfnisse eingegangen wird.

„Leider haben nicht alle Ausbilder*innen genügend Zeit, um ihre Auszubildenden so zu betreuen, wie es notwendig wäre”, betonte Charlotte Dick, Bezirksjugendsekretärin der DGB-Jugend Hessen-Thüringen. Mehr als die Hälfte der Befragten erhielten laut eigenen Angaben seltener als einmal im Monat (40 Prozent) oder sogar nie (13 Prozent) ein persönliches Feedback zu ihrer Ausbildung.

Allerdings gingen dem Ausbildungsreport folgend nur etwa zwei Drittel der Ausbilder*innen auf die individuellen Lernbedürfnisse (immer: 34 Prozent und „häufig“: 33 Prozent) der Auszubildenden ein und nur zwei Drittel der Auszubildenden hatten den Eindruck ihre Arbeitsvorgänge zufriedenstellend erklärt zu bekommen. Dazu sagte Charlotte Dick: „Die Qualität der Ausbildung und damit auch ein erfolgreicher Ausbildungsabschluss ist maßgeblich von der Betreuung abhängig. Die Ausbilder*innen brauchen dringend mehr Zeit für die Betreuung ihrer Auszubildenden. Um eine hochwertige Betreuung in der Ausbindung zu garantieren, muss der Betreuungsschlüssel grundsätzlich bei maximal eins zu acht liegen. Ganz gleich ob Auszubildende*r oder Ausbilder*in von kleineren Betreuungsschlüsseln würden am Ende alle profitieren.” Auch sollten Ausbilder*innen aus Sicht der DGB-Jugend durch regelmäßige Weiterbildungen besser auf die sich wandelnden Anforderungen vorbereitet werden.

Trotz hoher Zufriedenheit sieht die stellvertretende Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Renate Sternatz, die Lage am hessischen Ausbildungsmarkt weiterhin angespannt: „Es bereitet uns große Sorge, dass mehr als jede*r Fünfte zwischen 20 und 34 Jahren keine abgeschlossene Ausbildung hat. Statt eines guten Starts ins Arbeitsleben droht vielen jungen Menschen ein Arbeitsleben im Niedriglohnsektor und in prekärer Beschäftigung. Für uns ist unklar, warum über Fachkräftemangel geklagt wird und gleichzeitig nur noch 18 Prozent der hessischen Betriebe ausbilden.“

Hintergrund:

Der hessische Ausbildungsreport liefert Zahlen und Fakten für eine Debatte zur Ausbildungsqualität und weist auf Missstände in der Ausbildung hin. Die repräsentative Befragung wurde von September 2023 bis April 2024 durchgeführt. Insgesamt haben sich 916 Auszubildende, aus den laut Bundesinstitut für Berufsbildung 25 am häufigsten gewählten Ausbildungsberufen, beteiligt.

zurück